Immenhof Sondermagazin mit Beate Fehrecke

Am 27.09. 2019 ist es endlich soweit. Das 2019 entstandene Immenhof Sondermagazin ist endlich im Immenhof Museum in Malente erhältlich. Das Immenhof Museum erreichte absoluten Kultstatus bei den Fans der Immenhof Filme der 50er und 70er Jahre. Neben zahlreichen Filmfotos, Aushangfotos, der Original Kutsche, gibt es hier auch einige Raritäten des Plakat Künstlers Karl-Heinz Fehrecke zu bestaunen.

Der bekannte Plakat Künstler Karl-Heinz Fehrecke fertigte die Kinoplakate zu den Immenhof Filmen der 50er Jahre. Das ZeitBlatt Magazin traf Beate Fehrecke, die Tochter des Künstlers zum Interview.

Beate Fehrecke im Zeit Blatt Interview über Ihren Vater Karl-Heinz Fehrecke

Ariane Rykov-von Niepello / ZeitBlatt Magazin:

Herr Karl-Heinz Fehrecke wurde 1913 in Kassel geboren, nahm nach einer Lehre als Lithograf in
Göttingen ein Studium an der staatlichen Kunstgewerbeschule in Kassel auf. Wie begann seine Kariere?

Beate Fehrecke:
Schon sehr früh – mit 23 Jahren – machte sich mein Vater 1936 selbständig. Damals erhielt er bereits
den Staatspreis für Grafik, in die Zeit fällt die Gestaltung des Plakates zur „200 Jahr Feier der
Georg-August- Universität in Göttingen“. Unterbrochen wurde die berufliche Entwicklung durch
den 2.Weltkrieg. Gleich nach dem Krieg gründete er sein „Atelier Fehrecke“ mit dem Signet „KHF“
neu, diesmal schon mit einigen angestellten Grafikdesignern und einem Fotografen. Sein
Kundenstamm wuchs nicht nur regional, sondern auch international. 1947 hatte er die künstlerische
Leitung auf der ersten Hannover Messe .

Ariane Rykov – von Niepello / ZeitBlatt Magazin:
Was beeinflusste Ihn was inspirierte Ihn zu der Berufswahl?

Beate Fehrecke:
Sein Vater, Wilhelm Fehrecke, hatte zunächst eine Druckerei in Kassel. Dort wurde 1913 mein
Vater geboren. 1914 zog mein Großvater mit der Familie nach Göttingen, da er ins Zeitungswesen
wechselte und Redakteur beim „Göttinger Tageblatt“ wurde.
Von klein auf wuchs mein Vater mit Lettern und grafischen Bildgestaltungen auf. Dies prägte
seine Berufswahl schon frühzeitig. Besonders hatten ihn immer Schriften fasziniert. Auf seinen
Plakaten kann man diesbezüglich diverse unterschiedliche Typographien sehen. Unter anderem
entwarf er sogar eine eigene Schrift.
Sein künstlerisches Interesse und seine Begabung waren früh erkennbar.

 

Ariane Rykov -von Niepello / ZeitBlatt Magazin:
Noch heute gelten Karl-Heinz Fehreckes Motive, die zahlreiche Cover von DVD-Editionen alter Filme
zieren, als Klassiker.

Beate Fehrecke:
Die Immenhofplakate spiegeln Lebensfreude, Freundschaft und Harmonie wider. In ihnen hat mein
Vater die Filmbotschaft sehr gut eingefangen und wiedergegeben. Das geht nur, wenn man ein
entsprechendes Feeling hat.. Mehrfach ist er später mit uns zum Gut Rothensande gefahrenn. Er
wollte uns Kindern die Drehorte zeigen und erzählte uns von der besonders netten Stimmung, die
während der Dreharbeiten herrschte. Er konnte sehr gut mit Kindern und Jugendlichen umgehen
und war beliebt, mit Heidi Brühl machte er gern und oft Scherze.
Als Familienmensch, stolzer Vater dreier Töchter und Naturliebhaber haben ihn sicherlich der
Filmstoff, die tollen Schauspieler und das schöne Schleswig – Holstein inspiriert.

