Tanzbegegnungen – ein inklusives Tanzfestival als deutsch-brasilianische Kooperation

Premierenausgabe vom 4. bis 7. April 2019 – Kulturzentrum Tempel & Kulturzentrum Jubez, Karlsruhe.

Inklusion und Diversity – nach wie vor sind das Themen, die man spontan eher nicht mit dem professionellen Tanzen in Verbindung bringt. Schließlich sind die Aufführungen normalerweise geprägt von der in der von klein auf perfektionierten Virtuosität der Tänzerinnen und Tänzer. Doch die Zeiten und vor allem das Bewusstsein ändern sich. Längst hat sich herumgesprochen, welche Bereicherung es für den Tanz bedeutet, wenn er sich öffnet für die Vielfalt auf der Bühne und die Beiträge von Menschen mit Einschränkungen.

Bislang nur in Ansätzen vorhanden sind dagegen Netzwerke und größere Veranstaltungen, die über einzelne Projekte hinausgehen. Diese Lücke möchte ein neues Festival vom Donnerstag, 4. April bis Sonntag, 7. April 2019 in Karlsruhe schließen: Tanzbegegnungen – ein inklusives Tanzfestival. Der Fokus der Premierenausgabe liegt auf der inklusiven Szene Brasiliens. Für den kraftvollen Auftakt sorgt die Kompanie Gira Dança aus Brasilien, bekannt aus der Kooperation mit cie. toula limnaios (Berlin) und der Kulttruppe Grupo Corpo (Belo Horizonte). Es folgen vier vollgepackte Tage mit Workshops, Aufführungen, Diskussionsformaten und einem Dokumentarfilm. Selbstverständlich nicht nur mit, sondern auch für Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen. Sämtliche Produktionen aus Brasilien sind deutsche Erstaufführungen.

Tanzbegegnungen – ein inklusives Tanzfestival ist ein gemeinsames Projekt vieler staatlicher und privater Partnerinstitutionen aus Karlsruhe, Baden-Württemberg, Deutschland und Brasilien. Der ursprüngliche Impuls für die Kooperation ging von dem brasilianischen inklusiven Tanzfestival Encontra Para Dança aus. Vermittelt durch die Agentur SoloConnection, kamen die beiden federführenden Karlsruher Kultureinrichtungen mit ins Boot: dasKulturzentrum Tempel, Veranstalter des renommierten Festivals Tanz Karlsruhe, sowie das Kulturzentrum jubez für Kinder und Jugendliche mit hoher Kompetenz in Sachen Inklusion und kulturelle Bildung.

Donnerstag, 4. April 2019 bis Sonntag, 7. April 2019 im Kulturzentrum Tempel und Kulturzentrum Jubez
Tanzbegegnungen – ein inklusives Tanzfestival
Sämtliche Veranstaltungsräume sind barrierefrei zugänglich.

In Kooperation mit dem Jubez Karlsruhe und der TanzSzene BW
In Partnerschaft mit der Agentur SoloConnection (Deutschland), Bönisch Productions (Brasilien), dem Solo-Tanz-Festival Stuttgart und dem Kulturzentrum Tempel.
Gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Foto Artur Abrantes 

Das Programm:

Donnerstag, 4. April 2019 um 20:00 Uhr, Kulturzentrum Tempel, Scenario Halle
Deutschlandpremiere
Gira Dança, Sem conservantes („ohne Konservierungsstoffe“)
Mit anschließendem Publikumsgespräch
Künstlerische Leitung, Choreographie & Recherche Sprache: Ângelo Madureira, Ana Catarina Vieira
Gegründet 2005 in Natal, Brasilien, zählt Gira Dança zu den Pionieren unter den inklusiven Tanzkompanien. Sem Conservantes stützt sich auf künstlerisches Material der beiden Choreographen, das sich im Lauf der vergangenen 15 Jahre angesammelt hat, vor allem in Form von Fotografien. Die Produktion spürt den Zusammenhängen nach zwischen diesen Bildern und den Erinnerungsfragmenten der damals Beteiligten. Eine Wechselbeziehung zwischen Gedächtnis und Kultur mit dem Fazit: Nichts bleibt bestehen – alles verändert sich.

