Slowenien in Berlin – eine rauschende Salonnacht in der Stadt der Salons

Die neuste Meldung aus Slowenien: Als 16. Land weltweit wird Wasser als Grundrecht in die Verfassung aufgenommen. Wasser ist somit kein Handelsgut mehr. Der Zugriff auf Wasserquellen soll damit auch vor Privatisierung und dem Zugriff durch Konzerne, geschützt werden, so dass auch ärmere Menschen immer einen Zugang an frisches Leitungswasser haben.


Das kleine grosse Land am südöstlichen Rand der Alpen, ist seit dem 25.1.1991 unabhängig und seit dem 23.3.2003 per Volksabstimmung, Mitglied der Europäischen Union.
Slowenien ist reich an Kunst und Kultur. Es wird 2021 neben Deutschland und Portugal die europäische Ratspräsidentschaft übernehmen und 2022 an der Frankfurter Buchmesse prominent vertreten sein.
Ein Kulturzentrum der Republik Slowenien gibt es in Wien – und das zweite? Nicht in London, nicht in Paris, sondern man entschied sich für Berlin als politisch und ökonomisch wichtigste Metropole Europas! Der Leiter des slowenischen Kulturzentrums ist Gregor Jagodic (Kurzinterview mit ihm: https://www.youtube.com/watch?v=iHiZ5Zp69k8&t=2s), der alle vier bis fünf Wochen am Leipziger Platz in seine Gemächer zu einem Salonabend mit prominenten, auserlesenen Gästen aus Kunst, Kultur, Diplomatie, Politik und Wirtschaft einlädt.

Der Blick auf den Leipziger Platz und die Gebäude des Potsdamer Platzes ist beeindruckend. Geladen wurde zum 4. Salonabend dieser Art. Die Namensliste der Gäste war illuster. Imogen Kogge (bekannt aus dem Spreewald Krimi, Polizeiruf 110, Grimme Preisträgerin, Silberner Bär, Deutscher Filmpreis, alles im Jahr 2006), Urs Remond (Schauspieler, u.a. Tatort, Medicopter 117, ZDF Produktionen der Rosamunde Pilcher Verfilmungen und bei den „echten Engländern“ beim BBC „37 Days“, gerade in Dreharbeiten im Film “Merkel” als Regierungssprecher Steffen Seibert dabei), Nina Weniger (bekannt aus dem Tatort, Bella Block und in diesem Jahr in “Kroymann”), aber eben auch die grossartigen Stars aus Slowenien.
Milena Zupancic, die zwischen 2000 und 2011 UNICEF Botschafterin für den West Balkan war und bereits seit 1970 erfolgreich als Schauspielerin tätig ist und eine Ikone in Slowenien ist. Ebenso waren der Superstar Ales Valic, der zwischen Film und Theater wandert, und dessen Sohn, Matic, der in seine Fussstapfen tritt, als Sprecher dabei.
An dem perlenden Boston Flügel sass der Kulturattachée und Gastgeber des Abends selbst. Er studierte Musik und Ballett in jungen Jahren und war im Kabinett der Regierung für Kultur zuständig.
Der stimmgewaltige slowenische Nachwuchs-Opernsänger und Bariton, Mira Brkinjac, trug Kunstlieder von Benjamin Ipavec, als auch ein Lied von Ludwig van Beethoven vor, der einst eine korrigierte eigenhändige Abschrift seiner 6. Symphonie nach Ljubljana schickte. Die Slowenische Philharmonie kann beispielsweise auf eine Geschichte von 300 Jahren zurückblicken – und kann Namen wie Gustav Mahler, Hans Gerstner oder Vaclav Talic in ihren Reihen zählen.
Besondere Beachtung und Würdigung im offiziellen Teil, fand der slowenische Nationaldichter, France Preseren (3.12.1800 geboren, gestorben am 8.2.1849), Vater von drei Kindern, der u.a. von Johann Wolfgang von Goethe beeinflusst wurde. Er schrieb Liebes- und Naturlyrik, welches zu seinen Hauptwerken zählt (“Poesie”, 1847). Das historische Epos “Die Taufe an der Slavica” zählt ebenso dazu als auch seine auf Deutsch verfassten Sonetten und das Werk “Das grosse Tor”. Zeilen seines Gedichtes “Zdravljica” sind in die heutige slowenische Hymne aufgenommen. Auch die Rückseite der slowenischen zwei Euro Münze ziert sein Konterfeit.
Verse von France Preseren wurden an dem atmosphärischen Abend vom slowenischen Star Schauspieler, Ales Valic, dessen Sohn Matic ebenso zugegen war, vorgetragen. Im Anschluss durfte die deutsche Stimme Sloweniens, Urs Remond die Verse auf Deutsch vortragen, aber eben auch Frau Kogge und Frau Weniger, die mit dem Text “Doofländer” besonders witzig war (ein Text über einen sich etwas ungeschickt anstellenden Polizisten – denkt man an ihre Rollen im Tatort oder bei Bella Block – muss man schon daher schmunzeln).

Im Anschluss an das offizielle Programm des vierten Salonabends, gab es ein Freiprogramm, wo u.a. Silvina Buchbauer, Isabel Dörfler, Peter Bohinec neben den Hauptprotagonisten, am Flügel sich produzierten. Umrahmt von den grossen Reprints der slowenischen Künstler, die in der slowenischen Nationalgalerie hängen – u.a. sind dies Reprints von Franc Kavcic, Jurij Subic, Ivana Kobilca, Martin van Meytens aber auch die Originale von Igor Branicar, Igor Banfi oder Crt Frelih.
Wie passend, dass solch ein Salon in der Stadt der Salonabende und Wohnzimmerkonzert Abende, Berlin, statt findet. Und das, obwohl Maria Theresia auf einem grossen Reprint Gemälde als Habsburgerin des Kaiserreiches Österreich in der Stadt ihres ärgsten Widersachers, Friedrichs des Grossen, hängt. Doch bei einem köstlichen slowenischen Wein, dem hochkarätigen Programm und dem aufmerksamen Gregor Jagodic als Organisator und Gastgeber (und eben Leiter des Kulturzentrums der Republik Slowenien), war es auf etlichen Sinnesbereichen ein sehr eindrücklicher und rauschender Salonabend bei  Wein und herzhaftem Essen.

Hugo Wolf – vor allem als Kunstlied Komponist bekannt und gefeiert – geboren in Slovenj Gradec, wird 2020, 160 jähriges Jubiläum haben. In diesem Rahmen wird es am 30. Mai 2020 eine grosse Gedenkfeier in dessen Geburtshaus in besagtem Slovenj Gradec mit grosser Medienbeteiligung geben. Hugo Wolf wird natürlich auch in den Salonabenden thematisiert werden. Die PR ist in vollem Gange, denn von geprägten Münzen über Konzerte bis hin zu Pralinen, wird dem romantischen Komponisten alle Ehre erwiesen.
Die nächste Veranstaltung ist bereits in der Planung – und sie wird immer offizieller – die Rolle Sloweniens in naher Zukunft in Europa reflektierend.

Titelbild: Photo Rafael Poschmann

 

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