Wasserkunst in Magdeburg – die Ferienwohnungen mit Geschichte

Die nächste Station ZeitBlatt hilft! führt mich in die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt, nach Magdeburg. Die Stadt an der Elbe kenne ich seit 20 Jahren gut und fühle mich sehr wohl mal wieder dorthin zu reisen. Doch die Reise führt mich in einen Teil von Magdeburg, den ich noch nicht kenne und vor allem in eine Liegenschaft und Ferienwohnung, die etwas ganz besonderes ist: Die Wasserkunst.

Magdeburg besticht ohnehin durch die Elbe, ist schon historisch gesehen ein wichtiger Punkt, auch aufgrund dieses Wasserweges. Aber auch kulturell und künstlerisch ist Magdeburg bedeutend. Ob es das Hundertwasserhaus / Grüne Zitadelle am Breiten Weg ist, der imposante gotische Dom zu Magdeburg, das Kulturhistorische Museum oder die Messe KUNST MITTE, welche in Magdeburg stattfindet.

In der Liegenschaft, die ich besuche kommt beides zusammen – Wasser und Kunst. Gerd und Conny Reinicke haben die Liegenschaft 1998 erworben und viel Zeit, Mühen, Geld und Liebe investiert.

Das kleine Juwel im Stadtteil „Neue Neustadt“ ist keineswegs etwas Neues, denn es ist im Jahre 1849 errichtet worden und steht unter Denkmalschutz. Im Gebäude befand sich früher das Pumpwerk für die nahegelegene Zuckerraffinerie. Sie beförderte das über einen 12 Meter tiefen Brunnen geförderte Elb-Wasser in die Raffinerie, um die Zuckerrüben zu waschen und die Dampfmaschinen zu betreiben.

Heute ist das gewaltige Pumpwerk nicht mehr vorhanden. Wir sitzen genau an der Stelle, wo bis 1895 die gewaltige Pumpe 6 Tage die Woche durch einen Maschinisten, der den Dampfkessel einheizte, betrieben worden ist. Ich darf viel über das Gebäude, die Geschichte und vor allem Gerd seine Leidenschaften erfahren. Über uns befinden sich die Privatgemächer der beiden.

Liebe, Begeisterung, Details und Perfektionismus wären wohl die Worte, die ihn und auch zugleich die Wasserkunst beschreiben. Voller Freude erzählt er mir, wie sie die Immobilie in der gleichnamigen Straße (Wasserkunststraße) gekauft haben und über 20 Jahre saniert haben. Alte Fotos durfte ich sehen – immer wieder erstaunlich, was man aus solchen „Ruinen“ für Schmuckstücke machen kann. Doch es bedarf nicht nur Kapital, sondern auch viel Engagement, viel Lebenszeit der Käufer dies so umzusetzen.

Gerd, der mit vielen Projekten umtriebig ist, kann auf fast 30 Jahre Selbständigkeit zurückblicken. Er war vor seiner Selbständigkeit im Architekturmodellbau tätig, was ihn sogar bis nach Südamerika gebracht hat. Selbständig machte er sich mit dem Bau von Immobilien-Modellen.
Durch seine Interessen und Fähigkeiten getrieben, war er auch viele Jahre Vorstand des Technikmuseum in Magdeburg. 2009 rekonstruierte und ergänzte er die „Wrackteile“ der Hans-Grade-Eindecker „Libelle“ von 1909 (Flugzeug), die dem Technikmuseum Magdeburg gehört.

Was der Mann alles in den wenigen Jahren geschaffen hat gleicht einem Wunder, wenn ich ihm so zuhöre. Auch wenn ich mich im Gebäude oder im Garten umschaue, gibt es wohl nichts, was Gerd handwerklich nicht kann und vor allem sieht man überall seine Kreativität. Aber auch historische Materialien und Gegenstände aus anderen Gebäuden ergattern, um die Wasserkunst noch schöner zu machen, sind sein Perfektionismus und seine Freude.

