Danny Romeril. Music shop music

Vom 23.10. bis 21.11.2020 widmet die Galerie Thomas Fuchs dem britischen Künstler Danny Romeril ( geboren 1996 auf Jersey, GB; lebt und arbeitet in London, GB ) seine erste Einzelausstellung in ihren Räumen.

Danny Romerils Gemälde drehen sich um das Thema Musik, wobei Jazzmusiker eine besonders wichtige Rolle in seinem Oeuvre spielen. Für seine jüngste Serie konzentriert sich der Künstler jedoch ausschließlich auf Instrumente, die in einem fiktiven Musikladen ausgestellt sind, und verzichtet dabei auf die Anwesenheit jedweder Figuren. Der Kontrast zwischen Musikinstrumenten und den fehlenden Musizierenden spiegelt sich in dem ebenso starken Kontrast zwischen der An- und Abwesenheit der Musik wider.

In „Norman’s music“ blickt der Betrachter durch ein Schaufenster auf eine Reihe verschiedener Gitarren, Blechblasinstrumente und Trommeln. Die angedeutete Tiefe des Eckfensters wird zu einer flachen Verzerrung der Auslage. Gesättigte Primärfarben geben den Ton des Gemäldes vor: Die tiefblaue Ladenfront umrahmt die gelben Blechblasinstrumente, die auf rotem Tuch präsentiert werden. Der grüne Hintergrund hebt die hängenden Gitarren hervor, die in Form und Farbe variieren. Obwohl es sich eigentlich um ein Stillleben handelt, verwandeln Romerils grobe und dynamische Pinselstriche die Instrumente in lebendige Objekte. Eine unterschwellige Schwingung dringt aus den Objekten hervor, so als warteten sie nur darauf, wieder gespielt zu werden. Sie werden damit zu einem visuellen Platzhalter für die Musik.

Danny Romerils Gemälde haben oft dicke Farbschichten, die eine fast dreidimensionale Wirkung erzeugen und im Kontrast zu den eher flächigen Darstellungen der Motive stehen. Im Hintergrund von „Original hard shell case“ verlaufen klobige Farbstreifen, die dem Gemälde eine grobe, reliefartige Struktur geben. Kräftige Konturen trennen den Gitarrenkoffer von der pastosen Oberfläche. Nicht Licht und Schatten, sondern Farbe verweist auf die Licht- und Tiefenwirkung der Motive. Schnelle und intuitive Pinselstriche machen die Formen und Gestalten der Objekte aus und geben ihnen einen Eindruck von Rastlosigkeit.

Die zufällige Begegnung mit einem Musikladen, der während der Lockdown-Phase schließen musste, wurde zu einem anregenden Motiv für Romeril, um den Übergang von Figuren zum Stillleben zu wagen. Die vier Tuschzeichnungen dokumentieren seine Arbeit in dem Genre. Gestapelt, hängend, lehnend und stehend – Romerils Instrumente scheinen ein Eigenleben zu führen. Ob Flöte, Harfe oder Akkordeon, die Tuschzeichnungen mit ihren Kombinationen aus verschiedenen, miteinander interagierenden Objekten sind zu einem wichtigen Element in Danny Romerils Werk geworden.

Für seine Ausstellung „Music shop music“ lädt uns Danny Romeril in einen paradoxen Musikladen ein, der zum einen voller Musik ist und in dem es gleichzeitig keine gibt. Die düstere Szene von „Window display Reflected city“ zeigt fünf Instrumente, die im Schaufenster des Musikgeschäfts fast wie vergessen wirken. Die Straße und der Vollmond spiegeln sich im Schaufenster und zeigen das Leben außerhalb des Musikladens, das die Instrumente sehnsüchtig verfolgen in der Hoffnung, ein Teil davon zu werden. Doch sind sie hinter dem Fenster gefangen und werden zu stillen, unbemerkten Beobachtern der Außenwelt.

Danny Romerils Darstellung der Musikinstrumente fängt die gegenwärtige Stimmung ein. Die Instrumente, die sehnsüchtig gespielt werden wollen, hängen in der Schwebe, schweigen und befinden sich in einem Moment ungewissen Stillstands. Eine unterschwellige Rastlosigkeit liegt in den dynamischen Pinselstrichen und der Farbe. Die Bilder scheinen sich weiterbewegen zu wollen, sich aus dem Stillstand zu befreien zu wollen, um die Musik zu spielen, die man nicht hören kann.

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