Freitag, 5. April 2019 von 15:00 bis 18:00 Uhr, Kulturzentrum Tempel, Scenario Halle
Bewegungslabor der Sinne. Workshop mit anschließender Aufführung am Abend
Für Jugendliche mit und ohne Handicap von 12 bis 25 Jahre
Mit Hans Traut von der Tanztribüne und Silke Habermaier von Efi tanzt!
Der kreative Tanz- & Bewegungsworkshop möchte die Sinne auf spielerische und bewegungsfreudige Weise erfahrbar machen und in Szene setzen.

Freitag, 5. April 2019 um 20:00 Uhr, Kulturzentrum Tempel, Scenario Halle
Diversity on Stage. Die inklusive Tanzszene stellt sich vor – mit:
Präsentation Bewegungslabor der Sinne
Eltern für Inklusion e.V. mit EFI tanzt!, einem Angebot für junge Erwachsene mit Behinderung
Edu O. mit AH, SE EU FOSSE MARILYN! (OH, IF I WERE MARILYN!), eine Performance über alltägliche Körperbilder und ihre Veränderung im Lauf der Zeit

Samstag, 6. April 2019 von 11:00 Uhr bis 15:00 Uhr, Kulturzentrum Jubez
Workshop Außerordentliche Wünsche: Experimente für verschiedene Tanzkörper
mit Edu O. (Brasilien)
Der Tänzer und Choreograph stellt in seiner Arbeit immer wieder die Frage nach den Machtmechanismen, denen Körper mit Behinderungen ausgesetzt sind. Sein Workshop richtet sich vor allem an Pädagog*innen und andere Multiplikator*innen, die sich für das Thema Inklusion in Verbindung mit Tanz und Bewegung interessieren.

Samstag, 6. April 2019 um 17:00 Uhr, Kinemathek
Filmvorführung Common Ground in Diversity
Eine Dokumentation der Filmemacherin Sushma U. Gütter über die Choreographischen Forschungstage der Initiative tanzfähig und die Arbeit des Berliner Choreographen-Duos matanicola
Dauer: 94 Minuten, in englischer Sprache

Samstag, 6. April 2019 um 20:00 Uhr, Kulturzentrum Tempel, Scenario Halle
Deutschlandpremieren
Double Bill
Edu O., STRIPTEASE-BICHO („STRIPTEASE-KÄFER“)
Eine Solo-Performance von und mit Edu O. über Erotik und Fetischismus in Bezug auf Körper mit Behinderungen – und der Versuch, neue Paradigmen jenseits von Schönheitskult und Perfektionsanspruch zu finden.
Marcos Abranches, Canto Dos Malditos („Lied der Verdammten“)
Der brasilianische Tänzer und Choreograph ist selbst von der neurologischen Bewegungsstörung Choreoathetose betroffen. Sein Solo handelt von der Einsamkeit und der Traurigkeit des Körpers gegenüber den Zumutungen des Lebens.

Sonntag, 7. April 2019 von 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr, Kulturzentrum Jubez
Creation Laboratory. Workshop für ALLE mit der Gira Dança Company
Dieses ganz besondere Laboratorium setzt Bewegung in einen künstlerischen Kontext – gleichgültig ob sie von Menschen mit oder ohne Tanzerfahrung, mit oder Behinderung ausgeführt wird. Eine Suche nach dem „differenzierten Körper“, als Ausdrucksmittel und Gestaltungswerkzeug.

Sonntag, 7. April 2019 um 20:00 Uhr, Kulturzentrum Tempel, Scenario Halle
monsun.theater Hamburg, WHY NOT?
Eine Performance mit Roland Walter & Ahmed Soura
Diese beiden Künstlern erfahren Ausgrenzung täglich, am eigenen Leib: Der eine ist spastisch gelähmt und sitzt im Rollstuhl, der andere kommt aus Burkina Faso und ist dunkelhäutig. Zusammen schaffen sie eine bewegte Skulptur der Gemeinsamkeit – und eröffnen neue Perspektiven. Ein ästhetischer Aufruf, eine gemeinsame Sprache zu finden, und ein Appell gegen jede Art von Diskriminierung.

Foto Matthias Seidel

Das ausführliche Programm finden Sie hier. Ab kommender Woche steht dort außerdem die Broschüre zum Download bereit.
Mehr Informationen: www.kulturverein-tempel.de

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