Die Welt spendet 1 Milliarde Euro für Social Media Philosophen

Die Flammen fraßen sich noch durch das hölzerne Gebein der Kathedrale Notre-Dame de Paris, als sich die ersten französischen Großfamilien meldeten und Geld zum Wiederaufbau bereitstellten. Einfach nur eine wundervolle und von positivem Nationalstolz geprägte Geste.

Mittlerweile wurde fast 1 Milliarde Euro gespendet und zwar von Menschen auf der ganzen Welt. Was eine unfassbar große Summe. Wahrscheinlich so unfassbar groß, dass die Online-Heros, Pinnwand-Weltverbesserer und WhatsApp-Philosophen weit über die Grenzen ihrer mathematischen Fähigkeiten gestoßen wurden. Plötzlich mussten sie mit Zahlen arbeiten deren Nullen-Anzahl sie nicht kannten. Was also tun? Wie kann man nun seinen über-würzten Senf dazugeben? Was sollte man in seine Pinnwand hämmern ohne dabei eingestehen zu müssen, dass man gar nicht weiß worüber man schreibt?
 
Da kam ein Foto welches ein von Hunger und Leid gezeichnetes Kind abbildet, gerade recht! Nun nehme man eben dieses Bild und setze es in eine Collage zusammen mit einem Foto der brennenden Kathedrale. Jetzt schnappe man sich einige kontextlose Textfragmente aus den tiefen Weiten des Internets und setze sie zu populistischen Sätzen zusammen. Nun müssen diese Sätze nur noch mit mehr als einem Ausrufezeichen, vielen GROßBUCHSTABEN und einer Menge weinender, wütender, schockierter und trauriger Smileys versehen werden und schwupp … der moralisch fehlerfreie, die alleinige Wahrheit besitzende und seine eigene Maßstäblichkeit schablonierende Internet-Hero ist geboren.
 
Was nun folgt ist relativ einfach und für jeden noch so begrenzten Verstand umsetzbar. Man braucht als Antwort auf die kommenden Kommentare zu seinem Hero-Post immer nur mit Gegenfragen antworten. Man stelle die kapitalistische Raffgier an den Pranger. Beschimpfe pauschal ganze Bevölkerungsschichten und sollte immer und immer wieder auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam machen, welche aber nichts mit dem Brand von Notre-Dame zu tun haben dürfen. Natürlich muss das von Hunger und Leid gezeichnete Kinderfoto immer mal wieder – ohne Kontextbezug – in die Kommentarspalten mit einfließen.
 
Ist es nicht eine wundervolle Zeit!? Da tun Menschen aus positivem Nationalstolz und zur Erhaltung unserer Kulturgüter, etwas Gutes und müssen sich dafür beschimpfen, beleidigen und diffamieren lassen.
 
Gerade in Frankreich und vermehrt auch in Deutschland regen sich (teilweise berechtigt) die Menschen über die Bevormundung des Staates auf und bevormunden auf der anderen Seite ihre eigenen Mitbürger, indem sie ihnen vorschreiben wollen wofür und wann sie gefälligst ihr Geld spenden sollen. Natürlich darf und soll jeder seine Meinung sagen. Aber Meinungsfreiheit ist, wie die Toleranz auch, keine Einbahnstraße.
 
Kleiner Nachtrag: Alle französischen Großspender sehen davon ab ihrer Spenden steuerlich geltend zu machen!

Ein Kommentar von Ranndy Frahm.

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