IRLAND – Tagestouren von Carrick-on-Shannon aus mit Bastian Lee Jones

Anreise von Dublin nach Carrick-on-Shannon

Kommt man auf dem Flughafen in Baile Atha Cliath an – das ist die gälische Bezeichnung der Hauptstadt Irlands: Dublin, merkt man wie weich die Luft ist – nicht staubig und hart, wie etwa in Berlin oder Köln. Wenn man überzeugt ist, dass das Klima und die geographischen Begebenheiten eines Landstriches, die Mentalität der einheimischen Bevölkerung massiv beeinflusst – so sah ich beispielsweise Bestätigung in einer der vielen Erlebnisse, die ich in Irland über die Jahrzehnte hatte darin, als ich eines Tages mit meinem riesigen Reiseklavier ankam, und ein älterer Herr in der Uniform der irischen Buskompanie BUS EIREANN mir dieses schwere Teil mit einem Lächeln abnehmen wollte, um es in die Gepäckluke des M23 zu packen. Der Herr war vielleicht um die 60 Jahre alt, ich um die 27 Jahre.

Der M 23 fährt auf der BUS Area 11, mit Ziel: Sligeach, oder auf englisch Sligo, ab, der Stadt an der Westküste am wilden Atlantik. Über die perfekt ausgebauten  Autobahnen und auf der N4 geht es dann über Mullingar und Longford, nach Carrick-on- Shannon – der “gesegneten” Hauptstadt, wie mir viele Iren immer selbst mit einem sich aufhellenden Gesicht sagten, als sie mich nach meinem Ziel fragten. Carrick-on-Shannon, das herausgeputzte Städtchen mit der kleinsten Kapelle Irlands, der Hauptstadt des Counties Leitrim. Mit unzähligen Headquarters, grosser amerikanischer Unternehmen am längsten Fluss der britischen und irischen Inseln, dem Shannon River mit prächtiger Fluss-Promenade und grossen Bootsanlegern. Selbst die Quelle des Flusses ist liebevoll ausgeschildert und mit befestigten Wegen, Spielplätzen und Parkplätzen als Ausflugsziel ausgebaut, dem Shannon Pot.

Carrick-on-Shannon und Umgebung ist ein sehr günstiger Angelpunkt. Einerseits an der N4 gelegen, andererseits an die berühmten irischen Lakelands und an das Nachbar County Roscommon grenzend. Die Lakelands mit seinen unzähligen Seen, Kanälen mit Schleusen, die von Hand betätigt werden, und den bergigen Anhöhen, die sich bis nach Sligo und Umgebung in weiten Canyons ziehen ist ein herrliches Refugium, in dem sich viele EU Bürger niedergelassen haben. Die Hügel, die die  Überreste des ältesten Gebirges der Welt, der Appalachen in Amerika sind, da sich die irische Landmasse von der amerikanischen Landmasse trennte, werden nicht umsonst, als die Schweiz Irlands bezeichnet, gerade wenn es in Richtung Sligo geht. Carrick-on-Shannon, eine Stadt mit 2500 Einwohnern, unzähligen Supermärkten irisch, englisch und deutscher Provenienz, aber auch kleineren litauischen und polnischen Supermärkten hat mit seinen Hotels ein quirliges Nachtleben. Drei Hotels und Freizeitanlagen, die sich sehen lassen können. Wer auf ruhige Bootstouren steht, kann sich bei der Emerald Star, ohne einen Führerschein besitzen zu müssen ein Boot mit Kabinen leihen und Irland zu Wasser geniessen. Für Angler ist die Gegend selbstverständlich ein Paradies. Das gilt sowohl für die Seen als auch den wilden Atlantik.

So kann man sich in einem der Hotels einquartieren, ein Bed & Breakfast nehmen, oder sich ein Cottage mit Eigenversorgung mieten.

Tagestour nach Sligo mit Abstechern & Bundoran – Hochseeangeln

Man sollte für diese Tagestour sehr früh losfahren.

