18. poesiefestival berlin

Weltklang – Nacht der Poesie

Lesung & Performance

Mit John Burnside GBR | Yasuki Fukushima JPN | Arnon Grünberg NLD | Mila Haugová HUN/SVK | Dagmara Kraus DEU | James Noël HTI | M. NourbeSe Philip TTO/CAN | Sergio Raimondi ARG | Charlotte Van den Broeck BEL | Jan Wagner DEU
Musik: El Congo Allen CUB/DEU
Moderation: Claudia Kramatschek DEU Literaturkritikerin

Ein Panorama zeitgenössischer Dichtung: Dichterinnen und Dichter aus allen Teilen der Welt lesen, performen und singen in ihrer Muttersprache. Exklusiv für diesen Abend erscheint eine Anthologie mit den deutschen Fassungen der Texte zum Mitlesen.

Den Auftakt des diesjährigen Weltklangs bildet eine Performance über Herkunft, Heimat und Identität der flämischen Dichterin Charlotte Van den Broeck (geb. 1991 in Turnhout) und des niederländischen Autors Arnon Grünberg (geb. 1971 in Amsterdam).

Die Gedichte des schottischen Autors John Burnside (geb. 1955 in Dunfermline) fangen auf einzigartige Weise „das Andersleben der Dinge ein“. Die sprachgewaltigen Texte widmen sich dem „großen Spektakel des Realen“, folgen dem Flug von Fleckenkäuzen, beschreiben das metallische Rauchgrau des Himmels und die Membranen gestrandeter Quallen.

Yasuki Fukushima (geb. 1943 in Tokio) ist einer der expressivsten Gegenwartslyriker Japans. Seine „zekkyō tanka“ (geschriene Tankas) trägt er zu Musik vor, laut und drängend. Dabei setzt er seine Verse in Dialog zu den Texten anderer Autoren, sprengt die Grenzen zwischen Eigenem und Fremdem. Fukushimas Performances sind wie Jazz: Keiner seiner Auftritte gleicht dem anderen.

Körper und Gedicht sind enggeführt in der Lyrik von Mila Haugová (geb. 1942 in Budapest, lebt in Bratislava). Die Dichtung der Slowakin ist immer anspielungsreich. Natur, Liebe, Erinnerung und Verlust werden untrennbar miteinander verwoben: Gedichte wie „halb- / durchlässige membrane“, fragil und kraftvoll zugleich.

Die Gedichte von Dagmara Kraus (geb. 1981 in Wrocław, Polen) sind eine „vokabelfrohe Mischung aus Sprachfetischen, Wortüberdrehtheiten und Einspeisungen aus entlegenen Begriffs- und Namensarchiven“ (Michael Lentz). An diesem Abend schöpft Kraus aus dem reichen Fundus antiker Trauerkultur und moderner Plansprachen.

James Noël (geb. 1978 in Hinche, Haiti) gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Autoren Haitis. Er betreibt poetische Erregung als oberste Form von Engagement. Seine Gedichte stecken voller wuchtiger Bilder: Die Sonne hat ein Höllenherz, der Himmel ist eine bemalte Hülle, das Meer der beste aller Filme. Noël bedichtet damit die „Migration der Mauern“: Fluchtbewegungen zwischen Ruinen und Grenzwällen.

M. NourbeSe Philip (geb. 1947 in Moriah, Trinidad und Tobago) liest aus Zong! (Wesleyan University Press 2008), einem herausragenden Werk der konzeptuellen Dichtung. Sie verfremdet einen juristischen Bericht aus dem 18. Jahrhundert über den Tod von 150 Afrikanern auf einem Sklavenschiff. Der historische Text löst sich auf und wird zu einer Stimmen-Kakophonie.

Sergio Raimondi (geb. 1968 in Bahía Blanca, Argentinien) ist der Dichter der globalisierten Welt schlechthin und ihr radikaler Kritiker. Raimondi vermag es, in nur wenigen Versen die Grundsatzfragen der politischen Ökonomie auf eine Scheibe Kastenbrot herunterzubrechen. Seine Dichtkunst ist wie ein „Muskel, der abstrahieren kann“.

Die dichterischen Wurzeln von Charlotte Van den Broeck liegen im Spoken Word. Sie ist eine grandiose Performerin. Mit ihren beiden Gedichtbänden wurde sie in ihrem Land zu einem Shootingstar. Van den Broeckerzählt von familiären häuslichen Szenen, von Dingen, die über die Ränder fallen, von Nachmittagen in Relieflettern, mit einer „Leichtigkeit, die sich sträubt. Als sei alles nur eine Murmelbahn“.

