CHONGQING – Superlative, Vorurteile & “NIKO NIKOLAIDIS” im Namen der Kunst.

“Die gelbe Gefahr”. Davon sprach noch meine Urgrossmutter und gelegentlich meine Grossmutter väterlicherseits. Väterlicherseits, d.h. meine deutsche Linie. Du würdest dort in China total abgehört werden. Über Smartphone und Laptop. Oh – musst Du unbedingt dorthin? Das ist doch viel zu gefährlich – ausserdem klauen sie ja alle unsere Erfindungen. Sie kaufen billig kleine Margen unserer Produkte ein und kopieren schamlos. Sie haben einfach kein Urheberrecht. Iss dort bloss kein Fleisch! Nachher ist da noch Hund oder Ratte drin. “Ich mache mir echt Sorgen um Dich!” So, oder ähnlich lauteten die Kommentare einiger Freunde. Wohlgemerkt, weltoffener, dem Bildungsbürgertum angehörender Freunde, eher liberal bis mitte links und ökologisch bis wertekonservativ. Was passierte in Chongqing? In was? In Chongqing, der grössten Stadt der Welt. Wusstest du das nicht? Nein. Nie gehört!

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DIE VORBEREITUNG: VISA
Das, was wirklich eine Herausforderung darstellt, ist das Visum. Man muss bei der Visabehörde der Volksrepublik China im Internet (unter https://bio.visaforchina.org) einen viele Punkte umfassenden Antrag ausfüllen. Man wird auf der Homepage gut durchgeleitet und bekommt sofort eine eigene Bearbeitungsnummer. Man kann den Anmeldeprozess also auch unterbrechen, und an einem anderen Zeitpunkt wieder fortsetzen. Ein Passbild nach biometrischen Daten, seinen Personalausweis und seinen Reisepass muss man vorweisen, aber auch den Grund der Reise sollte man genau definieren können. Es gibt die unterschiedlichsten Visa Kategorien. Die Fragen sind wirklich sehr umfangreich und manchmal schon exquisit. Ob man eine paramilitärische Ausbildung genossen habe, oder was man denn wirklich gelernt hätte und man verdienen würde. Hat man den Antrag ausgefüllt, sollte man diesen ausdrucken und online einen Termin vereinbaren. Dort erscheint man dann pünktlich und muss neben dem gültigen Reisepass den ausgedruckten Antrag vorzeigen und bei einem nicht touristischen Aufenthalt, die Einladung des Gastgebers abgeben, seine Fingerabdrücke nehmen lassen und erhält dann telefonisch Bescheid, wann man dann kommen kann, um zu bezahlen. Gegebenenfalls muss man ein weiteres Mal zur Abholung erscheinen, es sei denn man vereinbart den Postweg, was einen preislichen Aufschlag bedeutet. Der Aufwand ist um einiges grösser als der der ESTA Anmeldung in die USA, welche dann aber auch 2 Jahre gültig ist. Das Visum der Kategorie M, welches bei mir zum tragen kam, gilt lediglich maximal 30 Tage und ist ein Business Visum, welches auch nur mit der erwähnten Einladung durch einen Geschäftspartner, der in der Volksrepublik arbeitet ausgestellt wird. Die Einladung sollte definierte Daten beinhalten (Grund, der Zeitraum, um was es sich handelt, um wen es sich handelt, Kontaktdaten) und muss dem Visa Antragsteller rechtzeitig geschickt werden. Diese Einladung fügt man bei der Antragstellung im Original bei. Ich musste, da es sich bei mir wieder einmal um eine besondere Mission handelte, nämlich die Reise eines “promissing young urban pop art art deco symbolism artist” mit griechischen Wurzeln aus Deutschland, namens NIKO NIKOLAIDIS (https://www.facebook.com/nikolaidis.life/) und seiner persönlichen Managerin Rita Döring-Klawitter, genauestens definieren (https://www.youtube.com/watch?v=XYIb400gBMk).
Laut Nikos Kurator, der in China tätig ist, Herrn Nouri Nouri aus Hamburg von Pashmin Arts Consortia, sollte ich das Wort “Medien” vermeiden und dieser meinte gelassen: “Ach, und nehme bitte keine grossartigen Stative und Drehlampen mit. Halte das technische Arbeitsmaterial so unauffällig wie möglich!”
Diese guten und nützlichen Hinweise und das an Schikane grenzende Visa Prozedere haben meine Antipathie gegenüber der Volksrepublik China noch befeuert, nebst dem Chor der vorurteilsbehafteten Freunde. Zu den “Kommunisten” in ein totalitär regiertes Land zu fahren, wo deren Bürger eine Nummer haben und der totalen Kontrolle ausgeliefert sein würden, und der Staat auch noch nicht funktionierende Bürger in Internierungslager steckt. Alle Menschen hier sind natürlich auch geprägt von der einseitig, meist negativen Berichterstattung der deutschen Leitmedien über sämtliche Nationen, die grösser und wichtiger sind, als dieser winzige Punkt, namens Deutschland auf der winzigen Halbinsel der asiatischen Landmasse, namens Europa. Wie meinte Henry A. Kissinger so schön zu Deutschland: Zu gross für Europa, zu klein für die Welt. Und Medienanstalten machen bei der Berichterstattung nur Schlagzeilen und letztendlich Geld mit Negativem. Ernst zu nehmenden Journalismus wie der von Menschen wie Klaus Bednarz, Gerd Ruge oder Peter Scholl-Latour vermisst man heute sehr!

