Romy Schneider und die Stasi

In West Berlin gründete sich 1976 die Untergrund Partei „Schutzkomitee für Freiheit und Sozialismus“ . Die Partei wurde von Intellektuellen und Künstlern gegründet und engagierte sich für die Freilassung von politischen Gefangenen in der DDR. Der West Berliner Publizist Hannes Schwenger galt als Initiator dieser Partei.

Hannes Schwenger übte eine Tätigkeit als Lehrbeauftragter am Institut für Medienwissenschaft und Literatursoziologie an der FU Berlin aus.

Zusammen mit anderen Künstlern, wie Max Frisch, Heinrich Böll und Romy Schneider entwickelte er Strukturen für eine mögliche Hilfestellung für politische Gefangene in der DDR.

Das Schutzkomitee für Freiheit und Sozialismus begann seine Arbeit nach der Biermann Ausbürgerung und der darauf folgenden Flut an Verhaftungen wie beispielsweise der Verhaftung von Christian Kunert.

In ihrer ersten Aktion bemühten sich die Mitglieder des Komitees um die Freilassung des Schriftstellers und Bürgerrechtlers Jürgen Fuchs.

Jürgen Fuchs geriet bereits in jungen Jahren in Konflikt mit der Regierung der DDR. Auslöser für diesen Konflikt war seine offen geäusserte Gesellschaftskritik während der Studentenproteste und des Prager Frühlings 1968.

Jürgen Fuchs schrieb Gedichte und Prosatexte, in Jena arbeitete er im „Arbeitskreis Literatur und Lyrik“. In kürzester Zeit wurde die DDR Staatssicherheit auf den jungen Schriftsteller aufmerksam. Seine Gedichte und Prosatexte fielen durch das Raster der Zensur. Aus diesem Grunde wurde er zum Ausschluss von allen Universitäten, Hoch und Fachschulen der DDR verurteilt – politisch zwangsexmatrikuliert.

Nach dem er 1973 der SED beigetreten war, wurde er bereits zwei Jahre später, wegen eines gemeinsamen Auftritts mit Bettina Wegner und Gerluf Pannach, aus der Partei ausgeschlossen.

Am 19. November 1976 wurde Jürgen Fuchs in der DDR verhaftet, als Verhaftungsgrund wurde „staatsfeindliche Hetzte“ angegeben. Zwei Tage vor seiner Verhaftung wurden ebenfalls die Mitglieder der Band „Renft“, Christian Kunert und Gerulf Pannach verhaftet. Bereits im Jahr 1975 wurde die Band „Renft“ in der DDR verboten – auch in diesem Fall war „staatsfeindliche Hetze“ der Grund.

Die Öffentlichkeit reagierte mit heftigen, internationalen Protestaktionen auf die Verhaftungswelle von Jürgen Fuchs, Christian Kunert und Gerluf Pannach.

Das Schutzkomitee für Freiheit und Sozialismus setzte sich gezielt für die Freilassung dieser Künstler ein. Romy Schneider unterstütze das Komitee mit finanziellen Mitteln, und setzte sich zusammen mit den weiteren Partei Mitgliedern aktiv für die Freilassung der Drei ein.

Dem Druck der Öffentlichkeit hielt die Regierung der DDR nach 281 Tagen nicht mehr stand – nach 281 Tagen wurden Kunert, Fuchs und Pannach 1977 zur Ausreise in den Westen verurteilt. Unter der Androhung einer langen Haftstrafe willigten sie schließlich ein und wurden aus dem Gefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin Hohenschönhausen, nach West Berlin entlassen.

Ihre Freilassung zählte unter anderem zu den ersten Verdiensten der Untergrund Partei Schutzkomitee für Freiheit und Sozialismus. Das Komitee machte es sich ebenfalls zur Aufgabe privaten Kontakt zu den Angehörigen der Inhaftierten zu suchen, und diese zu betreuen.

Da Romy Schneider die DDR- Opposition unterstütze, sammelte die Staatssicherheit der DDR Informationen über sie und legte die Akte Romy Schneider an. Ihr politisches Engagement missfiel der DDR Obrigkeit, somit galt Romy als Staatsfeindin der DDR. Als Romy einen öffentlichen Aufruf, zur Freilassung von Kunert, Pannach und Fuchs unterschreibt, sah sich die Stasi gezwungen Maßnahmen gegen Romy zu ergreifen.

