„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“

Vor 80 Jahren sind in Deutschland Tausende Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume sowie jüdische Geschäfte, Wohnungen und Friedhöfe zerstört worden. Tausende Menschen wurden misshandelt, verhaftet, in den Suizid getrieben oder ermordet.

Auch in Cottbus richtete sich die wütende Raserei gegen das Gotteshaus und die Geschäfte der jüdischen Mitbürger. In der weiteren Folge wurden bis 1945 Menschen aufgrund ihres Glaubens, ihrer Herkunft und ihren abweichenden Vorstellungen von der „Mehrheitsgesellschaft“ aus ihren normalen Lebensbezügen herausgerissen, deportiert und in den Ghettos oder Vernichtungslagern umgebracht. Wie überall in Deutschland nahm die Mehrheit das Geschehen tatenlos hin. Die Gefährlichkeit der Ideologie der Nazis wurde unterschätzt. Die Gesinnung und das vorherrschende Menschenbild ermöglichten die Shoah und den Zweiten Weltkrieg mit Millionen Opfern.

„Das FilmFestival Cottbus reflektiert mit seinem Filmprogramm vielfältige Geschichten und Geschichte. Es ist uns wichtig, vergangene Geschichte mit Personen und deren Schicksal zu verbinden und in Erinnerung zu rufen“, sagt Bernd Buder, Programmdirektor des FilmFestival Cottbus. „Mit der Gedenkveranstaltung am 9. November möchten wir an die Opfer des Nationalsozialismus und an Millionen Schicksale erinnern, die bis heute in Familien hineinwirken. Es gilt, sich an die Verbrechen zu erinnern, die im Namen einer, in diesem Fall der deutschen, Nation verübt wurden. Es ist wichtig, aus der Geschichte zu lernen, damit sie sich nicht wiederholt und zu reflektieren, wozu ideologisierte Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus, von der sich viele zu Mittätern haben verführen lassen, führen können.“

 

An die Schicksale der durch die Nazis ermordeten Menschen erinnern seit 2006 in Cottbus 83 „Stolpersteine“, die durch eine Arbeitsgemeinschaft, unterstützt durch den Historischen Heimatverein Cottbus e.V. und das Stadtmuseum, verlegt werden. Die Gedenksteine liegen vor den in der Regel letzten freiwilligen Wohnorten, um auf das Schicksal der früheren Bewohnerinnen und Bewohner aufmerksam zu machen. Der zufällig Vorbeigehende soll mit den Augen über die blanke Oberfläche der Gedenksteine „stolpern“. Den Opfern soll Name und Würde im Sinne des Talmudspruchs „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“ zurückgegeben werden. Initiiert wurde die Kunstaktion durch den Kölner Künstler Gunter Demnig. Seit den ersten „Stolpersteinen“ in Berlin 1996 ist das Projekt zur größten dezentralen Gedenkstätte des Holocaust angewachsen. Mehr als 69.000 Steine wurden in 22 Ländern bis heute verlegt und es kommen täglich neue hinzu. So werden auch im Mai 2019 neue Gedenksteine in Cottbus verlegt.

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