Ariane Rykov-von Niepello / ZeitBlatt Magazin:
Karl-Heinz Fehrecke gehörte zu den bestimmenden Persönlichkeiten im Bereich des deutschen
Filmplakates der 1950er und 1960er Jahre. Wie kam er dazu die Immendorf-Serie zu gestalten?

Beate Fehrecke:
Seit Ende der 40er Jahre gestaltete mein Vater Filmplakate für die „ARCA“ Filmproduktion, die
zunächst als Verleihfirma agierte. Es waren anfangs vornehmlich Plakate für französische Filme.
Damals war Göttingen eine Filmstadt. Neben der „ARCA“ gab es noch die „Filmaufbau“. Diese
beiden Filmfirmen produzierten ihre Filme in den Hallen eines ehemaligen Flugplatzes. Auch nachdem die ARCA nach Berlin umgezogen war, bestand die Zusammenarbeit weiter bis 1965.
Dann konzentrierte sich die Arbeit des „Atelier Fehrecke“ auf Werbung und Gebrauchsgrafik.

Ariane Rykov – von Niepello / ZeitBlatt Magazin:
Welche und wie viel Plakate malte er für die Immenhof-Serie ?

Beate Fehrecke:
Er gestaltete insgesamt fünf, bzw. sechs Plakate, jeweils zwei für die „Mädels vom Immenhof“,
„Hochzeit auf Immenhof“ und „Ferien auf Immenhof“. Von den letzteren beiden besitze ich aber
nur eins, das andere lediglich als schwarz/weiß Entwurf.
Zu seinen Plakaten gehört auch das bekannteste: Heidi Brühl auf dem steigenden Pferd, die
anderen Protagonisten sitzen links daneben, im Hintergrund ist der gemalte Gutshof zu sehen.

Ariane Rykov – von Niepello / ZeitBlatt Magazin:
Wie weit können Sie, Frau Beate Fehrecke, als Tochter sich noch an die Arbeitsweisen und Poster
erinnern?

Beate Fehrecke:
Das Atelier und der private Wohnbereich lagen unter einem Dach, zunächst in einer Etage und dann
ab 1960 in einem von meinem Vater entworfenen Haus. Daher war ich täglich von dem kreativen
Umfeld umgeben.
Die Filmplakate waren zu Hause immer gegenwärtig und begleiten mich bis heute. Im Atelier gab
es ein separates Treppenhaus, an dessen Ende die Wände von etlichen Plakaten behängt waren.
Stolz wurden diese von uns Töchtern allen Freunden vorgeführt, auf meiner Abifete z.B. wurden die
Wände mit Plakaten dekoriert. Auch Werbeplakate, die im „Atelier Fehrecke“ entworfen waren,
fehlten hier nicht.
Die meisten KHF – Plakate sind klar strukturiert und oft auf wesentliche Aussagen reduziert. Es
wurde noch handwerklich gearbeitet: Fotographie und Gemaltes ergänzen sich in ihrer Wirkung.
Klare Farben fordern zum Hingucken auf. Hier ist ein Unterschied zu anderen zeitgenössischen
Plakatgestaltern festzustellen.
Ich vermute, dass er den jeweiligen Filminhalt in grafisch ansprechender Form sichtbar machen
wollte– diese Plakatgestaltung scheint bis heute zu gefallen und die Leute anzusprechen.

Ariane Rykov-von Niepello / ZeitBlatt Magazin:
Hatten sie schon in der Kindheit einen Einblick in die Entstehungsprozesse seiner Werke? oder hatten sie
diesen Einblick erst nach der Recherche bei der Entstehung ihres Buches über ihn?

