JONAS GREIF – Nachwuchs Talent im Deutschen Motorsport im Fokus

Wenn die Familie mitmacht, dann wird es was. Wir sehen das bei vielen Kindern. Von den Mozarts bis hin zu Mateo von Culcha Candela, Michael Jackson, Britney Spears. Oft werden von überambitionierten Eltern, die Kinder quasi missbraucht, als Erfüllungsgehilfen der Träume, die man selbst für sich nicht verwirklichen konnte. Das führte zu Tragödien, wie bei den letzten zwei genannten – aber auch zu einmaligen Karrieren, wie bei den ersten zwei genannten. Der Vater, Jens Greif, schenkte seinem siebenjährigen Sohn, Jonas Greif (Jahrgang 2001, Abiturient) sein eignes Kart, mit dem er mit 40km/h über die Rennbahn raste.

Nach einem Jahr Training ging es in der Bambini Klasse schon zu Meisterschaften. Zweimal wurde er als Kind sächsischer Vizemeister. Aus 40 km/h wurden schnell 125km/h und holte damit Pokale und fuhr 2018 die Deutsche Meisterschaft mit. Sein Vater begleitet ihn stets und seine Grosseltern. Für seine Mutter ist das alles viel zu aufregend.
Dank des gebürtigen Dresdners, Guenter Weigs (CEO der http://www.glamourfacs.org, mit Nachwuchsförderung im Beauty Bereich), lernte Bastian Lee Jones das grosse Nachwauchs-Talent im Rennsport aus Sachsen kennen und interviewte ihn für die Radiosendung „Mach Dir Lebenslust“ auf UKW91.0 Berlin, Kurzwelle6150 & im Netz aus Berlin und den Youtube Podcast LebenslustTV & ZeitblattTV: https://www.youtube.com/user/bastianleejones). Das Interview ist von Ende 2018 – wo das Abitur und die HTP Team Zeit auf der Tagesordnung standen:

