Denis Sarazhin. Gravity

Im Zentrum der Arbeiten des ukrainischen Malers Denis Sarazhin (*1982 in Nikopol, Ukraine) steht die menschliche Figur. Mit ihrer Darstellung formuliert Sarazhin unterschiedliche Aussagen über unsere menschlichen Erfahrungen und Empfindungen.

Es geht um zwischenmenschliche Beziehungen, Identitätsfragen, die Suche nach sich selbst. Diese privaten und doch universellen Fragen werden dem Betrachter über das kommunikative Potenzial des menschlichen Körpers als Motiv und mit den Möglichkeiten der Malerei vermittelt.

Denis Sarazhin, At the pinnacle
2019, Öl auf Leinwand, 70 x 70 cm

In vielen der aktuellen Arbeiten präsentiert sich dem Betrachter eine faszinierende Selbstbezogenheit der Figuren. Die Gestalten befinden in einem undefinierbaren, zeitlosen Raum, dessen Vagheit den Betrachter dazu einlädt, die Arbeiten aus seiner eigenen Erfahrung heraus zu interpretieren. Ein solch offener Interpretationsraum begegnet uns beispielsweise in der Arbeit „At the pinnacle“ (2019): Vor nebulösen, von einer unbekannten Lichtquelle in grelles Orange getauchten Schwaden, schwebt hier eine männliche Figur im Raum. Die ausstellungstitelgebende Schwerkraft scheint außer Kraft gesetzt zu sein. Doch auch, wenn Sarazhins Protagonist hier den physikalischen Kräften der Gravitation trotzt, treibt sein Körper nicht entspannt im leeren Raum, sondern scheint unter Spannung zu stehen. Seine muskulösen Beine sind angewinkelt, der Oberkörper leicht verdreht, die angespannten Arme unnatürlich mit krampfenden Fingern vom Körper weggesteckt. Die Dynamik dieser Pose unterstreicht Sarazhin zudem mit dem gekonnt modellierten Faltenwurf des hellen Hemdes und einer mythischen Lichtgebung, die der Silhouette der Figur eine faszinierende Präsenz und Plastizität verleiht.

Während in dieser Arbeit eher warme Töne vorherrschen und eine durchaus positive, energetische Gesamtstimmung entsteht, bestimmt eine kühlere Farbpalette die Wirkung von Gemälden wie „Out of touch“ (2019) oder „Sleeplessness“ (2019). Erstere der beiden Arbeiten kann als Meditation über Einsamkeit und Intimität gelesen werden. Die nackte Figur sitzt hier fest auf hellem Untergrund, das Gesicht und der Oberkörper treten im Dunklen zurück. Lediglich die zur Faust geballte rechte Hand und die ausgestreckten Beine des jungen Mannes treten im Vordergrund beleuchtet hervor. Bemerkenswert ist besonders Sarazhins malerischer Umgang mit Haut. Den sehnigen, athletischen Körper präsentiert er dem Betrachter mit Hilfe seines charakteristischen Pinselstrichs, der sich in der Gemäldestruktur stets deutlich ablesen lässt. Der sichtbare Pinselduktus führt dabei jedoch nie zu groben, sondern – trotz der expressiven Farbigkeit – zu beeindruckend realistischen Ergebnissen. Den kühlen Blautönen der Haut setzt Sarazhin an den Knöcheln der Hand ein Violett und an den Zehen seiner Figur ein Rot entgegen und betont mit diesen warmen Farbtönen jene Körperzonen, an denen der Körper seinen intensivsten Kontakt mit der Außenwelt erlebt.

In „Sleeplessness“ kollidieren im leeren Raum gleich drei halbnackte Figuren in verkrampften Posen miteinander. Doch auch hier wird nicht die Leichtigkeit des Seins vermittelt, sondern eher eine emotionale Krise. Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich die drei Figuren als drei Varianten ein und derselben männlichen Figur, dargestellt in unterschiedlichen Bewegungsmomenten. Durch Simultandarstellungen wie diese, verleiht Sarazhin vielen seiner Arbeiten einen zeitlichen Aspekt und visualisiert Gedanken und Emotionen, die sonst nur rein psychisch erlebt werden.

Welche bedeutende Rolle dem menschlichen Körper beim Ausdruck von Gefühlen zukommt, verdeutlicht Sarazhins Serie mit dem Titel „Signs“. Hier erkundet der junge Maler das Ausdruckspotenzial unserer Hände und macht subtil auf deren Bedeutung für unsere non-verbale Kommunikation aufmerksam. Wie auch bei seinen Ganzkörperfiguren geht es dem Maler dabei nicht darum, die Hände so korrekt und naturalistisch wie nur möglich darzustellen – obwohl auch hier ein bemerkenswerter Blick auf den anatomischen Details liegt -, sondern um deren emotionalen Ausdruck. So wie sich mit Körper- und Zeichensprache ansonsten schwer Benennbares ausdrücken lässt, so sieht Sarazhin auch in der Malerei eine Ausdrucksform, Gefühle und Emotionen ohne verbale Erklärung zu vermitteln und macht sich genau hierfür in seinen Gemälden die Ausdruckskraft der menschlichen Figur zu Nutze.

Denis Sarazhin, Sign 7
2019, Öl auf Leinwand, 30 x 30 cm

Denis Sarazhin wurde 1982 in Nikopol in der Ukraine geboren. 2008 schloss er sein Studium an der Akademie für Kunst und Design in Kharkov ab. Bereits 2006 erhielt er einen Preis für hervorragende Leistungen in der Malerei von der Ukrainian Art Academy. Heute lebt und arbeitet Sarazhin in Kharkov, Ukraine.

Galerie Thomas Fuchs 

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