Würde man an der N4 eine Stadt weiter fahren, würde man an dem urigen Forest Park am Lough Key vorbei fahren. Mit riesigen Bäumen, Seen und Labyrinthen aus Rhododendron-Hainen, verzauberten Brücken, wie aus dem Märchen, und einer Schlossruine auf einer der Inseln des Lough Keys. Ein Ausflug zum Wandern, Bootsfahren oder zum Sport machen lohnt sich alle mal. Die nächste grössere Stadt ist die sehr morbide wirkende Stadt Mainistir na Buille, auf englisch Boyle, mit einer alten Ruine, der Abbey, einem schönen Museum im King House, dem historischen und kulturellen Zentrum, und einer Atmosphäre, die etwas künstlerisches an sich hat. Ich glaube Boyles Atmosphäre als “morbide charmant” zu bezeichnen, trifft es ganz gut. Der alte Musikladen, in dem ich im letzten Jahrhundert noch irische Instrumente kaufte, und deren Betreiberin schon längst die Welt verlassen hat, ist mit den vergilbten Schildern und den miefigen Vorhängen neben dem Eingang zum Kings House noch zu sehen. Die Zeit scheint hier stehengeblieben zu sein. In einem Tal am Fluss desselben namens gelegen, kann man hier auch etwas südlicher abbiegen um nach Tubbercurry und Ballina oder nach Westport zu kommen. Westport, die Stadt nahe des höchsten Berges Irlands, dem Mount St. Patrick – der regelmässiges Pilger Ziel für viele Gläubige Menschen ist, und der heilige Berg Irlands ist.

Wer auf steinzeitliche Landschaften steht und auf Hügeln eine der ältesten Grabanlagen besuchen will, sollte die N4 Richtung Sligo bis zum Lough Arrow weiterfahren und nach links abbiegen. Die Passage Tombs von Carrowkeel ist Irland pur. Der Aufstieg, durch dieses steinzeitlich anmutende Tal, an Schafen vorbei, unter dem greifbar nahen Himmel lohnt sehr. Neben den Grabanlagen, in die man klettern kann hat man einen wunderschönen Blick bis hin nach Sligo. Und man entdeckt auf einigen Hügelspitzen Grabanlagen, die wie eine Perlenschnur sich aneinanderreihen. Vor dem ersten Grab wird man auch eine Steinplatte mit einer vermutlich von Menschen eingeritzten Abflussrinne entdecken. Ob da das Blut von eventuell durchgeführten Tieropfern abfliessen sollte? Wie üblich ist alles liebevoll mit braunen Schildern  für Reisende und Touristen ausgeschildert und erklärt.

Das Wetter scheint für viele ein Makel zu sein, herrscht doch das Vorurteil vor, dass es sehr oft regnen würde. Es herrscht insulares Wetter, d.h. Wetterlagen können sich sehr schnell auch ändern – und es ist nicht ungewöhnlich, dass bei sanftem Nieselregen auch die Sonne scheint. Strenge Winter gab es die letzten dreissig Jahre aber durchaus, wo ganze Seen der Grösse der Innen-Alster in Hamburg oder des Wannsees in Berlin gefrieren, und Bauern mit ihren Traktoren über die Seen fahren konnten. Die Winter sind normalerweise aber recht mild, und es kommt wirklich vor, dass die Rosen im Winter blühen.

Auch wenn viele hartgesottene Iren auch in der dunklen Jahreszeit gelegentlich in kurzen Hosen und T Shirt draussen zu sehen sind – die Winde aus dem Norden können eisig sein. Verregneter erscheint mir subjektiv der Juli. Mai und Juni, dann wieder der August scheinen zumindest in der Provinz Connacht (bestehend aus den Counties Leitrim, Sligo,Mayo, Roscommon und Galway) freundlicher zu sein. In Dublin und im Süden der Insel sieht es ganz anders aus.

Der Klimawandel macht aber auch nicht vor Irland halt – wobei die Küsten und die Umwelt nach wie vor sehr sauber sind – und Irlands Lebensmittel einen hervorragenden Ruf besitzen – zu Recht. Darf Irland beispielsweise als einziges Land, Fleisch in die USA exportieren, wundert es einen nicht, da Antibiotika strengstens verboten sind, Irland niemals die Maul und Klauenseuche oder BSE Fälle vorzuweisen hatte, und Schafe, Kühe, Schweine auf saftigen besonders grünen Wiesen artgerecht leben dürfen.

