Zwischen Sichtbarkeit und Gewalt – zwei Bücher von Falk Karrasch!

Zwischen Sichtbarkeit und Gewalt – zwei Bücher von Falk Karrasch!

Im November 2025 hat Falk Karrasch die Welt der Literatur mit gleich zwei Büchern aufgewirbelt. Zwischen Sichtbarkeit und Gewalt – zwei Bücher von Falk Karrasch über queeres Leben in Berlin.
In einem gemeinsamen Gespräch macht der Autor klar, warum seine Werke nicht nur lesenswert sind, sondern auch dringend nötig sind, in einer Gesellschaft die oft wegschaut.

Sichtbarkeit und Gefahr: Die Werke von Falk Karrasch

Was bedeutet es, gesehen zu werden? Und was geschieht, wenn Sichtbarkeit zur Gefahr wird? Diese Fragen thematisiert der Berliner Autor Falk Karrasch in seinen beiden Publikationen: dem Sachbuch „Bodyshaming in der LGBTQ+ Community“ und dem Thriller „Wer bringt den Tod nach Berlin?“. Obwohl die beiden Werke in ihrer Form und Erzählweise kaum unterschiedlicher sein könnten, berühren sie auf einer tiefen Ebene ähnliche Themen.

Körperliche Bewertung und leise Gewalt

In „Bodyshaming in der LGBTQ+ Community“ richtet Karrasch seinen Fokus auf die inneren Strukturen der LGBTQ+ Community. Anstatt eine Anleitung zur Selbstoptimierung zu bieten, offenbart das Buch eine schonungslose Analyse der leisen Gewalt, die in bewertenden Blicken, Schweigen und Unsichtbarkeit verwurzelt ist. Ausgehend von persönlichen Beobachtungen und Gesprächen beschreibt der Autor, wie Körper in queeren Räumen zur Währung werden. Scham entsteht hier oft unmerklich, ohne dass ein offener Angriff nötig ist. Das Sachbuch ist mehr als eine Reflexion; es versteht sich als Einladung zur Würde, nicht zur Anpassung. Karrasch möchte Verantwortung teilen und sie nicht weiterhin individualisieren.

Thriller mit sozialer Dimension

Der Thriller „Wer bringt den Tod nach Berlin?“ verlegt die gleichen Themen in eine spannende Erzählung. In der pulsierenden Berliner Nacht verschwindet ein Mann aus der schwulen Clubszene. Anstatt einer konventionellen Jagd nach dem Täter erleben die Leser einen Abstieg in ein System aus Macht, Kontrolle und strukturellem Wegsehen. Der Roman zeichnet ein Bild von Berlin, einer Stadt, die laut und frei erscheint, jedoch auch Räume bietet, in denen Gewalt unauffällig bleiben kann. Berlin wird zu einer Mitspielerin, die sowohl schützt als auch verschluckt.

Die unbequeme Frage

Beide Bücher stellen die unbequeme Frage: Was passiert, wenn Körper bewertet werden und Schweigen zur Normalität wird?

Analytische Klarheit und literarische Verdichtung

Falk Karrasch vereint analytische Klarheit mit literarischer Verdichtung in seinen Texten. Er verzichtet auf einfache Schuldzuweisungen und setzt stattdessen auf Haltung, Empathie und Genauigkeit. Ob im Sachbuch oder im Thriller – stets geht es um die Folgen gesellschaftlicher Ordnungen, die Menschen an den Rand drängen. Oft unbemerkt, und nicht selten mit tödlicher Konsequenz.

Karraschs Positionierung als Autor

Mit diesen beiden Veröffentlichungen positioniert sich Falk Karrasch als ein Autor, der queere Lebensrealitäten nicht dekorativ darstellt, sondern ernst nimmt. Er beleuchtet die Verletzlichkeit, Widersprüchlichkeit und die politische Dimension dieser Erfahrungen und schafft Raum für wichtige Diskussionen.