JACOBOWSKY UND DER OBERST

Dass der Kampf ums Überleben die besten Komödien schreibt, beweist Franz Werfels „Jacobowsky und der Oberst“. Das Stück hat autobiographische Züge: Werfel, der jüdischer Herkunft war, ging unter den Nationalsozialisten ins Exil: zuerst nach Paris, dann nach Südfrankreich. Er fand Zuflucht in Lourdes, wo er den polnischen Bankier Jakobowicz kennenlernte, dessen Geschichte ebenfalls in sein Theaterstück einfloss. Franz Werfel überquerte gemeinsam mit seiner Frau Alma Mahler sowie einigen Freunden, zu denen auch Heinrich, Golo und Nelly Mann zählten, zu Fuß die Pyrenäen. Kurz darauf emigrierte er in die USA und wurde 1941 US-amerikanischer Staatsbürger.

Frankreich 1940. Die deutschen Truppen rücken immer näher auf Paris zu. Für den polnischen Juden Jacobowsky ist es mal wieder soweit: Er muss fliehen. Auch sein Landsmann, der aristokratische Oberst Stjerbinsky, muss Frankreich so schnell wie möglich verlassen. Er hat eine geheime Mission zu erfüllen. Der polternde Militärheld kann Juden nicht ausstehen. Trotzdem lässt er sich auf die gemeinsame Flucht mit Jacobowsky in den Süden ein. Schon bald lernt er das unvergleichliche Organisationstalent seines Weggefährten zu schätzen. Mit seiner unvergleichlichen Überredungskunst gelingt es Jacobowsky sogar mitten im Krieg einen Rolls Royce und Benzin aufzutreiben. Unterwegs retten die beiden ungleichen Partner die Geliebte des Obersts aus den feindlichen Reihen. Den unfreiwilligen Gefährten gelingt es, auf ihrer turbulenten Odyssee der Besatzungsmacht ein Schnippchen nach dem anderen zu schlagen. Die Geschichte, die 1958 mit Danny Kaye und Curd Jürgens verfilmt wurde, schafft den Spagat, trotz der dramatischen Ereignisse des Krieges, den überaus komischen Road-Trip zweier völlig gegensätzlicher Charaktere in den Mittelpunkt zu stellen.

Der Autor Franz Werfel

Am 10. September 1890 wird Franz Werfel in Prag geboren; als Schüler schreibt er Gedichte und entwirft Dramen. 1914 wird er zum Militärdienst eingezogen; 1917 begegnet er Alma Mahler-Gropius, mit der er bis zu seinem Lebensende verbunden bleibt; er siedelt nach Wien über. Zu dieser Zeit sind bereits mehrere Gedichtbände von ihm und einige kritische Aufsätze erschienen. 1919 folgt seine erste eigenständige Novelle „Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuldig“. 1921 wird sein Drama „Spiegelmensch“ aufgeführt. In den nächsten Jahren entstehen „Der Tod des Kleinbürgers“, „Kleine Verhältnisse“, „Der Abituriententag“, „Die Geschwister von Neapel“ und immer wieder Gedichte. 1929 heiratet er Alma Mahler. 1933 erscheinen „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ – eine Mahnung an die Menschlichkeit; im gleichen Jahr werden seine Bücher in Deutschland verbrannt. 1938, als Hitlers Truppen in Österreich einmarschieren, hält sich Werfel in Capri auf – seine Emigration beginnt. 1940 wird er in Paris an die Spitze der Auslieferungsliste der Deutschen gesetzt.

Nachdem ihm die Flucht über die Pyrenäen gelungen ist, schreibt er „Das Lied von Bernadette“ als Dank für seine Errettung. Von Lissabon bringt sie ein Schiff nach New York. Die letzten Jahre verlebt Werfel in Los Angeles, Kalifornien. Er stirbt am 26. August 1945. Die Darsteller Der Oberst Michael von Au Der gebürtige Berliner ist bekennender Hertha-Fan. Er begann seine Karriere an der Komödie am Kurfürstendamm in dem Stück „Endlich allein“. Von hier engagierte ihn Dieter Dorn 1988 an die Münchner Kammerspiele. Es gab Spielzeiten, in denen man von Au in 13 verschiedenen Inszenierungen sehen konnte und er an 28 Abenden eines Monats auf der Bühne stand. 2001 wechselte der Schauspieler gemeinsam mit Dieter Dorn an das Bayerische Staatsschauspiel. Neben Dorn arbeitete er auch mit Regisseuren wie Helmut Griem, Anselm Weber, Elmar Goerden, Barbara Frey, Franz Xaver Kroetz und Thomas Langhoff. Engagements führten ihn auch ans Theater in der Josefstadt, Wien, ans Schauspielhaus Bochum und zu den Salzburger Festspielen. In seinem Programm „Au-Schau“ wandelt er im Glitzerjacket auf den Spuren von Dean Martin und stellt unter Beweis, dass er auch ein guter Sänger und nonchalanter Entertainer ist. 2008 erhielt er für seine Theaterarbeit den Merkur Theaterpreis.