Beate Fehrecke:
Als mein Vater die letzten Filmplakate gestaltete, war ich elf Jahre alt. Die Entwicklung dieser
Motive habe ich noch in Erinnerung. Es gab mehrere Entwürfe, die nebeneinander auf dem Boden
lagen. Seine angestellten Grafiker, die Lehrlinge und auch wir als Familie berieten mit ihm über
Verbesserungen und die endgültige Auswahl. Sehr gut habe ich noch das Plakat “Frühstück mit dem
Tod“ vor Augen.
Viele Informationen habe ich erst durch die Recherche erfahren. Es gibt einige interessante Details.
So setzte mein Vater z.B. bereits 1956 eine Leuchtfarbe ein, die erst in den 60er Jahren durch Andy
Warhol bekannt wurde.
Anderes wusste ich: Es gab zensierte Plakate ( zu viel Brust zu sehen!!) oder solche, bei denen
etwas weggelassen werden musste. ( eine Handgranate).

Ariane Rykov-von Niepello / ZeitBlatt Magazin:
Wie gestaltete er seine Arbeit? Gabe es ein Ritual?

Beate Fehrecke:

Mein Cousin, Professor Nikolaus Ott, hatte bei meinem Vater eine Ausbildung als grafischer
Zeichner absolviert. Er war auch schon als Kind häufig im Atelier und konnte sich noch gut an die
Phasen der Gestaltung erinnern:
„ Einer Idee eine Form geben!…Es gab ein Ritual:…“ ( Filmplakate im Wirtschaftswunder, S. 10).
Dieses Ritual war recht umfangreich, es begann mit dem feuchten aufgespannten Papier, dann
folgten Trocknung, Übertragung von Bleistiftskizzenvorlagen, Ausmalen mit Temperafarben,
Ausschneiden und Collagieren von Fotomotiven, Schreiben der Schriften mit der Hand und am
Ende Spritzen der Farben mit der Airbrush-Pistole.( ebenda, S.10)

Ariane Rykov-von Niepello / ZeitBlatt Magazin:
Wie war seine Herangehensweise zu seinen einzelnen Projekten?

Beate Fehrecke:
Der Gestaltung der einzelnen Projekte gingen immer intensive Gespräche mit den Kunden voraus.
Schon dabei wurden von meinem Vater Skizzen gezeichnet und Notizen gemacht. Auch direkt vor
Ort wurde häufig recherchiert, dort fotografierte er dann oft selbst. Ansonsten gab es auch im
Atelier ein eigenes Fotostudio und ein schwarz/weiß Fotolabor . Dort konnten viele der benötigten
Elemente hergestellt werden.

Ariane Rykov-von Niepello / ZeitBlatt Magazin:
Warum entschloss er sich nach über vierzig Jahren intensiver gestalterischer und erfolgreicher Arbeit sein
Atelier 1978 zu schließen?

Beate Fehrecke:
Das Atelier meines Vaters wurde aufgrund seiner Erkrankung 1978 aufgelöst.
Da sich kein Nachfolger gefunden hatte, konnte das Atelier Fehrecke nicht weitergeführt werden.
Ein Restarchiv seiner Arbeiten blieb erhalten.

Ariane Rykov-von Niepello / ZeitBlatt Magazin:
Was hat sie bewegt über ihren Vater ein Buch herauszugeben?

Beate Fehrecke:
Mein Vater war für meine Persönlichkeitsentwicklung sehr prägend.. Sein Verlust 1994 war für
mich sehr schmerzlich. Für meine Trauerbewältigung übernahm ich sein Restarchiv und ordnete es.
Es waren zu dem Zeitpunkt nur noch ein paar Filmplakate vorhanden. Drei Jahre später fand ich
heraus, dass es möglich war, seine nicht mehr in unserem Besitz befindlichen Plakate wieder zu
erwerben. So reiste ich zu Auktionen, nahm mit Händlern Kontakt auf und ersteigerte einige im
Internet.
Nach und nach vergrößerte sich meine Sammlung auf ca.70 Plakate und ich fand es zunehmend
schade, dass sie ungenutzt und verborgen bei mir lagerten.
2010 stellte meine Schwester, Dagmar Rode, in Essen den Kontakt zum Leiter des Plakatmuseums
(Folkwangmuseum in Essen) Herrn Grohnert her. Es entstand so nach und nach die Idee zur
Herausgabe eines Buches, das meine Sammlung zeigen sollte.
Mit meiner Schwester zusammen schrieb ich das Vorwort. Mein Cousin Professor Nikolaus Ott
gestaltete den Titel und Herr Grohnert das Buch. Beide schrieben weitere Begleittexte.
Erschienen ist es dann 2017 unter dem Titel “Filmplakate im Wirtschaftswunder – Karl-Heinz
Fehrecke“ im renommierten Steidl – Verlag.