Sligo ist die Hauptstadt des Counties Sligo. Am Meer gelegen und zu Füssen der angrenzenden Berge. Strand Hill und Rosses Point sind die Strände, wo gesurft, gebadet und gegessen wird. In Strandhill kann man sogar das berühmte irische Carrageen bekommen – Seealgen getrocknet, liebevoll in Papiertüten als Spaghetti oder Kombu oder eben Carrageen abgefüllt. Sligo heisst übersetzt: “Platz er Muscheln” – und tatsächlich kann man, wenn man Gummistiefel und Eimer mitnimmt bei Ebbe in den fast Fjord-artigen Meeresbuchten Miesmuscheln ernten. Das alles ist aber auch Saison gebunden. Die Stadt Sligo bietet alles, was das Herz begehrt. Die berühmte irische Boyband “Westlife” kommt von hier.

Fährt man die N14 gen Donegal nach Norden – machen wir ab Rathcormack, spätestens aber hinter Drumcliff, einen Abbiegen nach rechts, einen Abstecher an den Lough Glencar, der von felsigen abgeflachten Bergen (im Süden den Copes Mountains und im Norden den Ausläufern des irischen Tafelberges, dem Ben Bulben) umringt ist, von Wäldern umsäumt, und einen Wasserfall zu bieten hat.

Weiter auf dem Weg nach Bundoran – biegen wir die R279 – in Richtung Mullaghmore ab, einer Halbinsel, mit einem gruselig anmutenden Schloss, an dessen herrschaftlicher Einfahrt der Hain von Zypressen hervorsticht. Fährt man in Mullaghmore ein, kann man ein ein verschlafenes Fischerdörfchen geniessen, mit einem malerischen Hafen. Mit einer Meeresfrüchte Farm, Restaurants und Hotels und einem Segelclub – lässt sich hier beispielsweise gut essen, bevor man die Halbinsel umrundet, um an den schroffen Felsenküsten kurz mal auszusteigen, zwischen Mullaghmore Head und Mirador del Castillo, vielleicht in die kleinen Buchten heruntersteigt.

Zurück auf der N15 Richtung Norden, erreichen wir endlich Bundoran. Mit einem Freizeitpark und einem Strand und einer kleinen Felsenbucht mit Sprungbrett, neben dem Erlebnisbad zum baden einlädt, dem Bundoran Golf Club, biegen wir am “The Boathouse Lodge” an der R267 gelegen am Postamt zu einem Anleger ab, wo die Bundoran Star liegt. Einem Boot, wo welches man zum Angeln mieten kann. Das geht natürlich auch in Gruppen – wie so ein Hochsee-Angel-Turn aussehen kann, können sie im LebenslustTV/ZeitblattTV Podcast auf Youtube sehen: “LebenslustTV 56  Travel with Bastian Lee Jones —Irland, Donegal, Fishing”: Link: https://youtu.be/hhGVF1sviYc . Wer sich über die Bundoran Star informieren möchte: http://www.bundoranstar.ie

Wie man sieht, war es ein sonniger wunderbarer Tag. Die Tour von 4 Stunden kostete pro Person um die 15 Euro. Mit selbst mit- gebrachter Angelausrüstung, folgt der Skipper seiner Erfahrung, und dem Echolot, wo die Schwärme von Makrelen und Pollack sind. Ein Feeling von der “Alte Mann und das Meer” überkam mich. Mit Geduld, denn der Zeitpunkt, wo die Fische beissen, muss natürlich an der richtigen Stelle abgepasst werden, kommt man zum Ziel. Glücklicherweise war die See sehr ruhig, obwohl es durchaus auch schaukelte, was beispielsweise Hans-Peter, einem leidenschaftlichen Hobby Angler aus der Schweiz, dazu veranlasste, sich dreimal zu übergeben. Selbst die, zur Beruhigung der Speiseröhre, gegossenen basischen Bananen, vielen zerkaut und halbverdaut in die See. Vielleicht war das der Lock- und Weckruf für die Fische? Denn nach nach dem dritten Versuch bei uns klappte es und viele zogen bis zu vier Fische auf einmal aus dem Wasser. So entbrannte unter den 8 Anglern ein Sportsrausch. Dem Angebot, doch selbst zu angeln, widerstand ich und verwies darauf, mich um das Drehen des Podcasts zu konzentrieren. Das Töten von Tieren – überlasse ich gerne anderen. Und das sollte man auch wirklich können – dem Tier dann auf den Schädel gezielt und punktsicher den Todesschlag versetzen, um es nicht leiden zu lassen. Das, was wir von Land aus schon genossen haben, die Berge, und die Halbinsel von Mullaghmore – wirkt zu Wasser noch einmal ganz anders. Einfach herrlich – vor allem wenn das Licht beim Sonnenuntergang so herrlich rot auf die Berge scheint, fühlt man sich wie in dem Song von Bastian Lee Jones, namens “Übers Meer” , zu hören in dem LebenslustTV 56 Podcast (erhältlich auf sämtlichen Downloadstores wie iTunes, Amazon).