Jan Wagner (geb. 1971 in Hamburg) verschmilzt höchste Formbeherrschung mit überraschenden poetischen Wendungen, ohne je traditionalistisch zu sein. Als erster Lyriker erhielt er 2015 den Preis der Leipziger Buchmesse. Er verhilft dem Rettich zum Auftritt im Gedicht, wie auch Mücken als Sphinxleibern und einem Biker in der Weite Montanas.
Projektleitung: Alexander Gumz | Matthias Kniep

Außerdem finden Poesiegespräche mit Sergio Raimondi, Yasuki Fukushima, M. NourbeSe Philip, Mila Haugová und James Noël statt.

18. poesiefestival berlin

Das Haus für Poesie präsentiert auf dem 18. poesiefestival berlin: Europa_ Fata Morgana vom 16. bis zum 24. Juni 2017 rund 170 Dichterinnen und Dichter auf den Bühnen der Akademie der Künste sowie in verschiedenen Stadtteilen. Die Marathonlesung mit dem Schweizer Dichter Franz Dodel, Poets` Corner in den Berliner Bezirken sowie der große Lyrikmarkt zum Abschluss des Festivals stehen bei freiem Eintritt allen Besucherinnen und Besuchern offen.

Marathonlesung „Nicht bei Trost”

Der Schweizer Dichter Franz Dodel liest auf dem 18. poesiefestival berlin gemeinsam mit den Berlinerinnen und Berlinern acht Tage lang aus seinem Langpoem „Nicht bei Trost“. Der sich immer weiter spinnende, aus Haikus bestehende Text umfasst derzeit mehr als 32.700 Zeilen. Ob mit Bühnenerfahrung oder ohne –  alle sind aufgerufen, dem Gedicht auf der Terrasse der Akademie der Künste am Hanseatenweg für einen Ausschnitt die eigene Stimme zu leihen. Als Dankeschön gibt es eine Freikarte für eine Festivalveranstaltung nach Wahl.

Anmeldung unter: marathonlesung@haus-fuer-poesie.org

Poets’ Corner

In Berlin lebende Dichterinnen und Dichter lesen im Rahmen des 18. poesiefestival berlin ihre Werke in Bibliotheken, Galerien und unter freiem Himmel in acht Bezirken. Bei freiem Eintritt können die Berliner im eigenen Kiez zeitgenössische Poesie entdecken – von dem Begegnungs- und Kulturzentrum NOVILLA in Treptow-Köpenick bis zum Vorplatz des Gotischen Hauses in der Spandauer Fußgängerzone.

Standorte: www.haus-fuer-poesie.org/poets-corner

Lyrikmarkt

Den Abschluss des 18. poesiefestival berlin bildet der Lyrikmarkt, auf dem mehr als 40 Verlage und Buchhandlungen zum Schmökern einladen. Begleitet wird der Markt von Kinderprogrammen, Konzerten und Lesungen. Neben dem Festivalthema Europa wird ein besonderes Augenmerk auf Dresden gelegt. Auf einer Open-Air-Bühne zeigen Künstlerinnen und Künstler, dass die sächsische Hauptstadt eine strahlende poetische, vielfältige und multikulturelle Seite hat. Auf dem Programm stehen Bas Böttcher und Tanasgol Sabbagh mit dem Erich Kästner Rapslam, Störaktionen durch das Lyrikkollektiv G13, ein Syrischer Frauenchor, Trickfilmworkshops für Kinder und vieles mehr. Im Buchengarten präsentieren 25 Dichterinnen und Dichter die große Bandbreite deutscher und internationaler Gegenwartslyrik – unter ihnen sind der Mitbegründer der arabischen Moderne, Abbas Beydoun aus dem Libanon, Huchel-Preisträgerin Orsolya Kalász und der isländische Dichter Sjón, der für seine Texte für Björk bekannt ist. Sven Ratzke, ein Homme Fatal der Chanson- und Kleinkunstszene, gibt das große Abschlusskonzert.

18. poesiefestival berlin: Europa_ Fata Morgana

Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin
Das poesiefestival berlin ist ein Projekt des Hauses für Poesie in Kooperation mit der Akademie der Künste. Es wird gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und das Auswärtige Amt.