Der erste Alkoholiker der Weltmeister wurde – Eckhard Dagge (Boxen)

Am 15.3., 20Uhr, Karten ab 15 DM, Vorverkauf in der Deutschlandhalle, im Box-Büro im Forum Steglitz, im Wildbad Kiosk und an den bekannten Vorverkaufsstellen. Veranstalter Boxring International J. Zeller, technischer Leiter: W. Zeller unter der Aufsicht der WBC (World Boxing Council)-BDB (Bund Deutscher Berufsboxer)-EBU.
Kein geringerer als der Weltmeister Eckhard “Ekke” Dagge gegen den Britischen Herausforderer Maurice Hope (Europameister), 15 Runden Junior Mittelgewicht. Beide sind in der Weltrangliste des WBC gelistet.
Ring frei!

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Box Weltmeisterschaft Programmheft Dagge_photoofphotoby_BastianLeeJones

Mit Wut im Bauch – wie damals schon, bei der verpassten Olympia Qualifikation – da der Manager von Maurice Hope den Kampf Dagges gegen den Brasilianer, Juarez de Lima, verhinderte, der sich nun dem Deutschen Meister, Frank Wissenbach, stellen darf – dank des BDB.
Star des Abends ist natürlich unser Weltmeister, und zur Zeit stehe und falle der deutsche Berufsboxsport, so Willy Zeller (Manager) durch ihn. Aber nicht nur deswegen stünden seine Signale auf Sieg, so Zeller enthusiastisch, sondern er wolle auch Sie, das überaus kritische Berliner Publikum, mit einem begeisternden Fight, wie einst gegen Peter-Klaus Tombers, Francis Vermandere, Billy Backus, José Duran und natürlich gegen seinen Titelvorgänger, Elisha Obed, begeistern.
Wie gesagt, das Berliner Publikum ist durch dessen Sachkenntnis überkritisch – auch gegenüber Lokalmatadoren. Der Wahl-Berliner Eckhard Dagge möchte es heute beweisen. Die Aufgabe ist schwer, und dafür steht der Europameister, Maurice Hope!

Der Titel blieb in Deutschland. Zum zweiten Mal! Und attraktiv war sein Boxstil allemal. Aktiv. Schnell. Und dennoch ist es wieder einmal eine Ironie der Geschichte, dass er, obwohl er natürlich Max Schmeling oft begegnete, nie dessen Popularität oder die des Bubi Scholz, erreichte, obwohl er als Kneipier mit seinem Partner am Timmendorf Strand ein alteingesessenes Lokal führte, Alkohol ihn begleitete, und seine Fast-Pleite (trotz Börsengeldes von 1.000.000 DM), welche ihn 1981 in den Boxring zurück führte, wo er nach dreieinhalb Jahren Kampfpause, blutüberströmt dreimal als Sieger den Platz verliess, dass Leben eines tragischen Helden – verfilmungsreif, führte.

Eckhard Dagge mit Willy Zeller – photo of photo by Bastian Lee Jones

Doch nach seiner Niederlage gegen den Engländer, Brian Anderson sagte er lakonisch untertreibend:“ Ein schöner Junge war ich ja nie, aber jetzt reicht es mir. Ich will ja nicht eines Tages wie Frankenstein aussehen!” Der Stoff von dem heutige Möchtegern Prominenz mit Nullaussage und völliger Überflüssigkeit nur träumen, Eckhard Dagge heute ein Superstar wäre!

Eintrittsticket, 50 DM – photoby BastianLeeJones

Abgesehen auch von seinem Gastauftritt als Boxer bei der Fernsehserie “Nonstop Nonsense” in Folge 26 mitwirkte.
Ach – und nicht zu vergessen, seine Tätigkeit natürlich als Trainer vom Schwergewichtsmeister Mario Schiesser (Berlin) und Dariusz “Tiger” Michalczewski im Stall des Hamburger Promoters Klaus-Peter Kohl. Leider wurde Dagge 1994 als Trainer wegen des Alkoholproblemen entlassen. So konnte er die Meisterschaft des “Tigers” leider nicht mehr aktiv mitgestalten.

Von Probsteierhagen, am 27.2.48, ein Dorf in Schleswig Holstein, wo er geboren wurde, bis zur Deutschlandhalle am 2.3.73 – davor 80 Kämpfe bei einer Bilanz von 80 bei 66 Siegen und 50 K.O.s und die verpasste Quali für München, Olympiade, als Amateur (1968-1972) beim BC Travemünde. Der ganze Dampf und Ärger, der zum Wechsel in das Profilager führte, wo er zunächst von Fritz Gretzschel, dann vom Vater von René Zeller, nämlich Willy Zeller gemanaged wurde, der ihn in der Berliner Deutschlandhalle exzellent in Szene setzte – und das mehrmalig erfolgreich.

Kampf – photoofphotoby_BastianLeeJones                                                                                                                       Berlin war für “Ecke”, wie er liebevoll von den Fans genannt wurde, ein hervorragendes Pflaster, denn am 3.6.73 sollte er vor 6000 Fans in der Berliner Waldbühne gegen den Titelverteidiger Klaus-Peter Tombers den DM Titel im Mittelgewicht nach einem K.O. in der fünften Runde gewinnen.

 

photoofphotoby_BastianLeeJones
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Eckhard Dagge – photoofphotoby_BastianLeeJones

Am 4.4.2006 erlag Eckhard Dagge seinem Krebsleiden, nach über einem Monat im Hospiz Leuchtfeuer in St.Pauli. Beigesetzt wurde er auf dem Waldfriedhof Scharbeutz bei Lübeck.
Sein Spruch “Viele Weltmeister sind Alkoholiker geworden. Aber ich bin als erster Alkoholiker Weltmeister geworden” klingt in der Rückschau reflektiert und traurig zu gleich.

Werbung der 70iger – photoofphotoby_BastianLeeJones
Werbung der 70iger – photoofphotoby_BastianLeeJones

Vielen Dank an Alfred Wolczik, der bis tief in die Nacht sämtliche wichtige Boxkämpfe schaut. Grossartig, die Begeisterung.

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