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Heidelberger Literaturtage im Aufbruch eröffnen am 21. Juni

Deutschsprachige und internationale Autoren lesen vom 21. bis 25. Juni live bei den Heidelberger Literaturtagen im Aufbruch im historischen Spiegelzelt auf dem Universitätsplatz. (Foto: Kresin)

Deutschsprachige und internationale Autoren lesen vom 21. bis 25. Juni live bei den Heidelberger Literaturtagen im Aufbruch im historischen Spiegelzelt auf dem Universitätsplatz. (Foto: Kresin)

Literatur live im Spiegelzelt: Vom 21. bis 25. Juni bieten die „Heidelberger Literaturtage im Aufbruch“ im Spiegelzelt auf dem Universitätsplatz ein literarisches Programm, das die Tradition des Festivals aufgreift und zugleich viele Neuerungen bietet. Freuen darf sich das Publikum auf Lesungen deutschsprachiger und internationaler Autoren, auf Veranstaltungen, bei denen sich Literatur mit Musik oder bildender Kunst interdisziplinär verschränkt, ein breites Kinder- und Jugendangebot sowie Workshops, Führungen, Ausstellungen, Podiumsdiskussionen und Late-Night-Specials mit Dichtern der jungen und studentischen Szene.

Eröffnet wird das Festival am Mittwoch, 21. Juni 2017, um 18 Uhr von Vertretern dreier Städte aus dem Netzwerk der „UNESCO-Creative Cities“: Heidelbergs Kulturbürgermeister Dr. Joachim Gerner, Bürgermeister Giancarlo Sagramola aus dem italienischen Fabriano sowie Jesús Ortega, Programmleiter der spanischen Literaturstadt Granada. Programmbeiträge gibt es vom Ludwigsburger Slampoeten Nektarios Vlachopoulos („Niemand weiß, wie man mich schreibt“), von Dorothea von Albrecht (Cello) und Peer Findeisen (Klavier), die ein Stück des Komponisten Luca Tessadrelli aus der UNESCO Creative City Parma uraufführen sowie von der Abiturientin des Hölderlin-Gymnasiums Johanna Panizzi, die einen eigenen Song zu einem Gedicht von Ossip Mandelstam präsentiert. Die Moderation übernimmt die Literaturkritikerin Claudia Kramatschek.

Im Anschluss liest um 20 Uhr der bekannte Lyriker Durs Grünbein aus neuen und unveröffentlichten Gedichten. Um 21.15 Uhr ist Grünbein im Gespräch mit dem Künstler Via Lewandowsky. Im Late Night-Programm ab 22 Uhr gibt es aus der UNESCO-Schwesterstadt Granada Flamenco nach Gedichten von Federico Garcia Lorca.

Die Heidelberger Literaturtage im Aufbruch 2017 werden federführend organisiert vom Kulturamt der Stadt Heidelberg. Ausführliche Programminfos unter www.heidelberger-literaturtage.de.

 

 

 

 

 

Via Lewandowsky Fotoserie ›House Calls‹

Diese Kamerabilder hat ein Agent des Realen aufgenommen, und ein Agent des Irrealen hat sie anschließend beschriftet. Am Kreuzungspunkt ihrer Wahrnehmungen ist etwas Drittes entstanden, das die Spione im eigenen Auftrag in einem Akt der Eingebung PHOTOPROSA nannten. Zwei Kundschafter im Außendienst, die sich seit Jahren regelmäßig treffen und ihre Rechercheergebnisse auswerten. Bilder von fernen und nahen Schauplätzen sind es, Via Lewandowsky hat sie im Auftrag seiner Privatdetektei auf verschiedenen, zum Teil auch gemeinsamen Künstlerreisen der letzten Jahre angefertigt und seinem Kompagnon Durs Grünbein später zur Auswertung überlassen. Worauf dieser sie, ausreichend informiert über die Umstände und Anlässe, mit Kommentaren versah. Entstanden ist so ein Atlas der unmöglichen Orte, ein Dossier aus Bilddokumenten und handschriftlichen Texten […]. Aus ihnen wird ein Bewegungsmuster erkennbar, Spuren werden gelegt und gefunden, ein Narrativ zeichnet sich ab.

Bereits 1988 schworen sich Durs Grünbein und Via Lewandowsky in der gemeinsamen Heimatstadt Dresden unbedingte künstlerische Treue. Sie veröffentlichten unter dem Titel ›Ghetto-Hochzeit‹ Texte und Zeichnungen im Ursus Press Verlag von Christoph Tannert. Seitdem gingen regelmäßig Ideen im Spannungsfeld von Sprache und Bild zwischen ihnen hin und her, die Funken wurden zur Grundlage sehr unterschiedlicher Projekte. Prinzip war immer die gegenseitige Überraschung in einem Klima drohender Langeweile, gesellschaftlicher Konditionierung und Überwachung, damals im Osten, anders heute im Westen. (Text : Via Lewandowsky und Durs Grünbein)

Neben Soundobjekten von Via Lewandowsky steht die fortlaufende Fotoserie ›House Calls‹, eine Gemeinschaftsarbeit von Via Lewandowsky und Durs Grünbein im Mittelpunkt der Präsentation.

 

Die Heidelberger Literaturtage im Aufbruch finden vom 21. bis 25. Juni im Spiegelzelt auf dem Universitätsplatz Heidelberg statt.

Via Lewandowsky (* 1963, Dresden) studierte von 1982 bis 1987 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Zwischen 1985 und 1989 veranstaltete er dort mit der Avantgardegruppe der ›Autoperforationsartisten‹ subversive Performances, die den offiziellen Kunstbetrieb der DDR unterliefen. 1989 verließ er kurz vor der Wende die DDR und zog nach Westberlin. Er reist viel und hatte diverse längere Aufenthalte im Ausland u. a. in New York, in Rom, in Peking und in Kanada. Er lebt in Berlin.

Durs Grünbein (* 1962, Dresden) lebt seit 1986 nach kurzzeitigem Studium als Dichter, Übersetzer und Essayist in Berlin. Er war Gast des German Department der New York University und der Villa Aurora in Los Angeles. Für sein Werk erhielt er mehrere Preise, darunter den Peter-Huchel-Preis 1995, den Georg-Büchner-Preis 1995, den Literaturpreis der Osterfestspiele Salzburg 2000, den Friedrich Nietzsche-Preis des Landes Sachsen-Anhalt 2004 und den Berliner Literaturpreis 2006 der Preußischen Seehandlungverbunden mit der Heiner-Müller-Professur 2006.