DIE VORGESCHICHTE
Das grossartige Kapitel “NIKO NIKOLAIDIS” fing für mich damit an, dass die persönliche Managerin, Rita Döring-Klawitter mich auf Facebook kontaktierte. Es war Fügung. Warum? Weil sie so etwas eigentlich gar nicht macht. Ich meine, jemanden auf Facebook anschreiben. Wir aber verabredeten einen Termin – und wie es bei Geschäftsmeetings fast schon Tradition ist, habe ich das Hotel an der Gedächtniskirche, 10. Stock Dachterrasse, vorgeschlagen. ich setzte die beiden zwischen zwei andere Terminen. Wie praktisch. Rita kam natürlich mit ihrem Schützling, dem Nachwuchstalent NIKO NIKOLAIDIS aus Hannover nach Berlin – was ich zwar hörte, mir zunächst aber gar nicht so bewusst war. Niko suche einen PR Spezialisten, der die Reisen, die Vernissagen und Ausstellungen mit Kamera, Videos und Interviews, so wie es LebenslustTV (LebenslustTV Interviews, Travel with Bastian Lee Jones Podcasts etc. findet man u.a. auf YouTube unter: https://www.youtube.com/user/bastianleejones) macht, dokumentieren soll und auch für Presse, wie etwa der Veröffentlichung im Zeitblatt Magazin sorgen kann.

NIKO NIKOLAIDIS, Bastian & Rita Döring-Klawitter, Atelier, Hannover photoby_©BastianLeeJones

Die Chemie stimmte auf Anhieb, und so folgte gleich die erste Mission: eine Ausstellungseröffnung in Hannover, nebst dem Miterleben des Kunst Schaffenprozesses bei Niko im Atelier. Aber auch die Vision einer gemeinsamen künstlerisch kreativen Zusammenarbeit wurde angerissen. Gesagt getan. Nach der sehr erfolgreichen Ausstellung mit Besuch von Teilen des VW Vorstandes und anderen honorigen Menschen der Landeshauptstadt Niedersachsens, fuhren wir des Nachts noch zum Essen in ein Döner Kebab Restaurant. Niko war beseelt von der Chance, abermals in China ausstellen zu können. Es herrschte zwischen Rita und Niko eine angeregte Diskussion darüber, ob man nach China gehen sollte. Und es gab einen Dissens. Niko hatte bereits in Miami, in Beijing und anderen chinesischen Städten mit Nouri ausgestellt. Niko pochte auf die sich abermals ergebende Chance. Rita pochte auf rationales Abwägen. Und gebucht wurde trotzdem. Flug, Hotel, Niko würde neben grossartigen Künstlern der modernen Kunst in einem Museum hängen. Die Ausstellung würde nach Wochen in Chongqing sein, und weitere Städte in China durchwandern. Herr Nouri würde absolut an Niko glauben – und diese Chance, in der ganz grossen Liga mitzuspielen, nachdem man schon einen Deal mit VW hat, all das möchte ein aufstrebender junger Mann, mit temperamentvollen griechischen Wurzeln, Seele und Herz, sich nicht entgehen lassen. Denn Herr Nouri arbeitet in China auch mit grossen Stars und einem riesigen Netzwerk. Die LebenslustTV Dokumentation in Videoform findet man auf YouTube (https://www.youtube.com/user/bastianleejones).