Das Ministerium für Staatssicherheit erlies am 28. Dezember 1976 einen „Suchauftrag“ gegen Romy . Auf diesem Suchauftrag ist ein Sondervermerk notiert: „Eilt“. Daraus folgt, die Stasi fühlte sich von Romy und der Partei, welcher sie angehörte massivst unter Druck gesetzt – um nicht zu sagen bedroht.

Kurze Zeit später, am 19. Januar 1978 erfolgt seitens der Stasi ein „Fahndungsersuchen“ mit dem Vermerk „Geheim“.

Mit dem Dokument werden gegen die „Person Schneider, Romy – geboren am 23.9.1938 in Wien, österreichische Staatsbürgerin, Schauspielerin, wohnhaft Berlin, Winklerstraße 22“ – folgende Fahndungsmaßnahmen erlassen:

-Dokumentierung der Reiseunterlagen

-Dokumentierung mitreisender Personen

-Verständigung der auftraggebenden Einheit

Die Laufzeit für dieses Fahndungsersuchen wurde bis auf den 1.7. 1978 begrenzt.

Die Begründung für ein Fahndungsersuchen gegen Romy Schneider formulierte ein Mitarbeiter wie folgt:

Mitglied des „Schutzkomitee Freiheit und Sozialismus“ und Unterstützung der feindlichen Tätigkeit des Vorsitzenden des „Schutzkomitees“ Dr. Schwenger.“

Daraus folgt: Passiert Romy Schneider die DDR (Transit), werden automatisch alle Daten ihrer Person sowie die ihrer Begleitung an die Stasi – Hauptabteilung XX/5 gemeldet.

In diesem Zusammenhang wurde am 28.12. 1976 in der Hauptabteilung VI, Abteilung Speicherführung ein Auskunftsersuchen zur Person aufgesetzt. Für das gegen Romy eingeleitete Auskunftsersuchen wurden folgende Punkte, mit der Überschrift „Benötigt werden:

A. Ergänzung der Personalien (Hinweise zur Person müssen eine sichere Identifizierung ermöglichen.

B. Reisetätigkeit

  1. Erfasste Verbindungen (empfangene bzw. besuchte Personen)“

Die Ergänzung von Romys Personalien lag der Abteilung zu diesem Zeitpunkt bereits vor. Die Punkte B und C sollten zeitnah bearbeitet werden. Auch dieses Dokument erhielt den Sondervermerk „Eilt!“

Ein Stasi Oberleutnant notierte in einem weiteren Aktenvermerk: „ Ab Dez. 76 wurde die Sch. Als ordentliches Mitglied des „Schutzkomitees Freiheit und Sozialismus geführt. Sch. Unterstütze die Aktivitätten des, Schutzkomitees durch finanzielle Zuwendungen und gewann Yves Montand und Simone Signoret als korrespondierende Mitglieder dieses „Komittes. Am 25.9. 1981 trat sie als Mitunterzeichner des „offenen Briefes“ von Havemann an den L. L. Breschnew in Erscheinung.“

In einem weiteren Dokument der Stasi Akte Romy Schneiders mit dem Vermerk „ ADN – Information Nur zur Information Interne Dienstmeldung BSTU 0014 Schneider,Romy“ steht geschrieben:

bahro – komitee veroeffentlichte appell

information des adn-korr. Bonn, 10. mai 79 – das westberliner „komitee fuer die freilassung rudolf bahros“ hat auf einer pressekonferrenz am donnerstag in bonn einen „appell an den staatsrat der ddr zur general amnestie der politischen haeftlinge aus anlass des 30. jahrestages der staatsgruendung“ vorgelegt, der folgenden wortlaut hat:

die ddr hat den internationalen pakt der vereinten nationen ueber buergerliche und politische rechte unterzeichnet. Hierin werden insbesondere gedanken – und religionsfreiheit (artikel 18), redefreiheit (artikel 19), vereinigungsfreiheit (artikel 22), recht auf friedliche versammlung (artikel 21) garantiert, wie auch das recht, das eigene land verlassen zu koennen (artikel 12). diesen verpflichtungen kommt die ddr weder in ihrer gesesetzgebung noch in der praxis der justiz und staatssicherheitsorgane nach. Einige dieser rechte sind noch nicht einmal in der verfassung gewaehrleistet.

