Ralina Ahmetova, eine Kollektion zwischen Zeitreise und Dialog

Ralina Ahmetova, geboren und aufgewachsen in Russland. Seit 10 Jahren wohnt Sie nun in Deutschland,  diese BA-Abschlusskollektion war für sie eine Art Zeitreise, und Bearbeitung von inneren Konflikten, der Versuch sich selbst zu verstehen. In diesem Dialog mit sich selbst und der russischen heutigen Realität wurde diese Kollektion erschaffen.

Hauptsächlich beschäftigt sich ihre Bachelor-Thesis mit dem Begriff Gender, sowie den Gender Rollen in der russischen Gesellschaft. Eine bekannte russische Soziologin Zdravomyslova beschreibt Gender als einen Gesamtkomplex aus Sozial- und Kulturnormen und Erwartungen gegenüber den Männern und Frauen; sozial geprägte Charakteristiken der Männlichkeit und Weiblichkeit. Staatliche, rechtliche, politische und ideologische Mechanismen erschaffen Normen der Geschlechtsrollen, um diese sozial organisierten Unterschiede zwischen Männern und Frauen zum eigenen Nutzen zu machen. Sie erschaffen Regeln, an die sich Menschen halten sollen, um in die Gesellschaft zu passen. Diese von der Gesellschaft aufgehängte Etiketten, die bestimmen wie sich ein Mensch benehmen muss, werden als von der Natur vorgegebene und selbstverständliche Normen gesehen. Und das führt zur Unterdrückung der persönlichen Freiheit, Einschränkungen und Spannung zwischen den Geschlechtern.

Da die von ihr behandelte Thematik sehr wohl persönliche Bezüge aufweist, entschied sie sich, die bearbeiteten und dargestellten wissenschaftlichen Texte, Daten und Statistiken mit ihren persönlichen Erlebnissen, sowie mit Geschichten von Menschen auszuschmücken.

Die Arbeit stellt eine Art Geschichtsreise, eine Auseinandersetzung mit Realitäten, sowie  Traditionen und gesellschaftlichen Normen dar. Da Sie gebürtige Russin, mit tatarischer Nationalität ist, möchte sie in ihrer Arbeit in besonderer Weise Bezüge zu ihrer Herkunft und Heimat herstellen. Als vermittelndes Element zwischen meinen Identitäten sollte die Mode fungieren.

Ralina Ahmetova:

„Ich hatte das Glück, dass sowohl meine Mutter, als auch meine Oma bereit waren sich mit mir zusammen auf die Reise zu begeben und mich während der Arbeit an meiner Kollektion unterstützten.

Von Anfang an habe ich mir eine Geschichte ausgedacht. Oma möchte unbedingt, dass ihre schon erwachsene Enkelin endlich mal heiratet. Dafür ist es natürlich unter anderem wichtig schön und feminin gekleidet zu sein. Kleider machen Leuten, so das Sprichwort. Weil Oma nicht über große finanzielle Mitteln verfügt, aber ganz genaue Vorstellungen von Schönheit hat, näht sie Kleidung selber. Selbstbewusst und glücklich präsentiert sie ein Set, das für alle Lebenssituationen geeignet sein soll. Von einem Abendkleid bis zu der Sporthose, an alles hat Oma gedacht“.

„Da das Stricken und die Bearbeitung von Wolle schon immer einen großen Stellenwert im Leben meiner Oma hatte, war es mir ein Anliegen diese Elemente in der Kollektion auftauchen zu lassen. Aus der Merino Kammzugwolle erstellt sie ein ganz weiches Garn, aus dem mehrere Kollektionsteile gestrickt wurden“.

Sie fügte weiterhin hinzu:

„Durch ein Stereotypen-Spiel erzeugte ich süße und etwas naive Prints, die die Gesellschaft in zwei unterschiedliche Welten teilen“.

„Bei meiner Oma zu Hause entdeckte ich viele Schätze: ausgedehnte Sporthosen, eine Strickjacke aus einem alten Pulli, eine Schürze mit Taschen aus einem alten T-Shirt, umgenähte Röcke und vielen mehr. Von diesen Teilen nahm ich Schnitte ab, veränderte diese zum Teil und passte sie meinen Vorstellungen an“.

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