Galerie Thomas Fuchs

Jochen Hein – Die Auflösung der Realität

"Nichts wie es scheint"   Bis zum 04.11.2017 präsentiert die Stuttgarter Galerie Thomas Fuchs ausgewählte Arbeiten des Hamburger Künstlers Jochen Hein. „Ferne“ und „Nähe“ – jeder dieser beiden Aspekte folgt in den...

Alfio Giurato

Vom 04.08. bis 09.09.2017 präsentiert die Galerie erstmals den sizilianischen Künstler Alfio Giurato (*1978 Catania, Italien). Die Malerei Alfio Giuratos ist durch das Moment der InUmität geprägt. Giuratos Figuren strahlen...

Rudy Cremonini - The Club

The Club ist die driHe Einzelausstellung des in Bologna lebenden und arbeitenden Künstlers Rudy Cremonini (*1981 Bologna, Italien).
Rudy Cremonini erschaS mit seiner einzigarTgen Pinselführung, mit der er die Farben oW dick und cremig auf die Leinwand auWrägt, Bildwelten von poeTscher Intensität, die sich zwischen FiguraTon und AbstrakTon bewegen. Dabei nutzt der Künstler keinerlei Vorzeichnungen, sondern arbeitet direkt auf der Leinwand. Die MoTve in seinen Bildwelten sind Gegenstände (STllleben), Figuren (Porträts) oder Szenen aus seinem unmiHelbaren Umfeld. Neben der abstrakten Malweise sind es die überwiegend zarten, eher dunkleren Farben, die diesen MoTven eine hintergründige Tiefe und gewisse MysTk einverleiben. 
 Für die Ausstellung The Club hat sich Cremonini insbesondere mit dem Genre der Porträtmalerei auseinandergesetzt. Für ein Porträt, so der Künstler, brauche der Maler „viel Kontrolle und Respekt für die Person“ da es „voller KraW und Energie“ stecke. Schon kleinste Gesten – seien es leuchtend blaue Augen wie in Blue Wool, die stylische HerrenkeHe und das Unterhemd in If Your Life is oder die weiße Haube der Krankenschwester in The Nurse – können Rückschlüsse auf den Charakter der porträTerten Person zulassen, sie gar einer besTmmten (GesellschaWs-)Gruppe zuordnen. GleichzeiTg geht es Rudy Cremonini darum, das „Verwundbare“ im Subjekt für den Betrachter sichtbar zu machen, so wie mit der Arbeit The Club. Es zeigt die Nahansicht eines dunkelhäutigen Menschen. Lediglich die Augen und der Ansatz des Mundes sind eindeutig zu erkennen. Cremonini macht mit dieser Arbeit auf die aktuelle Situation vieler Flüchtlinge aufmerksam, die von Teilen der Gesellschaft ausgegrenzt, nicht in den „Club“ aufgenommen werden.
Daneben werden wieder Arbeiten zum Thema der „Sicherheitszonen“ – oder Rückzugsorte – in der Ausstellung zu sehen sein, ein für Rudy Cremonini typisches Thema. So zeigt er uns in The New Bedroom ein junges Mädchen, das mit Kopeörern auf dem Boden ihres Zimmers sitzt und vollkommen von der Außenwelt abgeschirmt in ein Buch oder eine ZeitschriW verTeW zu sein scheint. Auch hier hat der Künstler, auf der Suche nach neuen MoTven, Details aus dieser Arbeit herauslöst und zu eigenständigen Bildwelten mit eigener Wirkung erweckt (Music, Indoor Plants und Ceramic Penguins). 
 Im März dieses Jahres feierte die Galerie mit dem Künstler dessen New Yorker Messedebüt auf der Volta NY überaus erfolgreich. Schon zuvor machte Cremonini durch zahlreiche Ausstellungen in Italien, Frankreich und Deutschland auf sich aufmerksam und gehört zu den aufstrebenden und vielversprechendsten jungen Künstlern der Galerie Thomas Fuchs.

Jochen Hein auf der VOLTA 13 Basel

Der Galeriekünstlers Jochen Hein (*1960 in Husum, DE ) wird  in diesem Jahr sein Messedebüt auf der Volta Basel 2017 geben. Auf dem Stand C24 wird er dem Basler Kunstpublikum eine Auswahl von  seinen Arbeiten aus verschiedenen Werkserien präsentieren.

Seit 2015 wird Jochen Hein von der Galerie Thomas Fuchs vertreten. Bereits seine erste Einzelausstellung in der Galerie, die sich auf Seestücke konzentrierte, war ein großer Erfolg. Die Sammler fühlten sich nicht nur von den Motiven und der Malweise angezogen, sondern waren auch von der illusionistischen Wirkung und gleichzeitig abstrakten Erscheinung seiner Bilder fasziniert. In den darauffolgenden Jahren war Jochen Hein sowohl auf nationalen Messen (Art Karlsruhe, POSITIONS Berlin) als auch auf internationalen Messen (art UNTITLED Miami Beach, VOLTA NY) sehr erfolgreich vertreten. Museumsausstellungen in Hamburg (Hamburg ins Gesicht geschaut, Museum Hamburg) Neunkirchen (Open Spaces – Landschaften, Städtische Galerie Neunkirchen) und Göppingen (Pieces of Water, Kunstverein Göppingen) folgten. Zuletzt hatte Jochen Hein zwei Einzelausstellungen (Über die Tiefe) im Museum Kunst der Westküste, Alkersum / Föhr, und in der Städtischen Galerie Neunkirchen. Zu diesen erschien eine Publikation im Boyens Verlag mit Texten von Dr. Ulrike Wolff-Thomsen und Nicole Nix-Hauck M. A.