4 000 bis 6 000 politische haeftlinge gibt es nach den mitteilungen und berichten von amnesty international in der ddr. Hausarrest und berufsverbot fuer robert havemann, der bereits gegen den deutschen faschismus im zuchthaus brandenburg unter einsatz seines lebens kaempfte, sowie die verurteilung zu 8 jahren haft fuer rudolf bahro einzig und allein wegen seiner, heute bereits international anerkannten marxistischen analyse des „realen sozialismus“, sind alltaegliche beispiele fuer die praxis der staatssicherheits – und justiz- organe. Die situation der untersuchungshaeftlinge ist gekennzeichnet durch bewussten einsatz psychologischer zermuerbender haftbedingungen und verhoermethoden, weitgehendes ueberschreiten der untersuchungshaftzeiten , keine freie wahl der verteidiger, haefige verweigerung der aushaendigung der anklageschrift und später der urteilsbegruendung, faktische aufhebung der berufungsmoeglichkeit, totale nichtoeffentlichkeit der prozesse.

Jahrzehnte, besonders während des faschismus, haben organisationen der arbeiterbewegung sozialisten, demokraten, christen und kommunisten fuer die freiheit der meinungsaeusserung, fuer das recht auf uneingeschraenkte information, fuer versammlungs – , streik – und koalitionsrecht und gegen politische verfolgungen gekaempft. Die repraesentanten der ddr, insbesondere die mitglieder der sozialistischen einheitspartei deutschlands (sed), stellen sich bewusst in die tradition des antifaschistischen kampfes und der internationalen arbeiterbewegung. Die unterzeichner appelieren daher an den staatsrat der ddr.

  • die verpflichtungen aus dem internationalen pakt der vereinten nationen ueber buergerliche und politische rechte zu erfuellen, – die willkuehrmassnahmen gegen robert havemann und andere personen aufzuheben,
  • das urteil gegen rudolf bahro zu annulieren,
  • eine sofortige generalamnestie fuer alle politischen haeftlinge zu verfuegen.Da wir gegen politische repression und berufsverbote (wie z.b. in der brd) und fuer die verwirklichung der sozialen – und menschenrechte in allen laendern eintreten, werden wir auch zur tatsache und situation politischer gefangener in der ddr nicht schweigen. Vertreter des bahro – komitees uebergaben den pressevertretern eine liste mit 170 namen von sogenannten erstunterzeichnern, darunter heinrich aloertz, wolf biermann, heinrich boell, ingeborg drewitz, juergen fuchs, helmut gollwitzer, dieter hildebrandt, peter von oertzen, romy schneider, otto schilly, gerhard schroeder, carola stern, klaus taube, martin walser und gerhard zwerenz.

komiteesprecher steinke nannte den appell die „bisher groesste gemeinsame aktion der westeuropaeischen linken“. Auf befragen musste er allerdings einraeumen, dass es nicht gelungen sei, „fuehrende vertreter eurokommunistischer parteien anzusprechen“ , in sonderheit der ikp und fkp. Die italienischen kommunisten, so will steinke erfahren haben, planten eine eigene aktion zum 30. jahrestag der ddr.

Im uebrigen meinte der sprecher, die aktualitaet des appells werde durch die juengste entwicklung im fall havemann nur unterstrichen.

Das komitee freue sich, dass sich die situation fuer havemann veraendert habe. Dies sei ein „erfolg der internationalen solidaritaetsbewegung“.

Rechtsanwalt otto schily erkläerte, der appell mahne die ddr – staatsfuehrung an ihren verpflichtungen, die sie in zahlreichen voelkerrechtlichen dokumenten uebernommen habe, so auch mit ihrem beitritt zum internationalen menschenrechtspakt der uno. Die „fortdauernde inhaftierung von bahro“ stehe dazu im wiederspruch. Deshalb muesse sich die ddr den vorwurf „mangelnder vertragstreue“ und „politischer heuchelei“ gefallen lassen.

Der exiltschechoslowake zdenek mlynar beklagte, das die bedeutung „kritischer gruppen in osteuropa“ in der westeuropaeischen presse oft unterbewertet werde. Im uebrigen sprach er lediglich zu einem prozess, der heute in prag gegen einen sprecher der „charta 77“ stattfinden soll.

Der schwedische germanist gustav korlen unterstrich, dass der schwedische pen-klub bahro zu seinem ehrenmitglied gemacht habe. Er kuendigte an, dass im herbst bahros „alternative“ in schwedischer uebersetzung erscheinen werde.