Falls es schon dunkel sein sollte, fährt man der Einfachheitshalber die N15 nach Sligo zurück und die N4 Richtung Dublin nach Carrick-on-Shannon. Oder man nimmt den Weg über Lough Glencar und fährt auf die N16 Richtung Enniskillen über Manorhamilton und Drumshanbo am Lough Allen nach Carrick-on-Shannon zurück. Dieser Weg ist natürlich der viel schönere. Und lädt auch zum hier und da Anhalten ein.

 

BREXIT UND BACKSTOP – es geht um Krieg und Frieden

Es kam regelmässig vor, dass ein protestantischer Taxifahrer und am nächsten Tag ein katholischer Taxifahrer erschossen aufgefunden wurde. Nein, nicht in Belfast. Sogar in Dublin. Doch seit dem Karfreitags Abkommen 1998 ist alles befriedet.

Die Republik Irland schaut natürlich mit hohem Interesse auf die Westminster Elite in London. Die Frage lautet: Was wollt ihr Engländer? Und wer ist denn unser Ansprechpartner? Wer böses denkt, könnte ja vermuten, dass die britische Regierung damit spekulierte, einzelne Mitglieder der europäischen Union, gegeneinander ausspielen zu können. Doch weit gefehlt. Selbst von der Republik Irland hätte man vermuten können, dass man sich mit einer Sonderrolle als etwaiger Vermittler, hervortun wollte. Doch die Republik Irland reihte sich in die 26 ein – natürlich unter Einbringung der spezifischen Interessen zur Friedenswahrung.

Und es ist in Irland eine Sache von Terror und Frieden oder Krieg und Frieden und daher auch nach vertrag, eine europäische Frage höchster Priorität.

Erinnern wir uns: es ist kein britanisches Problem – England und Wales votierten im Referendum knapp für den Brexit – nicht aber Schottland und die 6 nordirischen Ulster Counties – also Nord Irland. Letztendlich ist es die Westminster Elite – die wahrscheinlich die Irland Frage wenig interessiert – und die selbst vielleicht auch noch nie in Nordirland waren? Traurig – aber in diesen Kreisen denkt man vielleicht noch wehleidig an die Zeiten des Empires zurück – denn im 18./19. Jahrhundert war man noch in der Lage, Preussen, Österreich, Frankreich und Russland gegeneinander auszuspielen.

Das Karfreitag Abkommen beendete am 10. April, 1998 die Phase der Gewalt, die seit den 1960ern aufgrund des Nordirlandkonfliktes herrschte. In Irland und Nordirland wurde dem per Referendum zugestimmt. Irland verzichtet auf die Wiedervereinigung Irlands. Sollte sich die Mehrheit der Nordiren aber dafür aussprechen, könnte man verhandeln. Die Behörden arbeiten seitdem zusammen.

Die paramilitärischen Gruppen der Irish Republican Army (IRA), die Ulster Defence Association (UDA) und die Ulster Volunteer

Force (UVF) wurden entwaffnet. Grossbritannien verringert seine Truppenpräsenz und Nordiren dürfen einen irischen Pass zusätzlich beantragen.

Es ist zwar schon fast eine Generation her – aber man befürchtet, weil man mit dem worst-case Szenario rechnen muss, dass es eventuell zu einer Wiederbewaffnung dieser Gruppen kommen könnte. Und am 20.1.19 sind in Nordirland gleich Bomben in Londonderry durch die “NEW IRA” gefallen und Schiessereien gewesen! Das lässt böses erahnen.