Doch hat alles auch einen Preis. Seine Frau Conny frage ich beim Kaffee, ob sie denn auch immer erfreut war. Mit verdrehten Augen, aber einem Lächeln und dabei über Gerd seinen Arm streichelnd, sagt sie, dass sie immer alles gern mitgetragen hat. Doch der letzte Urlaub war 1993 (in Rio de Janeiro), da dürfte vielleicht mal wieder einer kommen.

Die Liebe zum Detail und das handwerkliche Geschick sind Gerd bei dem Projekt sehr hilfreich, doch auch das gute Netzwerk machen so etwas erst möglich. Entweder kann jemand helfen oder wenn es etwas nicht gibt, dann stellt er es selbst her, wie beispielsweise die Ornamente am Gebäude, wo nur noch eines unbeschädigt war, als er das Objekt gekauft hatte. Bei der Sanierung der Wasserkunst war ihm sein Bruder Bernd, als Maurer und Dachdecker, eine gute Hilfe.

Die Idee mit den Ferienwohnungen kam die letzten Jahre auf. Der Bau von Immobilien-Modellen nimmt aufgrund der 3D-Technik leider ab und eine Zusatzrente kann auch nicht schaden. So entstanden 2018 im Erdgeschoss eine 2-Zimmer Ferienwohnung und im 1. OG eine größere Wohnung mit 4 Betten.

Die Vermietungen liefen im Juni 2019 an und die beiden waren zufrieden. Gerd freut sich immer über liebe und auch interessante Gäste. Einen Begrüßungstrunk gibt es auch an seiner eigenen Sansibar-Gartenbar am Abend.
Gäste sind oft Lehrer, Maschinenbau-Ingenieure, aber auch ein dänischer Historiker (Universitäts-Professor) oder eine Frau aus Tasmanien, die an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg zu tun hatte, erzählt Gerd.
Die Ferienwohnungen in seiner Wasserkunst wurden aber auch schon dankend von Berliner Drehbuchautoren gemietet, die nicht im hektischen Berlin schreiben wollten.

Die Lockdown-Maßnahmen haben die beiden sehr stark getroffen. Die Vermietung ist fast komplett eingebrochen. Zwar sind mal Handwerker da, die im neuen Amazon Logistikzentrum zu tun haben. Aber der Großteil ist weggebrochen und sie erhalten keine Corona Stabilisierungs- und Überbrückungshilfen. Sie sind froh, dass der Sommer gut angenommen worden ist. Tourismus-Gäste aus ganz Deutschland, Niederlande und Belgien waren in der Wasserkunst. Doch jetzt ist es schwer, durch den zweiten Lockdown.

Gerd und Conny bleiben aber optimistisch. Aus dem „Rückschlag“ durch die Corona-Maßnahmen hat Gerd sofort kreative Ideen. Er möchte eine Erlebnisstätte Industriezeitalter auf dem Gelände schaffen.

Die Wohnungen sind beide sehr schön eingerichtet. Im heißen Sommer ist es durch die dicken Wände schön kühl. Ich jedoch erwischte die kältesten Tage mit -12,5 Grad, doch die Wohnung war schön warm. Die Radiatoren in den beiden Zimmern arbeiteten gut und Gerd gab mir noch genug Holz für den für mich schon eingeheizten Kaminofen, der ohnehin für ein noch schöneres Gefühl in den Räumlichkeiten sorgte.
Ob in der Wohnung selbst oder im Garten war es ruhig. Die hohe Steinmauer um das Gelände sorgt für einen guten Schutz. Dadurch, dass rundherum kaum Privathäuser stehen, ist es auch mal ohne Probleme möglich den Grill im Sommer anzumachen.

Die vielen Radwege, die Straße der Romanik und viele weitere Sehenswürdigkeiten sprechen für Magdeburg als Reisestadt. Die Wasserkunst stellt kostenfrei Fahrräder für die Gäste zur Verfügung, um Magdeburg, die Elbe oder das Umland zu erkunden.

Vielen Dank an Conny und Gerd für die wunderschönen Tage, die Gastfreundschaft, interessanten Gespräche und Einblicke. Sicherlich werde ich im Sommer Eure kleine Insel nochmal besuchen und genießen.
Interessierte können sich informieren unter: www.fewo-wasserkunst.de
oder das AirBnB-Profil: https://www.airbnb.de/users/show/203503785

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