Chongqing – Skyline des Nachts am Yangtze Yiang photoby_©BastianLeeJones
Chongqings Wahrzeichen – „Grosse Halle des Volkes“ – Renming Dalitang, photo by ©BastianLeeJones

DIE GRÖSSTE STADT DER WELT
Man weiss um Beijing, den Tianamen Platz, die verbotene Stadt, man weiss um Shanghai und Hong Kong, und vielleicht auch, das Kiautschou im Kaiserreich eine deutsche Kolonie war. Die chinesische Mauer sieht man selbst vom Weltraum aus. Und die Umweltverschmutzung muss horrend sein. Smog. Giftiges Wasser. Aber Chongqing (ausgesprochen: Tschong Tsching)? Weder Niko, noch ich wollten uns über diese Stadt informieren. Ich holte mir nur die nötigsten Informationen auf Wikipedia ein und hielt die Einwohnerangabe von 30 Millionen Einwohnern für einen Druckfehler. Gelegen in der Mitte des Reiches der Mitte am berühmten Fluss, dem Yangtze Yiang und einem weiteren in den Yangtze mündenden Fluss. Und wegen der Kleidung, die mitzunehmen ist noch die ungefähren Temperaturangaben dort im Monat Januar. Das war es.
Nach Chongqing wird es bald vielmehr Direktflüge nach Europa geben. Das möchte die Regierung der Freihandelszone. Chongqing ist zugleich Grossstadt am Yangtze Yiang und am Jialing Yiang (Yiang = Fluss) als auch Provinzhauptstadt der gleichnamigen Provinz, deren ungefähre Grösse der Österreichs entspricht. Durch diese zwei Flüsse hat die Stadt ihren Namen, denn Chong heisst “doppelt” und Qing heisst “feiern” oder “gratulieren”. Die Stadt Chongqing an sich ist geringfügig flächenmässig kleiner als Berlin – und das will was heissen – da Berlin in der Fläche riesig ist. Die zwei Flüsse mischen sich farblich, ähnlich dem indischen Ozean und dem Atlantischen Ozean, nicht. Das hängt mit den unterschiedlichen geographischen Bedingungen zusammen, durch die die zwei Flüsse fliessen. Über 2000 Hochhäuser wurden innerhalb weniger Jahre gebaut. Sicherlich war ein Grund der, dass für das Staudamm Projekt viele Menschen umgesiedelt werden mussten. Bauern aus der Umgebung pendeln in den Moloch und verkaufen dort ihre Erzeugnisse. Die Wirtschaftszahlen sind beeindruckend. Lenovo stellt fast 100% Ihrer Laptops in Chongqing her. Auch Hewlett Packard und andere Firmen sind sehr gut vertreten und decken hohe prozentuale Anteile ihrer weltweiten Produktion in Chongqing ab.

Chongqing – die Stadt der Brücken und des Nebels photoby_©BastianLeeJones

Im Sommer kann es für wenige Wochen über 40 Grad heiss werden. Im Winter ist es durchaus kühl, aber nicht kalt. Das Wasser ist erstaunlich rein. Und die Luft für den mässigen Verkehr ausserordentlich gut. Man konzentriert sich auf den ÖPNV. Die Busse sind mit Gas betrieben, Schwebebahnen, moderne Züge, rauschen wie in Berlin durch ganze Häuser und Chongqing kann mit einem sehr gut ausgebauten U-Bahnnetz überzeugen. Das ist wieder eine Ähnlichkeit mit Berlin. Die Fahrpreise sind für uns Deutsche sehr günstig. Das gilt auch für die Taxis.
Die Altstadt “Ciqikou” wirkt wie der Lohan Tempel, der Baolun Si Tempel oder die Huguan Gildehalle (mit Theater und Teehaus) und der 1954 errichteten “Grossen Halle des Volkes”, dem Renming Dalitang (dem Wahrzeichen Chongqings), wie aus der Zeit gefallen. Ciqikou, an den Ufern der zwei Flüsse gelegen war ein Porzellanhafen. Seit 1998 steht die Altstadt unter Denkmalschutz.

