Van Gogh. Stillleben 26. Oktober 2019 bis 2. Februar 2020

Über 170 Stillleben hat Vincent van Gogh (1853–1890) in dem einen Jahrzehnt seines künstlerischen Schaffens gemalt. Erstmals zeigt eine Ausstellung die Bedeutung dieses Genres in seinem Werk. 

Von seinem ersten Gemälde bis zu den farbstarken Blumenbildern der späten Jahre hat Vincent van Gogh (1853–1890) immer wieder Stillleben gemalt. In diesem Genre konnte er malerische Mittel und Möglichkeiten erproben: von der Erfassung des Raums mit Licht und Schatten bis zum Experimentieren mit Farbe. Die erste Ausstellung zu diesem Thema analysiert anhand von 27 Gemälden die entscheidenden Etappen im Werk und Leben van Goghs.

Die Ausstellung Van Gogh. Stillleben ist die erste systematische Würdigung dieses zentralen Themas in einer Ausstellung. Von den rund 800 Gemälden, die Vincent van Gogh (1853-1890) während seines zehnjährigen künstlerischen Schaffens anfertigte, bilden die über 170 Stillleben etwa ein Fünftel. Umso erstaunlicher ist, dass sich bisher noch keine monographische Ausstellung der Gattung des Stilllebens bei Van Gogh gewidmet hat.

Das Museum Barberini in Potsdam hat mit Ausstellungen zu Henri-Edmond Cross und Pablo Picasso eine Reihe begonnen, die Künstlerinnen und Künstlern der Moderne in Frankreich gewidmet ist. Mit einer spezifischen Fragestellung und international besetzten Symposien werden bisher nicht behandelte Aspekte ihres Schaffens beleuchtet. Im Herbst 2019 zeigt das Museum Barberini die erste Ausstellung zum Genre des Stilllebens im Werk Vincent Van Goghs. Die konzentrierte Auswahl von 27 Gemälden zeichnet die Entwicklung seiner Malerei von den erdigen Tönen und den einfachen Alltagsgegenständen des Frühwerks über die Blumenstillleben seiner Zeit in Paris bis zu den lichten, energiegeladenen Motiven des Südens.

Seien es die ersten noch erhaltenen Gemälde, Stillleben mit Kohl und Holzschuhen (Van Gogh Museum, Amsterdam) – entstanden Ende 1881 in Den Haag – oder die farbstarken Blumenbilder aus seinen letzten Lebensmonaten 1890 in Auvers-sur-Oise, etwa Blühende Kastanienzweige (Sammlung Bührle, Zürich), hat sich der Künstler immer wieder dem Genre des Stilllebens gewidmet. Dies unternahm er auch, aber keineswegs nur, weil er etwa Blumengemälde für leichter verkäuflich hielt und sich dabei das Geld für Modelle sparen konnte, sondern vor allem, weil er in diesem Genre die malerischen Mittel und Möglichkeiten erprobte: von der Vergewisserung der nieder­ländischen Tradition des 17. Jahrhunderts – zunächst an Rembrandt, später an Jan Davidsz de Heem orientiert – über die Erfassung des Raums mit Licht und Schatten bis zum Experimentieren mit der Farbe. Mit der Wahl unspektakulärer Alltagsgegenstände löste sich Van Gogh um 1884 von der repräsentativen Tradition der niederländischen Stilllebenmalerei.

Van Gogh. Stillleben thematisiert die künstlerischen Fragestellungen und vollzieht die entscheidenden werkgeschichtlichen und biographischen Etappen Vincent van Goghs nach. Seine Reaktion auf den Impressionismus, den er in Paris zwischen 1886 und 1888 kennenlernte, zeigt sich in den Stillleben ebenso wie seine Verarbeitung von Einflüssen japanischer Farbholzschnitte. Darüber hinaus sind viele dieser Werke mit persönlichen Bezügen symbolisch aufgeladen, von Stillleben mit Büchern bis zu den wiederholt gemalten Schuhen. Gerade die Entwicklung zu einem immer freieren, intensiveren Umgang mit Farbe, ein zentraler Moment seines Werks, lässt sich anhand der Stillleben rekonstruieren. Auch in seinen Briefen ging Van Gogh immer wieder auf die Bedeutung der Stillleben für die Entwicklung seines Œuvres ein, was die Bedeutung dieser Bildgattung für seine intensive Selbstreflexion belegt.

Zur Vorbereitung der Ausstellung veranstaltete das Museum Barberini am 5. Dezember 2018 ein internationales Symposium. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Diskussion werden im Katalog zur Ausstellung veröffentlicht. Die Beiträge stammen von renommierten Van Gogh-Forschern wie Sjaar van Heugten, Stefan Koldehoff, Eliza Rathbone und Marije Vellekoop sowie von Oliver Tostmann, Michael Zimmermann und Michael Philipp, Chefkurator des Museums Barberini und Kurator der Ausstellung. Der Ausstellungskatalog erscheint als 9. Band in der Reihe der Publikationen des Museums Barberini in einer deutschsprachigen und einer englischsprachigen Ausgabe.

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Kröller-Müller Museum, Otterlo und dem Van Gogh Museum, Amsterdam. Unter der Schirmherrschaft des Botschafters des Königreichs der Niederlande in Deutschland, S.E. Wepke Kingma

Bilder Beschriftung von rechts nach links
Vincent van Gogh (1853-1890), Stillleben mit einem Teller Zwiebeln, 1889, Öl auf Leinwand, 49,6 x 64,4 cm, Kröller-Müller Museum, Otterlo, Niederlande, Vincent van Gogh (1853-1890), Vase mit Mohnblumen, 1886, Öl auf Leinwand, 56 x 46,5 cm, Wadsworth Atheneum Museum of Art, Hartford, CT. Bequest of Anne Parrish Titzell, Vincent van Gogh (1853-1890), Vogelnester, Öl auf Leinwand, 33,3 x 43,3 cm, Kröller-Müller Museum, Otterlo, Niederlande, Vincent van Gogh (1853-1890), Trauben, Zitronen, Birnen und Äpfel, 1887, Öl auf Leinwand, 46,5 x 55,2 cm, The Art Institute of Chicago, Gift of Kate L. Brewster. Photo: bpk / The Art Institute of Chicago / Art Resource, NY, Vincent van Gogh (1853-1890), Korb mit Zitronen und Flasche, 1888, Öl auf Leinwand, 53,9 x 64,3 cm, Kröller-Müller Museum, Otterlo, Niederlande, Vincent van Gogh (1853-1890), Stillleben mit Orangen, Zitronen und blauen Handschuhen, 1889, Öl auf Leinwand, 48 x 62 cm , National Gallery of Art, Washington D.C., Collection of Mr. and Mrs. Paul Mellon. Photo: © National Gallery of Art, Washington D.C., Vincent van Gogh (1853-1890), Stillleben mit fünf Flaschen, 1884, Öl auf Leinwand, 49,5 x 57,5 cm, Belvedere Wien. Photo: © Belvedere Wien, Vincent van Gogh (1853-1890), Blühende Kastanienzweige, 1890, Öl auf Leinwand, 72 x 91 cm, Sammlung Emil Bührle, Zürich. Photo: © SIK-ISEA, Zürich (J.-P. Kuhn)

Museum Barberini, Humboldtstraße 5-6, Alter Markt, 14467 Potsdam

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