Nun, die Gegend nördlich von Carrick-on-Shannon, d.h. von Drumshanbo, Ballinamore, Swanlinbar auf der Irischen Seite (im Lakeland) bis nach Florence Court, Enniskillen – da gibt es in Schächten und Verstecken noch versteckte Waffenlager – und in einigen der eben genannten Orte, sind oft die Mehrheit der Bevölkerung Sympathisanten, beispielsweise der IRA.

Fährt man die Strasse N87 welche hinter Swanlinbar auf der nordirischen Seite in die A32 mündet nach Enniskillen – so sieht man heute gar nichts. Nur an den Schildern, die die Counties markieren und an den unterschiedlichen Strassenmarkierungen und Beschilderungen als auch Telefonzellen merkt man, dass man das Land gewechselt hat.

Damals waren (siehe Photos) Grenztürme mit Nato-Draht und eine wirklich harte Grenze mit Kontrollen, wo man in eine Schleuse mit Überwachungskameras fahren musste, wo vor einem und hinter einem je drei schwer bewaffnete britische Soldaten mit geladenen Schnellschusswaffen, Helmen und kugelsicheren Westen um einen standen. Als sie unser berliner Nummernschild sahen, kam es häufig vor, dass einige sehnsüchtig sich an ihre berliner Stationierungszeit erinnerten. Dort, im sicheren Berlin – und nicht im Kriegsgebiet mit asymmetrischer Kriegsführung. Wo hinter jedem Busch und in jedem Auto ein Scharfschütze aus dem Hinterhalt feuern könnte oder eine Autobombe detonieren könnte. So durfte man damals in Enniskillen, wo am 8.11.1987 am Rememberance Day zur Ehrung gefallener Soldaten bei der Zeremonie zehn Zivilisten und ein Polizist getötet wurden, kein leeres Auto stehen lassen. Ein weiteres Opfer starb nach 13 Jahren im Koma. Im Auto musste wie bereits erwähnt, immer jemand sitzen. Vor englischen Banken und Behörden patrouillierten immer schwerbewaffnete Soldaten und Polizisten. In Omagh, einer Stadt weiter gen Belfast, wurden 1973 britische Soldaten durch eine Bombe getötet. Die Attentate fanden in England (London, Manchester etc.), in den Niederlanden in Roermond und in Deutschland (Duisburg, Bielefeld, Osnabrück, Mönchengladbach, Hannover etc.) auf englische Soldaten und Einrichtungen statt.

So hoffen alle vernünftigen Kräfte und wir, dass es nie mehr zu einer harten Grenze kommt – aber ich nicht zu kriegsähnlichen Zuständen. Was eine harte Grenze ist, und was die Teilung eines Landes bedeutet, dass wissen wir in Deutschland und vor allem in Berlin mit all den Grenzschutz Anlagen und der Mauer mit Selbstschussanlagen, Panzersperren, Minenfeldern, Wachkolonnen mit Hunden und Kirchen, die im Niemandsland standen, nur zu gut!

MIT DER BAHN NACH DUBLIN UND POWERSCOURT – EINEM DER TOP TEN ESTATES WELTWEIT & Top 3 der schönsten Gärten der Welt.

Mit dem Namen Powerscourt verbinde ich meine erste Ankunft nach Dublin. Das war 1989. Wir fuhren mit dem Auto nach Calais und mit der Fähre nach Dover. Umfuhren London und Birmingham und bogen gen Wales ab. In Shrewsbury übernachteten wir in einem gemütlichen Bed&Breakfast mit einem englischen Frühstück bei Familie Greenwood. Dann ging es über Landstrassen durch die Berge Nord-Wales´ – von Snowdonia nach Holyhead. Teils übte in den engen Tälern die Royal Airforce mit ihren Tornados den Tiefflug. Und hartgesottene Ausflügler kampierten am Fusse der Berge. Über Anglesey und Holyhead ging es nach Dublin. Dass die riesige Autofähre überhaupt ablegen durfte war erstaunlich, denn es war Sturm! Obwohl das Schiff stabilisiert war, war der Seegang sehr rauh. Gerade im Stehen merkte man es. Viele Passagiere sassen an Seekrankheit leidend wie ein Häufchen Elend da. Die Toiletten waren verstopft von Erbrochenem. Und überall dieser Geruch nach Desinfektionsmitteln. Widerlich. Die Gischt kam bis an die oberen Fensterreihen empor. Ich musste mich sehr konzentrieren, mich nicht auch zu  übergeben. Schlecht war mir, und ich bereute es, die vielen Sandwiches gegessen zu haben. Die Ansage des Schiffspersonals sprach immer von “Dan Lierie”. Wir wussten nicht, was das bedeuten sollte, hiess doch der Hafen von Dublin – Dun Laoghaire! Wie würde das ein Deutscher mit den deutschen Ausspracheregeln, der nicht des Gälischen mächtig ist wohl aussprechen? … eben!