BLJ: Einen wunderschönen guten Abend. Wir sitzen in Dresden auf der Elbe in einem Schiff und könnten bei einem Wasserstand von 30cm durchlaufen. Vor mir habe ich einen jungen Mann sitzen. Normalerweise möchten Jungs Tierärzte, Piloten oder Fussballer werden. Bei Dir war
das nicht so?
JG: Ich wollte von Anfang an Rennfahrer werden. Vor 10 Jahren war ich mit meinem Vater Kart fahren. Ich war so fasziniert, dass wir irgendwann ein eigenes Kart gekauft haben und das hat sich immer, immer weiter entwickelt. Es wurde eine richtige Leidenschaft. Und jetzt kann ich mir den Motorsport nicht mehr aus meinem Leben wegdenken. Das ist wirklich ein wichtiger Bestandteil, den ich nicht mehr missen möchte.
BLJ: Und kannst Du Dich dem Publikum bitte kurz namentlich vorstellen?
JG: Ich bin der Jonas Greif und komme aus Coswig, gleich um die Ecke. Das ist hier einfach richtig heimisch, in Dresden zu sein. Ich finde Dresden einfach faszinierend. Wenn man aus dem Fenster schaut, ist es einfach wunderschön.
BLJ: Es ist wunderschön. Doch für dich als angehenden Rennfahrer, bleibt ein Wermutstropfen, weil es hier keine Trainingsmöglichkeiten gibt. Da müsstest du eher nach Bayern gehen. Ist in Sachsen irgendetwas in Planung?
JG: Es wird etwas in Mühlen gebaut. Es sollte im Jahr 2018 die ersten Testfahrten dort geben. Es ist schon mehrere Jahre im Gespräch. Ich bin noch nicht davon überzeugt, dass wir ab 2019 dort Rennen fahren werden und bin dennoch überzeugt, dass im Westen der Motorsport attraktiver
bleiben wird, weil wir im Osten wenig Möglichkeiten haben zu trainieren. Deswegen ist es für uns umso schwerer, mit den Fahrern aus dem Westen mitzuhalten. Und deswegen immer die Fahrt nach Bayern. Nach Kerzen, wo auch die Elektro-Kart DM´s stattfinden. Das ist eine tolle und bekannte Schumacher Bahn, wo einfach Emotionen hochkommen.Wenn man sich überlegt, wer dort schon gefahren ist. Mein grosses Vorbild, der deutsch-finnische Fahrer Nico Rosberg, Ayrton Senna, Michael Schumacher. Alle bekannten Namen. Das ist einfach beeindruckend, dieses Feeling in Kerpen.
BLJ: Rennsport – so als Outsider – da würde ich vielleicht mit der Seifenkiste anfangen, dann mit Go-Kart, und dann weitergehend. Es gibt ja dann die Formel eins, zwei, drei, dann gibt es die sogenannten Rallyes, die sich von den Formeln unterscheiden. Du hattest mir erklärt, dass du nicht gegen eine Zeit fahren möchtest, sondern gegen andere Fahrer.
JG: Genau. Das Fahren gegen Zeit liegt mir überhaupt nicht. Wir haben immer das Zeit-Training. Das ist meine kleine Schwäche. Wenn Zeit-Training auf dem Plan steht, denke ich immer: Oh weh! Deswegen schreibe ich mir meisten Zeitplan so: letztes freies Training. Das hilft mir mental besser, als wenn ich Zeit-Training schreiben würde. Das Wort löst einfach eine Blockade in mir aus. Das Feeling, Fahrer gegen Fahrer, auf der Strecke Feinde zu sein und neben der Strecke Freund und man respektvoll miteinander umgeht aber trotzdem die Lücke zu suchen, wo eigentlich keine mehr ist, die nur wir Rennfahrer sehen, das ist das Besondere am Motorsport.
BLJ: Weil ich so ein Doku Freak bin, hatte ich letzthin auf Youtube eine Doku über angehende Astronauten gesehen, wo gefragt wurde: Wir suchen Raumfahrer, die bereit sind zum Mars zu fliegen, und das auch ohne Wiederkehr. Da wurde auch ein Deutscher begleitet, der 200% überzeugt war, es machen zu wollen, trotz Familie. Das ist ja einsganz grosse Vision. Leute von aussen, die einen nicht kennen, würden sagen, der spinnt. Wie geht es dir mit deinen Visionen dabei? Was ist dein ganz grosses Ziel? Wen weihst du in dieses Ziel ein? Wie reagiert dann dein Umfeld darauf?
JG: Mein ganz grosses Ziel ist, welches jeder grosse Rennfahrer hat. Das ist die Formel Eins. Aber mittlerweile bin ich realistisch geworden, und sage: Formel eins wird vielleicht, auch wenn es blöd klingt, immer weniger attraktiv. Und mein grosses Ziel ist es, DTM zu fahren. Oder einfach irgendwann in den professionellen Motorsport einzusteigen und mit dem Motorsport mein Geld zu verdienen. Wem ich das erzähle sagen oft: Du wirst niemals mit Motorsport dein Geld verdienen können. Aber genau das ist mein Ansporn, denen das zu zeigen: So, Leute. Ich hab’s doch geschafft und ihr hattet nie Recht! Darauf arbeite ich hin. Und ich möchte nächstes Jahr die Europameisterschaft und die Weltmeisterschaft fahren. Es wird viele Neider geben. Da bin ich fest überzeugt. Aber Neid muss man sich erarbeiten und Mitleid bekommt man geschenkt. Ich möchte mir das einfach erarbeiten. Viele sagen auch: Die Weltmeisterschaft? Da wirst du untergehen. Aber selbst wenn ich da untergehe, bleibt es eine einmalige Erfahrung, die ich dort mache.
BLJ: Wie ich es verstanden habe, sind geraumer Zeit bestimmte Dinge ins rollen gekommen. Du bist in ein Team gerutscht. In ein europameisterliches Team?
JG: Genau. Über die Saison bin ich immer mehr auf HTP Kart Team aufmerksam geworden. Es gab mit einem Fahrer von dort Gespräche und mit dem Team Chef sehr gute Gespräche, die mir auch mental sehr viel gebracht haben. Ich habe das gefunden, was ich die ganze Zeit gesucht habe. Dann hatte ich vor kurzem im belgischen Genk ein tolles Erlebnis. Dort bin ich gegen den Europameister gefahren und unterlag nur um 0,1 Sekunden. Ein paar Runden war ich sogar schneller. Ich dachte, ich müsse Leistung bringen und habe mich selbst unter Druck gesetzt. Aber das Team hatte mir meinen ganzen Druck genommen. Ich hattee mich von Anfang an wohl gefühlt. Und am Ende fast den Europameister besiegt zu haben , war für mich beeindruckend. Ich startete offiziell für HTP. Dort sind die ganz grossen Bosse. Bernd Mayländer, Bernd Schneider, aus der DTM Formel Eins bekannt. Und für dieses Team gefahren zu sein, was gleichzeitig den Tourenwagensport hat, war eine Freude. Sie sind 2018 bei den GT Masters Teammeister geworden. Und da im Junior Team zu sein, wo sie den eigenen Nachwuchs heranziehen wollen, war einfach eine Genugtuung. Ein schönes Gefühl. Wie eine kleine Auszeichnung.
BLJ: Ja – die Finanzen. Beim Laufsport – da muss ich Schuhe kaufen und ein paar wenige Klamotten. Aber der Motorsport. Die Ausrüstung, das Training, kostet Unsummen. Dann die Wechsel in die nächst höheren Stufen. Da braucht man sicherlich Sponsoren? Reiche Eltern. Irgendwie muss Geld organisiert werden. Hast du da Strategien? Deine Eltern sind ganz bodenständig. Was ist der Plan?
JG: Auf jedenfall. Ohne Sponsoren kann ich meinen Traum nicht leben. Ich bin auf Sponsoren angewiesen und ich arbeite mit meiner Familie auch an Medienauftritten. Das ist gute Unterstützung. Reichweiten sind ja ganz wichtig. Mediale Präsenz.