Trotz der vielen Theaterengagements bleibt ihm immer noch genügend Zeit fürs Fernsehen zu drehen. Die Serie „Samt und Seide“, in der er den Jungmanager eines Textilunternehmens spielte, machte ihn populär. Regisseure wie Marcus O. Rosenmüller, Hartmut Griesmayr und Vivian Naefe engagierten ihn für ihre Arbeiten. Mit Doris Dörrie drehte er die preisgekrönte Komödie „Keiner liebt mich“. An der Komödie am Kurfürstendamm spielte Michael von Au 2012 erstmals in „Der dressierte Mann“.

Jacobowsky Marcus Ganser … ist Theaternarr seit seinem Theaterdebüt im vierten Lebensjahr, das er in „Die Troerinnen“ von Sartre am Theater an der Wien gab. Seitdem ist er auf, hinter und vor der Bühne als Schauspieler, Regisseur und Bühnenbildner tätig. Marcus Ganser lebt und arbeitet hauptsächlich in Wien. Seit 1990 ist er auch als Moderator, Redakteur und Regisseur für den Rundfunksender ORF tätig. In Deutschland war der Österreicher bisher unter anderem in Berlin, Bonn, Köln, Düsseldorf, Hamburg und München auf der Bühne zu sehen. Für die Komödie Dresden inszenierte er 2006 Ralph Benatzkys Operette „Im Weißen Rössl“. Sein Berlindebüt hatte er neben Gunther Philipp in dem Stück „Da wird Daddy staunen“ auf der Bühne der Komödie am Kurfürstendamm. Dort stand er u.a. in dem musikalischen Lustspiel „Meine Schwester und ich“ mit Herbert Herrmann und Nora von Collande auf der Bühne und spielte über 300 Mal den Mustergatten in der gleichnamigen Komödie. Der Erfolgskomödie „Boeing, Boeing“ verlieh er 2008 als Regisseur und Bühnenbildner Flügel. Und auch bei „Die Perle Anna“ mit Anita Kupsch in der Titelrolle war er in beiden Funktionen tätig. An der Seite von Winfried Glatzeder war er in Berlin und auf Tournee zuletzt als „Die Nervensäge“ zu sehen. Seine Stückbearbeitung von Virginia Woolfs „Orlando“ inszenierte Marcus Ganser 2015 in Wien mit großem Erfolg selbst.

Als Darsteller stand er zuletzt in „Das (perfekte) Desaster Dinner“ in der Komödie Düsseldorf auf der Bühne, das im Januar 2016 auf Tournee zu sehen war. Jüngst inszenierte er Woody Allens „Eine Mittsommernachts-Sex-Komödie“ für den niederösterreichischen Theatersommer. In der Komödie am Kurfürstendamm inszenierte Marcus Ganser zuletzt „In alter Frische“. Zuvor spielte er an der Komödie Winterhuder Fährhaus in der deutschsprachigen Erstaufführung der „Studentin und Monsieur Henri“ unter der Regie von Jürgen Wölffer mit. Szabuniewicz, Erzähler Walter Plathe Kaum ein Schauspieler ist seit so langer Zeit im Fernsehen präsent wie Walter Plathe. Der gebürtige Berliner studierte von 1969 bis 1972 an der Schauspielschule Berlin. Seine TV-Karriere begann er 1981 mit „Märkische Chronik“. Fünf Mal wurde er zum TV-Liebling der DDR gewählt. Kurz vor der Wende – im Sommer 1989 – verließ er die DDR und begann noch einmal ganz von vorn. Von 1992 bis 2008 spielte er 130 Mal die Titelrolle in der ZDF-Serie „Der Landarzt“. Seit 2010 steht er in der Serie „Familie Dr. Kleist“ als Bürgermeister vor der Kamera.

Plathe ist einer der wenigen gesamtdeutschen Fernsehlieblinge. Trotz der vielen Dreharbeiten bleibt er seiner ersten Liebe – dem Theater – treu. Denn: „Die Mutter von’s Janze ist das Theater!“ Mit dem Otto-Reutter-Abend „Alles weg’n de’ Leut’“ gab er 1990 sein Debüt am Kurfürstendamm. 1995 glänzte er in der Titelrolle des großherzigen Kneipenwirts in Horst Pillaus „Der Kaiser vom Alexanderplatz“. Vom selben Autor ließ er sich auch den „Kohlenpaul“ und „Zille“ schreiben. Für das Solostück „Heute kein Hamlet“ erhielt er 2001 erstmals den Goldenen Vorhang, den Publikumspreis des Berliner Theaterclubs. Er überzeugte als Hundefänger Schwejk und war in „Ein eingebildet Kranker“ zu sehen, spielte Professor Unrat in „Der blaue Engel“ und glänzte als Droschkenkutscher Gustav Hackendahl in „Der eiserne Gustav“. Bereits sechs Mal wurde er mit dem Goldenen Vorhang geehrt. Außerdem stand er im Sommer 2008 unter der Regie von Dieter Wedel bei den Nibelungen-Festspielen in Worms auf der Bühne. Auch 2011 war er dort engagiert und spielte in der Uraufführung von „Die Geschichte des Joseph Süß Oppenheimer, genannt Jud Süß“. Im Sommer 2015 spielte er den „Götz von Berlichingen“ bei den Burgfestspielen in Jagsthausen. Zuletzt sahen ihn die Zuschauer in der Komödie am Kurfürstendamm 2016 als grantelnden Pensionär in „In alter Frische“. In weiteren Rollen sind Ann-Cathrin Sudhoff, Herma Koehn, Marek Gierszal, Nina Juraga und Jürgen Thormann zu sehen.