Das Dun Laoghaire entpuppte sich dann als “Dan Lierie”.

Zurück zur Seekrankheit. Ich blätterte also in einem der herumliegenden Reisemagazine der Fährkompanie, mit der wir die sogenannte “Landbridge” – Calais-Dover, Holyhead-Dun Laoghaire für ein Auto und zwei Personen buchten. Ohne Kabine! Die gibt es auf der Strecke von Cherbourg nach Rosslare. Im Magazin wurde  Dublin mit dem Ghaol (dem Gefängnis, wo Oskar Wilde wegen Homosexualität einsass), der Guiness Brauerei, dem Trinity College und der Bibliothek mit dem “Book of Kells” abgehandelt, aber auch Temple Bar und eben ein wunderschönes Einkaufszentrum, einen Block von der Grafton Street entfernt. Aus rotem Backstein gebaut. Mit einem Atrium und Innenhof, mit Glas überdacht, drei Stockwerke hoch.

Die vier Wände säumte eine Galerie und Balkone, wo Restaurants ihre Tische platzieren. An jeder Backsteinwand sind schöne weisse Sprossenfenster. Unten im Atrium gab und gibt es eine Bar wo man eben auch Lunch und Dinner haben kann und auf einer Erhöhung stand ein brauner verzierter Konzertflügel!  Mein Gedanke, der mir auf dem schwankenden und rollenden Fährschiff sofort in den Sinn kam, dass ich einmal im Leben auf diesem Instrument spielen würde – erfüllte sich 20 Jahre später bei einem Musikvideodreh, wo ich die Managerin des “Powerscourts” anschrieb, um nach einer Drehgenehmigung zu fragen. Man spricht sich im englischen Raum beim Briefverkehr lediglich mit Vornamen an. Die Managerin war sehr begeistert, und meinte, wir können dort drehen und spielen wann wir wollten. in der E-Mail von ihr suchte ich sogleich nach der Rechnung – denn in Deutschland würde so eine Genehmigung wieder einmal mit viel Geld verbunden sein. Aber nichts. Die einzige Formalie war die, ob denn das Dreh-Team versichert sein würde. Sehr erstaunlich. Nach wie vor.

Powerscourt verband ich zum damaligen Zeitpunkt nur mit diesem Einkaufszentrum, in dem es feine Boutiquen, Galerien und nicht den üblichen Industrie Plastik Made in China Krempel gibt. Dies ist auch heute noch so. Doch weit gefehlt mit meiner Vermutung.

Powers Court ist eines der schönsten Estates, auf Nummer drei der schönsten Gartenanlagen der Welt im National Geographics gewählt – südlich von Dublin in den Wicklow Mountains gelegen.