Photos by Jens Greif, Hockenheimring

Viele Talente könnten die ersten Schritte in einer Rennfahrer Karriere nicht mehr bezahlen, meinte unlängst Sebastian Vettel. Der Kartsport sei viel teurer und elitärer geworden. Jonas Greif hat das Talent und den Fokus. Doch Equipment, Reisekosten, Kleidung und Werkzeug, das geht ohne Sponsoren nicht, auch wenn Jonas in seiner freien Zeit auch bei REWE jobbt. Die Aufnahmeprüfung für sein Sportstudium in Leipzig, hat er mit Bravour bestanden. Aber Wirtschaft oder Architektur winken ebenso.
Derzeit ist Jonas (NES 500) im T3 Motorsport Nachwuchsteam, neben Maximilian Paul (ADAC GT Masters) und Simon Reicher (ADAC GT Masters) und hat in Hockenheim den 2. Platz bei der DMV NES 500 gewonnen. Eines seiner Ziele hat er für 2019, damit erreicht, in den Top 3 zu landen. Die Langstreckenserie wartet. 2020 ist die TCR Germany, die live auf Sport Eins übertragen wird und für 2021 die ADAC GT Masters in einem Audi R8. Ziele visionieren und fokussieren und umsetzen – darin ist er bereits jetzt schon ein grosser Meister.
Die NES 500 fuhr Jonas in einem Audi T3 RS3 LMS. Da geht die Geschwindigkeit schon über 200km/h. Wie sagte der Philosoph Aldous Huxley so schön: Der moderne Mensch hat nur ein einziges neues Laster erfunden: die Geschwindigkeit. Die Attraktivität der Geschwindigkeit hat für viele Menschen in unterschiedlichen Bereichen eine Magie, der man sich kaum entziehen mag. Für den sehr talentierten Jonas Greif ein beträchtlicher Sprung, denkt man an die Bambini Zeiten mit 40 km/h zurück. Wird es durch das “Schneller” aber auch gefährlicher? Ganz sicher ist, das Geschwindigkeit nicht der einzige Faktor für Jonas Greif ist, wie er im Interview erläuterte. Und vielleicht kann seine Mutter jetzt schon viel beruhigter mit der Leidenschaft ihres Sohnes umgehen. Aber trotz aller Aufregung und trotz allem Nervenkitzel: die ganze Familie macht mit – und das in einem gesunden und nicht toxischen Verhältnis. Warum sollte das nichts werden?
Vielen Dank an Jonas und Jens Greif und viel Erfolg weiterhin.

Bisherige Erfolge:
2012 Klasse 160 ccm Bambini – 2. Platz in der Sächsischen Meisterschaft
2013 Klasse 160 ccm Bambini – 2. Platz in der Sächsischen Meisterschaft
2016 Klasse X30 Senior – 2. Platz in der Sächsischen Meisterschaft
2017 Klasse X30 Senior – 2. Platz im OAKC, 2. Platz in der Sächsischen Meisterschaft
2018 Klasse X30 Senior 25. Platz im ADAC Kart Masters, 14. Platz im ADAC Kart Cup
2019 2. Platz DMV NES 500 in Hockenheim

http://www.jonas-greif.de
http://www.facebook.com/JonasGreifOfficial

Photo by Guenter Weig (v. links Jonas & Jens Greif & Bastian Lee Jones
Photo by Bastian Lee Jones

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