Pop on Paper. Von Warhol bis Lichtenstein

Die Ausstellung Pop on Paper. Von Warhol bis Lichtenstein findet vom 03. April bis zum 26. Juli 2020 im Kulturforum in der Sonderausstellungshalle statt.

Das Berliner Kupferstichkabinett präsentiert erstmals in einer Ausstellung die Highlights seiner Pop Art-Sammlung, die zu den bedeutendsten in Europa zählt. Ausgehend von der US-amerikanischen Druckgraphik der 1960er-Jahre und den Pop Art-Pionieren Andy Warhol und Roy Lichtenstein entfaltet „Pop on Paper“ ein stilistisch wie thematisch breites Spektrum, das von Arbeiten so unterschiedlicher Künstler*innen wie Claes Oldenburg, James Rosenquist oder Elaine Sturtevant zu Allen Jones, Sigmar Polke und Maria Lassnig nach Europa und bis in die Gegenwart reicht.

Großes Thema der „klassischen“ Pop Art war der Umgang mit den trivialen, auf massenhafter Anfertigung und Verbreitung beruhenden Bild- und Produktwelten der US-amerikanischen Konsumgesellschaft – angefangen von der Suppenbüchse und dem Comic Strip bis hin zu den Pressefotos von Jackie, der Witwe des US-Präsidenten John F. Kennedy. Doch Pop war nicht gleich Pop, sondern umfasste neben „Außenseitern“ wie Jim Dine auch minimalistische Tendenzen, wie sie die abstrakt-flächenhaften Bildzeichen von Robert Indiana, Gerald Laing oder Allan D´Arcangelo erkennen lassen.

Was Warhol, Lichtenstein und Co. vereint, ist der offensive und kreative Einsatz der Druckgraphik, der es ihnen erlaubte, ihre in Malerei und Skulptur entwickelten Bildfindungen einem größeren Publikum jenseits des elitären Kunstmarktes zu vermitteln. Dies geschah vor allem über den Einsatz des ursprünglich aus der Werbung stammenden Verfahrens des Farbsiebdrucks, der es auch erlaubte, fotografische Vorlagen zu reproduzieren oder Kunststoff- und Silberfolien zu bedrucken. Dabei erweisen die meist farbkräftigen, bisweilen extrem großformatigen Werke, die in jenen Jahren des „Great Graphic Boom“ in New York und Los Angeles in ambitionierten Druckwerkstätten entstanden, dass die Pop Art in ganz entscheidendem Maße als „Pop on Paper“ ihre Wirkung entfaltete.

Künstler wie Roy Lichtenstein oder Robert Indiana wurden zudem zu Plakat-Gestaltern, warben mit unlimitierten Sieb- und Offsetdrucken für ihre eigenen Ausstellungen – etwa in der legendären New Yorker Galerie von Leo Castelli. Wie mehrere Leihgaben aus der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin bezeugen, war der Übergang zwischen dem limitierten Druck als Handelsobjekt für den Kunstmarkt und dem dennoch hochwertigen, in hoher Auflage verbreiteten Werbemittel bisweilen fließend.

In zehn Kapiteln nähert sich „Pop on Paper“ einzelnen Künstler*innen und Themen der Pop Art. Angefangen mit ihrem Aufkeimen in England (Eduardo Paolozzi, Richard Hamilton) sowie bei Künstlern wie Jasper Johns und Robert Rauschenberg bis hin zu europäischen Parallelentwicklungen und Reflexionen vor und nach 1970 etwa bei Sigmar Polke, K.P. Brehmer, Ulrike Ottinger, Maria Lassnig, Elaine Sturtevant und Equipo Crónica. Ein zeitgenössisches Echo des Pop-Styles findet sich abschließend bei Arbeiten von Antje Dorn und SUSI POP.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Kerber Verlag, Bielefeld – Berlin: 180 Seiten, ca. 120 Abbildungen, mit Texten von Alexander Dückers, Patricia Kühn, Fabienne Meyer, Christina Thomson und Andreas Schalhorn (Herausgeber und Kurator der Ausstellung).

Bildernachweise

Andy Warhol, Marilyn, 1967, Farbsiebdruck aus dem 10-teiligen Portfolio, © 2019 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Artists Rights Society (ARS), New York, Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Jörg P. Anders
Allan D´Arcangelo, Landscape II, 1965/1966, Siebdruck auf Vinyl, aus „11 Pop Artists II“, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019 / Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Dietmar Katz
Tom Wesselmann, TV Still-Life, 1965/1966, Siebdruck auf Karton, aus „11 Pop Artists III“, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019 / Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Dietmar Katz
Ulrike Ottinger, Ohne Titel, 1966-1967, Farbsiebdruck, © Ulrike Ottinger / Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Dietmar Katz
James Rosenquist, F 111, 1965, Plakat der Galerie Leo Castelli, New York, Offsetlithographie, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019 / Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Dietmar Katz
Peter Phillips, Custom Print I, 1965/1966, Siebdruck, aus „11 Pop Artists I“, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019 / Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Dietmar Katz
Allen Jones, For the Lips (Pour les lèvres), 1966, Farbsiebdruck, aus „11 Pop Artists II“, © Allen Jones / Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Dietmar Katz
Maria Lassnig, Konservenmann,1969, Siebdruck, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019 / Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Dietmar Katz
Mel Ramos, Tobacco Rose, 1965, Siebdruck in vier Farben, aus „11 Pop Artists II“, © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Volker-H. Schneider
Roy Lichtenstein, Brushstroke, 1965, Farbsiebdruck, © Sammlung Hans + Uschi Welle / VG Bild-Kunst, Bonn 2019 / Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Dietmar Katz
Claes Oldenburg, Plakat der Galerie Sidney Janis, New York, 1967, Offsetlithographie, © Claes Oldenburg / Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Dietmar Katz

Kulturforum -Sonderausstellungshalle
Matthäikirchplatz, 10785 Berlin

Di, Mi, Fr 10 – 18 Uhr
Do 10 – 20 Uhr
Sa + So 11 – 18 Uhr

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