Festival inSonic 2017: Immersive Future 

Mit Unterstützung des Kulturprogramms der Europäischen Union findet noch bis Sonntag, 10. Dezember 2017 das Festival inSonic2017: Immersive Future am ZKM | Karlsruhe statt. Mit dem Festival wollen das ZKM, das Pariser Institut de Recherche et Coordination Acoustique/ Musique (IRCAM) sowie die Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (HfG) einen kritischen Diskurs zu den neuen immersiven Zukunftstechnologien anregen: Im Rahmen des Festivals soll der State-of-the-Art aufgezeigt und vor dem Hintergrund eines philosophisch-ästhetischen Diskurses aktuelle künstlerische Ansätze und gegenwärtige Methoden diskutiert werden. Das Festival setzt sich aus einem Konzertprogramm, einem zweitägigen Symposium, Workshops und Installationen zusammen. 

Forschungsstand: Immersive Projektionstechnologien

Der Wunsch nach einer Musik im Raum, wie ihn der Komponist Karlheinz Stockhausen in den 1950er-Jahren geäußert hatte, ist nach Jahrzehnten des Nischendaseins „en vogue“ geworden. Angeregt durch die Visionskraft der musikalischen Avantgarde, konnten während der vergangenen Jahrzehnte Systeme zur Raumklangerzeugung und wiedergabe entwickelt und etabliert werden, denen heute Institutionen wie das Pariser IRCAM und das ZKM | Karlsruhe mit dem Pariser „Espace de projection“ bzw. dem ZKM_Klangdom immersive Forschungs- und Präsentationsplattformen bieten.

Immersive Projektionstechnologien dringen in den Consumer-Bereich und den Massenmarkt ein: Im visuellen Bereich haben das 3D-Kino und Fulldome-Film spätestens ab Mitte der Nullerjahre ihre Renaissance erlebt, während wenig später Veranstaltungshäuser, Filmpaläste, Theaterbühnen und Diskotheken begonnen haben in immersive Raumklangsysteme zu investieren. Immersive Anwendungen in den Bereichen Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) machen sich die Portabilität und Kompaktheit von Smart Devices zunutze, denn Smart Devices schaffen heute, was noch vor einigen Jahren bestenfalls durch den Einsatz von Großrechnern hätte bewerkstelligt werden können.

Auch im Web werden User durch neue und immersive VR- und ARAnwendungen begeistert – zum Beispiel durch die von Facebook neu eingeführten 360°-Video-Livestreams oder durch neue RaumklangFeatures für den Video-Streamingdienst YouTube.

Zur Eröffnung des Festivals war die von Harald Kimmig ins Leben gerufene Versuchsreihe The Human Factory zu Gast am ZKM. In wechselnder Besetzung operieren The Human Factory genre- und gattungsübergreifend an der Schnittstelle von Tanz, Performance und Medienkunst. Im ZKM_Medientheater präsentieren sie ihre jüngste audiovisuelle Tanzperformance Interface. Mit Paul Wolffs 1500 und Gerriet K. Sharmas gleAM werden im Rahmen des Eröffnungskonzert auch zwei Kompositionen präsentiert, die eigens für den sogenannten IKO  komponiert worden sind, ein aus 20 versetzten Einzellautsprechern bestehendes omnidirektionales Lautsprecher-System.

Im Rahmen des zweiten Konzerts werden neben einer audiovisuellen Komposition der interdisziplinären Künstlerin Robertina Šebjanič drei aktuelle Kompositionen des italienischen Komponisten Antonio d’Amato, Clemens von Reusner und Marco Kempf präsentiert. Im Anschluss findet ein Screening von Agnete & The Merman von Cristian Vogel & The Automatic Message statt. Als Performance für 3D-Audio wurde das Stück unter Vogels Leitung von einer internationalen Gruppe von KünstlerInnen und TechnikerInnen erarbeitet und Mitte dieses Jahres in Aarhus, 2017 Kulturhauptstadt Europas, uraufgeführt. Cristian Vogel & The Automatic Message zeigen im ZKM_Kubus eine FixedMedia-Version des Stücks für Video und Mehrkanalaudio.

Neben Fixed-Media-Beiträgen von Javier Alejandro Garavaglia, Fredrik Mathias Josefson, Dimitrios Savva und Savannah Agger, werden im Rahmen des dritten und finalen Konzerts des Festivals drei audiovisuelle Performances von Dmitri Mazurov, James Dooley sowie vom polnischen Künstler und Mathematiker Robert Lisek präsentiert, der den radioaktiven Zerfall des chemischen Elements Thorium zum Ausgangspunkt einer künstlerischen Auseinandersetzung mit Zufallsprozessen macht. Die audiovisuelle Installation Disenchanted Island (2017) der österreichischen Komponistin Olga Neuwirth und der Videokünstlerin Tal Rosner wird in einer adaptierten Konzertversion präsentiert, die am Pariser Klangforschungsinstitut IRCAM produziert und entwickelt worden ist. Für die Klangkomposition zu Disenchanted Island wurde der Klangraum der Kirche San Lorenzo im italienischen Venedig akustisch nachgebaut. Vielfältig illustriert wird die Klanglandschaft durch eine zweikanalige Videoprojektion der Künstlerin Tal Rosner.

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