Ariane Rykov-von Niepello / ZeitBlatt Magazin:
Wenn Sie auf die Karriere ihres Vaters zurückblicken, welches Motiv gefällt ihnen am besten?

Beate Fehrecke:
Zwei absolute Lieblingsplakate sind zum einen das in Pin -Up Stil gestaltete „Liane- die weiße
Sklavin“ (1957) und zum anderen das „Madeleine- Tel. Nr. 13 62 11“ (1958), welches in seiner auf
Auge und Mund reduzierten Darstellung eine große Signalwirkung bis heute hat.
Es gibt natürlich auch noch einige andere , die ich für sehr eindrucksvoll halte und die ich sehr
schätze.
Die „Immenhof-Plakate“ waren für uns Töchter immer etwas Besonderes.
Wir selber schlüpften in die Rollen von Dick und Dalli und komponierten sogar ein eigenes Lied.
Es ging das Gerücht, dass meine damals fünfjährige Schwester Dagmar und ich als Dreijährige im
dritten Teil „Ferien auf Immenhof“ eine kleine Rolle übernehmen sollten. Es ist plausibel, da wir
Töchter schon von kleinauf mit Freude für Werbeaufnahmen posierten. Wir fanden es immer sehr
schade, dass diese Idee nicht umgesetzt wurde, zumal wir die Filme und natürlich auch die Plakate
mit ihrer fröhlichen Ausstrahlung liebten.

Ariane Rykov-von Niepello ZeitBlatt Magazin:
An welchem Plakat hatte Ihr Vater die meiste emotionale Bindung?

Beate Fehrecke:
Mein Vater mochte das Plakat „ Piefke – Der Schrecken der Kompanie“ (1958) mit Harald Juhnke
besonders gern. Es ist mit fünf liebevoll gezeichneten kleinen Skizzen versehen.
Das Göttingenplakat (1936) mit dem Wahrzeichen „Gänseliesel“ (200 Jahre Universität Göttingen)
und ein Plakat zur „1100 Jahrfeier von Bad Gandersheim“ (1952) lagen ihm als
heimatverbundenem Göttinger und Gandersheimer besonders am Herzen. Das „Gänseliesel“ ist ein
Wahrzeichen von Göttingen und wurde vom „Atelier Fehrecke“ noch häufiger in Szene gesetzt.
Etwas spezielles ist das Plakat „Lilli, ein Mädchen aus der Großstadt“ (1958). Hier stand die „Bild-Lilli“
als Vorbild , die Vorgängerin / der Prototyp der späteren Barbie Puppe.
Die exotischen „Liane“ Plakate möchte ich noch einmal an dieser Stelle erwähnen.
Und ich denke, auch die „Immenhof“ Plakate (1955 – 1957) mochte er mehr als andere, wie schon
bereits vorhin erwähnt.
„Das“ Lieblingsplakat im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Mein Vater hatte viele Begegnungen mit
den Schauspielern, die damals sehr oft auch bei uns zu Hause waren. Daher verband er mit den
verschiedensten Plakaten unterschiedliche, jeweils ganz spezifische Emotionen und Erinnerungen.

Frau Fehrecke, das Team des ZeitBlatt Magazins bedankt sich recht herzlich für das spannende und
informative Interview! Vielen Dank!

Beate Fehrecke

 

 

 

 

 

 

Ariane Rykov und Beate Fehrecke

Buchtipp: 

Karl-Heinz Fehrecke Filmplakate im Wirtschaftswunder 

Verlag: Steidl , Herausgeber: Beate Fehrecke und Dagmar Rode

ISBN-10:3958292224

ISBN-13:978-3958292222

Text, Interview und Fotokredits by Beate Fehrecke 

Webpräsenz Beate Fehrecke 

http://www.immenhof-filmplakate.de/

Mit freundlicher Genehmigung von Beate Fehrecke

 

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