Das spd. Parteivorstandsmitglied peter von oertzen wies auffassungen zurueck, dass ein eintreten fuer die entspannungspolitik ein „wohlverhalten gegenueber kommunistischen regimen“ und eine „stillschweigende anerkennung ihrer praktiken“ einschliessen sollte. Es sei vielmehr eine „staendige harte politische auseinandersetzung“ notwendig. Auch sollte die unterstuetzung der „demokratischen opposition“ in diesen staaten verstaerkt werden.

Der ehemalige ig-metall-funktionaer heinz brandt trat fuer eine „moeglichst rasche durchfuehrung“ eines russel-tribunales „ueber die lage der menschenrechte in der ddr“ ein. Er wuerde das als „direkte fortsetzung des tribunals ueber die brd“ verstehen, denn man sehe sich doch der folgenden situation gegenueber: „die kalten krieger in ost und west legitimieren stets ihre massnahmen aus der haltung des anderen“. Brandt teilte mit, dass auch biermann und havemann um ihre meinung zu einem solchen tribunal gefragt worden seien, die noch ausstehe.

Zu beginn der pressekonferrenz war mitgeteilt worden, das biermann und fuchs ihre teilnahme „wegen der konkreten havemann – situation“ abgesagt haben. ++

Hiermit wird darauf hingewiesen, das es sich bei dem oben abgedrucktem Auszug um eine Original Wiedergabe aus dem Originaldokument handelt. Rechtschreibung und Form wurden dem vorliegendem Original Dokument entnommen.

Auszug des offenen Briefes an den Vorsitzenden des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR, Leonid Breshnew, den neben Romy Schneider auch das Schauspielerehepaar Inge und Dieter Laser sowie auch Alice Schwarzer unterzeichnete:

In einem Anlageschreiben notierte das Ministerium für Staatssicherheit der DDR die Namen aller bisher bekanntgewordenen Mitglieder des „Schutzkomitees Freiheit und Sozialismus“. Neben Romy Schneider gehörten auch der Schriftsteller Peter Schneider und die Feministin Alice Schwarzer zu den Mitgliedern der Untergrundpartei. Die am 3. 12. 1942 in Wuppertal geborene Alice Schwarzer übte während der Zeit der Gründung des Komitees einen Lehrauftrag an der Universität in Münster aus. Wie auch Romy Schneider unterstützte auch sie das Komitee mit finanziellen Mitteln. Alice Schwarzer galt zu dieser Zeit als führende Vertreterin der Emanzipationsbewegung der Frauen in der BRD, ausserdem war sie die Herausgeberin der Zeitschrift „Emma“, wie aus den Akten des Ministeriums für Staatssicherheit hervorgeht.

Romy Schneider berichtete einer Freundin von ihrer Tätigkeit im Komitee, sie betonte dabei immer für wie wichtig es gerade für Künstler wäre, politisch engagiert zu sein. Heute erinnert sich Romy Schneiders damalige Freundin: >>Als ich eines Tages in einer Talkrunde im TV die Schauspielerin Uschi Glas reden hörte, Romy wäre eine Salonlinke gewesen, drehte sich mir schlicht und ergreifend der Magen um! Romy war stets darum bemüht ihre Öffentlichkeitswirksamkeit als Schauspielerin zu nutzen um auch auf politischer Ebene etwas zu bewegen. Sie war mit den bestehenden Verhältnissen nicht zufrieden, sie hatte die Missstände erkannt und sie wollte etwas verändern.<<

Romy Schneider war fest davon überzeugt das die Motivation immer in Zusammenhang mit dem Zweck der jeweiligen Sache stehen muss. Beispielsweise sagte sie: „Leute die meinetwegen berühmte Stars sind und sich für die Kamera als Spender und Helfer hinstellen, empfinde ich als Scheinheilig. Ich stelle mir immer die Frage, ob sie das gleiche auch tun würden, wären die Kameras nicht da. Ich selbst tue Dinge nur, wenn ich mit meinem Herz auch wirklich dahinter stehe, weil ich den Menschen helfen möchte, ihnen Freude schenken möchte – aber wie gesagt ohne Kameras.“

Als Ende November des Jahres 1976 die erste Pressekonferenz des Komitees im Westberlin statt gefunden hatte, war die publizistische Resonanz sehr groß. Zu dieser Zeit zählte das Komitee 14 ordentliche (eingeschriebene) Mitglieder. Zu diesen eingeschriebenen Mitgliedern gehörten:

  • Dr. Hannes Schwenger Vorsitzendender des Westberliner Schriftstellerverbandes
  • Otto Schily Rechtsanwalt
  • Prof. Helmut Gollwitzer
  • Heinrich Böll
  • Max Frisch Zürich
  • Heinrich Alberts ehem. Regierender Bürgermeister v. Westberlin
  • Peter Schneider
  • Prof. de Vring Uni Bremen
  • Moneta Chefredakteur „Metall“
  • Romy Schneiders
  • Yves Montand
  • Simone Signoret

In einer Akte mit dem Vermerk „Streng geheim!“ wurden die Namen der 14 ordentlichen Mitglieder des Komitees schriftlich fixiert. „Darüberhinaus haben bisher etwa 200 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens der BRD (vorwiegend des kulturellen Bereiches) schriftlich ihre Übereinstimmung mit den Zielen des Komitees erklärt.“

Nach Aussagen von Dr. Hannes Schwenger, dem Vorsitzenden des Komitees „gibt es sehr wenig ernstzunehmende Persönlichkeiten, die gegenüber dem Komitee und dessen Zielen eine ablehnende Haltung einnehmen würden.“

Dr. Hannes Schwenger war es gelungen, mit dem von ihm gegründeten Komitee eine Basis für eine politische Bewegung zu gründen. „Das Komitee tagt einmal monatlich mit allen zu dieser Zeit in Westberlin weilenden ordentlichen Mitgliedern. Die Idee von der Komiteegründung stammt von Dr. Schwenger, der nach eigenen Angaben streng darauf achten will, daß es nicht zu „antikommunistischen Zwecken“ mißbraucht wird.“ In diesem Zusammenhang wird deutlich gemacht: „So würden alle des Antikommunismus verdächtigten Personen vom Komitee ferngehalten.“ In dem Schreiben des MfS wird angegeben, das Yaak Karsunke der Mentor des Vorsitzenden Dr. Hannes Schwenger gewesen sei, und Otto Schily der Rechtsberater des Komitees. Diese drei wurden durch das MfS als „harter Kern“ des Komitees angegeben. Doch welche Rolle spielte Romy Schneider im „Schutzkomitee Freiheit und Sozialismus“?

Laut Aktenvermerk : „Nur an der Periphere bewegt sich Romy Schneider, die Yves Montand und Simone Signoret als Mitglieder für dieses Komitee gewonnen hat.“

Weiterhin heisst es: „Die Aktivitäten von Böll, Frisch, und Alberts halten sich vorerst in Grenzen. Sie geben ihren Namen, Verbindungen und Spenden. Da die zur Finanzierung des Komitees notwendigen spärlich werden, ist daran gedacht, daß Komitee als einen Verein eintragen zu lassen, „um die Spenden von der Steuer absetzten zu können.“

Das MfS hegte lange Zeit die Vermutung das auch der ehemalige Spiegel Korrespondent Mettke zu den eingetragenen Mitgliedern des Komitees gehörte. In ihren Recherchen war es ihnen nicht gelungen einen Hinweis auf den Beitritt Mettkes zu finden. „Es gibt keinen Hinweis darauf, daß auch der ehemalige „Spiegel“ – Korrespondent Mettke zu den ordentlichen Mitgliedern des Komitees gehört.“

Selbst die Tatsache, das Romy Schneider das Komitee nur durch Finanzielle Zuwendungen unterstütze, und lediglich zwei neue ordentliche Mitglieder für das Komitee gewinnen konnte, beunruhigte das Ministerium für Staatssicherheit. Akribisch wurde alles mit Romy Schneider im Zusammenhang stehende durch das Ministerium für Staatssicherheit dokumentiert und archiviert.

Als am 30. September 1976 die BZ ein Interview mit Romy Schneider veröffentlichte wurden die Mitarbeiter des Staatsicherheitsdienstes darauf aufmerksam. In jenem Interview berichtete Romy über die Dreharbeiten ihres Films „Gruppenbild mit Dame“. Romy spielte die Rolle der Leni, – die Rolle der Dame um die sich die anderen Figuren gruppierten. Im Verlaufe der Dreharbeiten wird das gesamte Team eine Zeit lang in Ostberlin verweilen, um dort die jeweiligen Schauplätze abzudrehen. In diesem Interview äussert Romy erstmals einen Wunsch, mit dem sie automatisch wieder in das Visier der Stasi gelangt war. Im Interview verriet sie:

Ich möchte unbedingt Ulrich Plenzdorf und Wolf Biermann kennen lernen.“

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