Helena Waldmann, Der Eindringling – ein anatomisches Theater

Helena Waldmann im Gespräch,  Donnerstag, 29. November 2018 um 19:30 Uhr im Ost-Passage-Theater Leipzig.

Die Gastprofessur wird halbjährlich an herausragende Praktiker*innen der darstellenden Künste und ihrer medialen Reflektion vergeben, welche eine nachweisliche Bereicherung des wissenschaftlichen Diskurses und/oder der wechselseitigen Reflektion von Theorie und Praxis des Theaters in allen seinen Spielformen zu erbringen versprechen.

Die Gastprofessur wird im Wintersemester 2018/19 von Frau Helena Waldmann besetzt, einer der bedeutendsten freien Tanzregisseurinnen des europäischen Gegenwartstheaters. Helena Waldmann ist selbst studierte Theaterwissenschaftlerin (Gießen) und wird mit den Erfahrungen ihrer dreißigjährigen internationalen Bühnenkarriere den Leipziger Studierenden transkulturelle und transdisziplinäre Perspektiven aufzeigen. Ihren Produktionen gehen in der Regel umfangreiche Recherchen im Sinne künstlerischer Forschung voraus – auch in Leipzig wird sie eine solche Recherche gemeinsam mit den Studierenden durchführen. Unter dem Titel Anatomisches Theater werden die Themen reale und imaginäre körperliche Gewalt, Organhandel, Transplantation und die Macht der Medizin in einem szenischen Projekt bearbeitet.“

Helena Waldmann
Der Eindringling – ein anatomisches Theater
Uraufführung am Pfingstsamstag, 8. Juni 2019 an den Pfalzbau Bühnen Ludwigshafen

Mit Der Eindringling – ein anatomisches Theater inszeniert Helena Waldmann auf der quasi mikroskopischen Ebene des Körpers die Makroskopie einer Politik. Politik legitimiert sich immer zuerst durch das Konstrukt eines geschlossenen Körpers, eines Volkes, einer Nation, eines Inlands und seiner Produkte. Gegenüber Eindringlingen, Angreifern oder Konkurrenten erzeugt sie eine „solidarische“ Geschlossenheit des eigenen Körpers.
Der Eindringling tritt den Beweis an, dass Körper ebenso wie politische Konstrukte nur durch Öffnungen (Mund, Nase, Augen, Ohren, Poren etc.) zum Leben und Überleben fähig sind – selbst wenn über eben diese Kanäle auch Gefahr drohen mag. Denn nur Offenheit, Freiheit und Freizügigkeit können uns davor bewahren, uns einer perfiden Illusion von Sicherheit und Geschlossenheit hinzugeben, die in Wahrheit nur lebendig Totes erzeugt.
Wie immer vermittelt Helena Waldmann diese Botschaft durch die Choreographie – und wie immer nutzt sie dafür die sehr speziellen Fähigkeiten ihrer Performer. Nach dem Kathak-Tanz (Made in Bangladesh) und Akrobatik (Gute Pässe Schlechte Pässe) lässt sie sich diesmal von derchinesischen Kampfkunst Kung Fu inspirieren. Hier sind Angriff und Abwehr eins. Die Kraft des jeweiligen Gegners wird durch wendige Schritt- und Schlagtechniken neutralisiert und gegen den Angreifer gewendet. Im Januar / Februar 2019 wird Helena Waldmann vor Ort von Tänzern und Choreographen am Institute for Dance und Performing Arts, West Kowloon Cultural District Authority, Hong Kong, lernen.

Tänzer / Martial Artists: N.N.
Konzept & Tanzregie: Helena Waldmann
Bühne & Video: Karina Smigla-Bobinski
Kostüm: Judith Adam
Licht: Herbert Cybulska
Technische Leitung: Carsten Wank
Tontechnik: Stephan Wöhrmann
Produktionsleitung: Claudia Bauer

Eine Produktion von
Helena Waldmann und ecotopia dance productions
in Koproduktion mit Pfalzbau Bühnen Ludwigshafen, Forum Freies Theater Düsseldorf, Tafelhalle Nürnberg, Tollhaus Karlsruhe
Die öffentlichen Proben am 2. und 7. Juni 2019 werden gefördert von BASF (Kulturförderprogramm Tor 4).

Das Foto entstand beim Empfang von Helena Waldmann als Bertolt Brecht-Gastprofessorin am Centre of Competence for Theatre (CCT).
von links nach rechts: Prof. Dr. Patrick Primavesi (Stellvertretender Direktor des CCT, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Theaterwissenschaft) / Prof. Helena Waldmann (Bertolt Brecht-Gastprofessorin der Stadt Leipzig am CCT) / Prof. Dr. Beate Schücking (Rektorin der Universität Leipzig) / Prof. Dr. Ulrich Brieler (Leiter des Referats Wissenspolitik der Stadt Leipzig). Foto-Credit André Schallenberg.
Porträt Helena Waldmann. Foto-Credit Detlef Eden

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