KARL LAGERFELD. FOTOGRAFIE Die Retrospektive

Mit einer Sonderausstellung widmet sich das Kunstmuseum Moritzburg in Halle (Saale), dem fotografischen Lebenswerk des berühmten Modeschöpfers Karl Lagerfeld (1933-2019). Die Ausstellung ist die weltweit erste Retrospektive zur Fotografie des Modezaren. Sie umfasst 300 Werke, die seine vielfältigen Interessengebiete zeigen. Dazu gehören Architektur, Landschaft, Abstraktion, Porträt, Selbstporträt, aber auch seine Werbekampagnen sowie Editorial-Shoots für bedeutende internationale Modezeitschriften und freie Arbeiten.

Foto: Marcus-Andreas Mohr © Karl Lagerfeld

 

Lagerfeld fungierte als Modedesigner, Fotograf und Buchverleger. Er war zweifelsohne ein Ausnahmetalent und verfügte über eine Vielzahl künstlerischer Ausdrucksmöglichkeiten. Eine stark ausgeprägte Intuition und die nie ruhende Kreativität, gepaart mit einem außerordentlichen Verstand, waren die Grundlage für einen ihm eigenen, stark strukturierten Stil, den er auf eine große Inszenierung lenkte.

In beeindruckender Weise erstreckt sich die Retrospektive über alle Flächen des Sonderausstellungsbereichs im zweiten Obergeschoss des West- und Nordflügels der Moritzburg. Die Sammlungspräsentation Wege der Moderne im ersten Obergeschoss und die Gotischen Gewölbe sind ebenfalls einbezogen.

Die Schau gewährt intime Einblicke in Lagerfelds Arbeitsleben. So erfährt man, dass der Modeschöpfer keine Überraschungen liebte, weder im Leben, noch bei der Arbeit. Deshalb nahm er die Dinge meist selbst in die Hand. Das betraf auch die Inszenierung seiner Person in der Öffentlichkeit. Lagerfeld stellte sich gern als barocker Edelmann dar. Auch die Fotos, die er von sich veröffentlichte, waren inszeniert. Er wirkt auf ihnen recht kühl, dennoch waren seine Selbstporträts immer auch eine Einladung, mit dem Modeschöpfer ins Gespräch zu kommen. Was für ein ausgeprägter Ästhet er war, welche enorme Tiefe der Künstler und sein Schaffen haben,  wird in der beeindruckenden Ausstellung deutlich.

Karl Lagerfeld: Selbstporträt, 2007, Foto©Karl Lagerfeld

Sein großes Selbstporträt zeigt ihn als umtriebigen Mann, der rastlos durch das Bild läuft. Seine legendäre Bibliothek im Hintergrund soll aber auch signalisieren, dass er belesen war. Lagerfeld besaß am Ende seines Lebens mehr als 300.000 Bücher. Der Betrachter, der sich auf seine Bilder einlässt, bekommt einen tiefen Einblick und Anregung in seine Kunst.

Karl Lagerfeld stellt sich selbst im Porträt-Stil der klassischen Renaissance dar. Die Porträtierten ließen sich damals in ihrem jeweiligen Umfeld festhalten. Maler zeigten sich beispielsweise im Atelier oder Wissenschaftler im Labor. Der Modeschöpfer wandelte die Thematik in seinem Selbstporträt jedoch um und stellte sich nicht wie gewohnt in seinem Umfeld als Modeschaffenden dar, sondern als Gelehrter vor einer Bibliothek. Hierbei verrichtet er jedoch keine Arbeit, sondern posiert vielmehr vor der riesigen Bücherwand.

Karl Lagerfeld: Selbstporträt, 2007, Foto © Karl Lagerfeld

Ein weiterer Teil der Ausstellung beinhaltet Karl Lagerfelds Auseinandersetzung mit der griechischen Antike. In einem 18 Meter langen hinterleuchteten LED- Paneel wird Homers Odysseus gezeigt. Weiterhin inszeniert der Modepapst die Liebesgeschichte von Daphnis und Chloë, die der Dichter Longus zu Papier gebracht hat. Der Roman gilt als die Mutter aller Liebesromane, der vielen Künstlern über 1800 Jahre als Vorbild gegolten und bis heute nicht an  Bedeutung verloren hat. Highlight der Ausstellung ist eine Präsentation von Daguerreotypien und Platinotypien als Masterprints Karl Lagerfelds.

Die Westbox, der zentrale Ausstellungsraum des Museums, zeigt in einem Parcours die schönsten Modefotos Lagerfelds. Hier werden bekannte Modeikonen gezeigt, die er unter anderem auch als seine Musen bezeichnete.

Die Retrospektive gewährt ebenso Einblicke, in seine künstlerischen Referenzen, die Lagerfeld in seinem fotografischen Werk interpretiert und transformiert hat.  Dazu gehören  Oscar Wilde, Eduard von Keyserling, Ovid und Longus, die Gemälde von Lyonel Feininger, Vilhelm Hammershøi, Edward Hopper und Florine Stettheimer sowie die Filme von Fritz Lang und die Fotografien von Edward Steichen und Baron Adolph de Meyer.

So entlässt die Ausstellung ihre Besucher beeindruckt mit einem neuen Blick auf das Schaffen eines großartigen Papstes der Mode. Lagerfeld besitzt über seinen Tod hinaus eine Unsterblichkeit, die ihn niemals aus der Welt der Kunst, Mode und Fotografie verschwinden lassen wird. Die Exponate demonstrieren, was Lagerfeld mit seiner einzigartigen Größe der Nachwelt hinterlassen hat. Ein wahres Vermächtnis.

Besucher sollten sich aufgrund aktuellen Lage unbedingt auf der Homepage der Moritzburg anmelden. www.kunstmuseum-moritzburg.de

Ausstellungsansicht „Karl Lagerfeld. Fotografie. Die Retrospektive“ im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Marcus-Andreas Mohr © Karl Lagerfeld

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