Jochen Hein wurde “als Maler” geboren, wie er in einem Interview äußerte. Er malt, was ihn schon “als jungen Menschen in Erstaunen versetzt hat” und für ihn von “tieferer Bedeutung” erschien. Seine Motive scheinen dem Betrachter vertraut: das Meer, Parklandschaften, Grasstücke und Menschen. Das Meer gehört dabei zu seinen bevorzugten Sujets, nicht etwa weil er dessen Anblick liebt oder er sich diesem nahe fühlt, vielmehr weil es ihm “Angst” macht, ihm “als das große Fremde Ehrfurcht” einflößt.

Jochen Hein interessiert sich für das “Sichtbare in der Welt”, insbesondere für die “Wahrnehmung von Oberflächen” und “wie sie sich durch das Licht wandeln”. Um diese besondere Wirkung in seinen Bildern darzustellen, hat der Maler eigene Techniken entwickelt: den aufwändig vorbereiteten Maluntergrund, den “Körper”, übergießt er mit “Farbhäuten”. An einigen Stellen schleift er die Farbe wieder ab — mit dem Spachtel, den Händen oder anderen Hilfsmitteln — während er an anderen Stellen gegebenenfalls wieder Farbe aufträgt. Die gleißenden Lichtreflexe in seinen Meerbildern entstehen unter anderem mittels schwungvoll ausgeführten Armbewegungen: mit einem Pinsel in der Hand schleudert der Künstler weiße Farbe auf die vor ihm am Boden liegende Leinwand. Die genaue Platzierung dieser “Lichtpunkte” ist folglich zufällig. Hein bezeichnet seine Malerei als “eine Mischung aus Zufall und Notwendigkeit”, als ein “Sehen und Handeln” und zieht Parallelen zu den Prozessen in der Evolution. Diese von ihm entwickelte Arbeitsweise diene, so der Künstler, der “Selbstüberlistung” und erzeuge die gewünschte “Lebendigkeit”, welche die Arbeit erst zu “seiner Malerei mache”. Außerdem sei es die “natürlichste Art, die Komplexität der Natur einzufangen”. Erst wenn Hein nicht mehr weiß, wie er “etwas hinbekommen” hat, ist er zufrieden. Bei jedem Bild entwickelt er seine Technik weiter, dabei sind ihm “Unfälle die wertvollsten Mutationen”, um zu neuen Möglichkeiten der Malerei zu gelangen.

Jochen Hein führt den Betrachter mit seiner Malerei gewissermaßen hinters Licht, indem er ihm scheinbare Wirklichkeitsausschnitte, tatsächlich aber “informelle Bruchstücke” zeigt. Aus der Ferne hat der Betrachter den Eindruck, er befinde sich mitten auf dem offenen Ozean und sei diesem schutzlos ausgeliefert. Tritt dieser, angezogen von der detailliert wirkenden Malweise, näher an die Leinwand heran, stellt er allerdings irritiert fest, dass es sich um eine abstrakte Oberfläche, bestehend aus Farbspritzern und Farbflächen, “um sinnlose Informationen” handelt. Jene Täuschung des Betrachters, jene “Spannung zwischen Erwartung und Wirklichkeit”, die aus der “Spannung zwischen der Raumwirkung der Bilder aus der Ferne” und ihrer “banalen materiellen Beschaffenheit” aus der Nähe entsteht, ist es, die den Künstler reizt. Jochen Hein zufolge erlaube die menschliche Wahrnehmung und dessen Erkenntnisfähigkeit nur eine “ganz oberflächliche Ahnung” von der Welt. Der Mensch sei “zu einer Tunnelwahrnehmung verdonnert”. Und diese nur “oberflächliche Ahnung” des Betrachters von der Welt nutzt der Künstler für sich und zeigt in seinen Bildern, dass der “Mensch gerade nicht erkennt, was er sieht: Selbst die Illusion ist eine Illusion”.

Das Besondere an der Malerei von Jochen Hein ist, dass seine Abbilder von der Natur dem Betrachter vielleicht deshalb so real erscheinen, weil sie gerade nicht hyperrealistisch gemalt sind, sondern aus abstrakten Oberflächen bestehen. Seine Bilder setzen sich im Auge des Betrachters zusammen und lösen sich wieder auf, “so wie in dem Moment, in dem wir meinen, uns ein Bild von der Welt gemacht zu haben, sich bei näherer Betrachtung immer nur neue Unklarheiten und Fragen auftun”.