Aber der Reihe nach. Da wir uns in Carrick-on-Shannon einquartiert haben und diese Stadt auch einen Bahnhof hat, haben wir beschlossen, nach Powerscourt mit der Bahn zu fahren. Neben dem BUS EIREANN bietet sich die Iarnrod Eireann (http://www.irishrail.ie) an. Verschlafene Bahnhöfe, mit gelben Markierungen an den Bahnsteigkanten mit der gälischen “mind the gap” Version säumen die Schienen der Schmalspurbahnen. Falls man den frühesten Zug nehmen sollte, muss man sich keine Sorgen machen, wenn am Ticketschalter noch keiner sein sollte, der Ticketautomat nicht gehen sollte und auch keinen im Zug findet. Meistens kommt ein Bahnmitarbeiter herum und verkauft Kaffee und Süssigkeiten oder Sandwiches. Es fällt auf, dass neben den Studierenden und Angestellten, die in die Hauptstadt pendeln, viele Senioren von der Bahn Gebrauch machen. Das Ticketproblem löst sich dann nach nicht mal 2 Stunden an der Connolly Station, dem Kopfbahnhof in Dublin. Durch Schleusen kommt man heraus, und ganz rechts steht immer jemand, dem man einfach sagt, wo man zustieg – und dementsprechend wird dann das Ticket bezahlt und ausgehändigt. Wir fahren gleich mit dem grünen “Dart” weiter, der auf einer anderen Nebenplattform hält. Wie praktisch.  Und so geht es im “Dart”, einer Art S-Bahn durch Dublin in Richtung Süden, am Meer entlang mit einer schönen Sicht auf die Dublin Bay und dem die Hafeneinfahrt säumenden Schornsteine des bereits still gelegten Kraftwerkes. Vorbei an Dun Laoghaire und Dalkey, einem verschlafenen Vorörtchen, wo es eine Badestelle gibt, an der nur nackt im Meer gebadet werden darf. Bis dato nur Herren, aber aufgrund des Gender-Mainstreaming ist auch bei solch traditionellen Dingen ein Umdenken im Gange. Natürlich lässt sich auch mit der Buslinie 44 von Rathmines nach Enniskerry fahren – welches nah an Powerscourt Estate Gardens liegt, doch die Fahrt am Meer im Zug ist herrlich. In Bray steigt man im “Dart” aus und kann dann ein Taxi nehmen, was das bequemste ist. Aber auch von dort fährt ein Bus ans Ziel.

Die letzte Etappe führt durch das ruhige Enniskerry, Täler und über kurvige Strassen, bis man am Estate herausgelassen wird. Falls man Golf spielen möchte, fährt man wenige Meter weiter.

Am Ticketeingang erwarten einen sehr freundliche, internationale Mitarbeiter. Die Eintrittspreise sind moderat (man siehe auf: http://www.powerscourt.com)!

Neben dem Gebäude an sich erwarten einen 19 Hektar Gartenanlagen mit imposanten Blick auf den “Sugarloaf Mountain”, der wie ein Vulkan in Asien wirkt. Engelstatuen und Götterstatuen weisen in das Tal mit einer wunderschönen Freitreppe zum Tritonsee. Ein Blick hinunter auf diese Teichanlage mit Fontäne, gesäumt von Wäldern, und den typisch saftig grünen Wiesen und den Bergen lassen einen gerne staunend verweilen. Die Gärten bieten alten herrschaftlichen Baumbestand, mittelalterliche Wehrtürme, einen Japanischen und Italienischen Garten, Labyrinthe, Bäche und wunderschöne Blumen- und Obstgärten, Gewächshäuser und Wanderwege. Nicht zu vergessen – der grösste Haustierfriedhof Irlands.

Die Geschichte von Powerscourt reicht bis zur Zeit der Normannen zurück. König Jakob I. gab das Land 1609 an Sir Richard Wingfield, den er zum Viscount erhob. Das Haus an sich wurde 1730 von dem Deutschen Richard Cassels erbaut. 1974 brannte es aus. Heute befinden sich Ladengeschäfte, Restaurants und Gartencenter in dem Gebäude. Zu erwähnen ist natürlich auch der höchste Wasserfall Irlands mit 130 m, der Powerscourt Wasserfall, etwa eine Stunde Fussmarsch von den Gärten entfernt.

Man bringe auf jeden Fall seine beste Photoausrüstung mit. Glücklicherweise, das ist aber ein eher subjektiver Eindruck, regnet es eher weniger in der Gegend um Dublin, als an der Nordwestküste in Carrick-on-Shannon oder Sligo. Dementsprechend schien bei allen bisherigen besuchen stets die Sonne. Gerade auch Langzeit Videoaufnahmen mit den ziehenden tieffliegenden Wolken und Wölkchen lohnen sich bei der Kulisse sehr. Auch dazu gibt es einen LebenslustTV/ZeitblattTV Videopodcast auf Youtube.

 

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