CSD Stuttgart – Weniger Glitter und mehr Statement

Stuttgarter Christopher Street Day feiert die „Ehe für alle“

„Perspektiv-Wechsel“, so lautete das diesjährige Motto des CSD in Stuttgart. Nicht ohne Grund. Denn: Waren bis 1969 homosexuelle Handlungen strafbar, setzte sich 2016/17 Bundesjustizminister Heiko Maas für die Rehabilitierung homosexueller Männer ein, die nach dem Paragrafen 175 verurteilt wurden. „Aus heutiger Sicht war das ein klarer Verstoß gegen die Menschenwürde und damit verfassungswidrig“, so Heiko Maas. Und dann in diesem Jahr das: die „Ehe für alle“. Endlich! Überwindet Liebe doch letztlich alle Hindernisse und vermeintliche gesellschaftliche Konventionen?

Man mochte es fast glauben, lass man bei der Parade „Just Married“, geschrieben auf einem Pappschild, baumelnd über dem T-Shirt eines Motorradfahrers, welcher seinen Mann umschlang. Der Auspuff knatterte und die Dosen an der Schnur hinter beiden schepperten über den Asphalt. Mehr als 5000 Teilnehmer in 91 Gruppen demonstrierten bei der 21. CSD-Parade in Stuttgart mit Plakataufschriften wie „Flamingo statt von Storch“ oder „Ich bin ein Mensch“ für die Gleichstellung und Akzeptanz von Menschen, egal welcher geschlechtlichen Identität oder sexuellen Orientierung. Wer in diesem Jahr – wie gewohnt – braungebrannte sowie geölte Oberkörper erwartete, wurde enttäuscht. Der CSD schien irgendwie erwachsener und politischer geworden zu sein – mit weniger Glitter und mehr Statement.  Ein Perspektiv-Wechsel?

Text: Andre Biakowski

Photos:  Noël Drevermann

 

 

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