Der Regisseur Jürgen Wölffer … ist Berliner, sogar Charlottenburger und wird es wohl auch bis zum Schluss bleiben. Dennoch fühlt er sich – vielleicht auch gerade deshalb – in Europa zu Hause.

Zu seinen frühesten Erinnerungen gehört, dass der Vater täglich zum Kurfürstendamm ins Theater fuhr, der Mann war Theaterdirektor. Und zwar von den berühmten von Max Reinhardt begründeten Bühnen, wie er später erfuhr. Mühsam waren die Häuser über die Weltwirtschaftskrise und die Nazidiktatur als unabhängige Privattheater gerettet worden, bis sie 1942 doch enteignet wurden. Auch die Bomben im 2. Weltkrieg konnten sie nicht zerstören, nur verwunden, so dass sie schon kurz nach dem Krieg wieder zu den beliebtesten Kulturstätten der Stadt gehörten. Die Blockade der Stadt, den Mauerbau, die Bauumrahmung durch das Kudammkarree, die Wiedervereinigung und die damit verbundenen Spekulationsgelüste – wobei „seltsamerweise“ (später erfuhr man: gegen Geld) diese für Berlin historisch bedeutenden Bühnen von der Denkmalschutzliste gestrichen wurden – überstanden die traditionsreichen Bühnen bisher unangetastet. Seinen etwas norddeutschen Klang in der Sprache hat Jürgen Wölffer daher, dass er schon als Sechsjähriger in Timmendorfer Strand und nach dem Krieg seine Jugend in Hamburg verbracht hat, wo Vater Hans auch jeden Morgen in die hier von ihm geleiteten vier Not-Theater fuhr. 1965 wurde Jürgen Wölffer selbst Chef der Häuser am Kurfürstendamm – erst zusammen mit seinem Vater Hans Wölffer, später mit seinem Bruder Christian, danach alleine und schließlich mit seinem Sohn Martin. Dem übergab er 2004 – zum 100. Geburtstag seines Großvaters – die Direktion.

Nun ist er mit seinem Sohn Gesellschafter und Regisseur an den Häusern, freut sich über den großen künstlerischen Erfolg seines Sohnes und bewundert, wie dieser die schwerer werdenden Zeiten für Privattheater meistert. Die Theater sind immer noch Familienbetrieb, vielleicht ein Anachronismus, der nur durch die vielen tüchtigen, treuen Mitarbeiter möglich ist. So wie die sich immer für die berühmten Theater eingesetzt haben, so zitterten sie stets um deren Erhalt. 1988 gründete Jürgen Wölffer die Komödie Winterhuder Fährhaus in Hamburg sowie 1996 die Komödie Dresden (die er Ende 2010 aufgeben musste) und die sehr erfolgreiche Tourneeabteilung der Theater am Kurfürstendamm. Er hat die Bühnen seit den 70er-Jahren – nicht zuletzt durch die vielen Stars, die für ständig ausverkaufte Häuser sorgten – weit über Berlin bekannt gemacht. Fast jede Produktion wurde im Fernsehen zur besten Sendezeit ausgestrahlt. Zu Jürgen Wölffers Regieerfolgen zählen „Nächstes Jahr, gleiche Zeit“ mit Johanna von Koczian und Wolfgang Spier, „Das Haus am See“ mit Rudolf Platte, „Fantastische Nacht“ mit Günter Pfitzmann, „Champagner Komödie“ mit Carl-Heinz Schroth, „Durchreise“ mit Georg Thomalla, „Sonny Boys“ mit Harald Juhnke und Wolfgang Spier, „Damals in Brooklyn“, „Der Hauptmann von Köpenick“ sowie der Dauerbrenner „Pension Schöller“. Zuletzt war „Das Abschiedsdinner“ an der Komödie am Kurfürstendamm zu sehen und im Dezember 2017 folgt „Weihnachten auf dem Balkon“. Dabei hat der „Komödienmann“ seine Anfänge in Staatstheatern als Schauspieler für ernste und klassische Rollen verbracht. Manche werfen ihm heute noch vor, er nehme die Lustspiele zu ernst: Er allerdings meint, und da ist er sich mit seinem Sohn einig: Man kann das Leichte nicht ernst genug nehmen!

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