Chongqing – die Altstadt Ciqikou photoby_©BastianLeeJones
Chongqing – Gassen in der Altstadt Ciqikou photoby_©BastianLeeJones
photosby_©BastianLeeJones

Direkt an der U-Bahn gelegen – kommt man dort sehr gut hin. Ciqikou: Quirlig. Nostalgisch. Geschäfte in den alten Gebäuden. Gassen. Alte Häuser im chinesischen Stil. Und ganz viel Essen. Man fühlt sich, abgesehen von den Menschenmassen in modern westlicher Kleidung ( jedoch immer mit eigenem chinesischen Etwas) gekleidet, wie in einem alten Kung-Fu Film. Gemütlich. Alt. Vergangen. Melancholisch wirken die älteren Menschen, die oft noch in traditionellen Kleidern aus der Mao Zeit und früher durch die Gassen schleichen und ein Pläuschchen halten. Aus Bauern wurden Bürger der grössten Stadt der Welt gemacht. Durch die bis 350m hohen Hügel, die meist grün gelassen wurden, wirken die dennoch bis an die Hügelspitzen reichenden Hochhäuser noch viel imposanter. Auf der Aussichtsplattform im Eiling Park hat man eine wunderbare Aussicht über die ganze Stadt, die auch die Stadt der Nebel oder die Stadt der Brücken genannt wird. Häusermeere. So weit das Auge reicht.

photoby_©BastianLeeJones
photoby_©BastianLeeJones
Chongqing – Eiling Park – Aussichtsplattform photoby_©BastianLeeJones

 

 

THE CHONGQING INTERNATIONAL MODERN AND CONTEMPORARY ART EXHIBITION

Eingeladen und überhaupt bei Pashmin Art Consortia unter Vertrag zu sein, ist in der Kunstszene ein sehr grosses Pfund. Neben Pashmin Art Consortia unter der Leitung von Herrn Nour Nouri aus Hamburg, wurde die Ausstellung vom Hong I Jiuzhou International Culture and Art unter der Leitung von Herrn Jackie Zhang organisiert und kursiert. Die grösste ihrer Art.

Chongqing – HONG MUSEUM – links Herr Nour Nouri (PASHMIN ART CONSORTIA), rechts NIKO NIKOLAIDIS photoby_©BastianLeeJones
photoby_©BastianLeeJones

 

Nour Nouri, dessen Vater ihn einst bat, ihm ein Glas Wasser zu bringen und zu beobachten was mit der Zeit damit passiert – war baff, als der Vater ihn nach einigen Tagen aufforderte, das weniger gewordene Nass zu trinken. Es schmeckte verdorben. Und genau das passiert mit uns, die wir zu über 80% aus Wasser bestehen, wenn wir uns nicht entwickeln. Fortschreiten und für Neues offen sein. Nour Nouri, der sehr gern mit Ole van Beust (ehemals 1. Bürgermeister der Hansestadt Hamburg) als wichtiger Brückenbauer in der Kunst wahrgenommen und regelmässig zu wichtigen Empfängen eingeladen wurde, versteht sich als mitformender “Ziehvater” seiner geförderten Künstler, die er über teils Dekaden in ihrer Entwicklung begleitet. Qualität sei das wichtigste – und das ist nicht nur die Meisterschaft in der künstlerischen Ausdrucksweise. Es kommt auf das 200%ige “Commitment” – die wirkliche innere Überzeugung des KünstlerIn an. Wie denkt ein junger Mensch, was ist dessen Philosophie als Mensch. Die Intention von Herrn Nouri ist es, die Schönheit der Welt zu teilen und der Kunst, egal welcher Herkunft sie auch sein mag. Es solle doch bitte keine Grenzen im Kopf geben, weil der Mensch Mensch ist, egal welcher Nation. Kunst solle verbinden und sei ein wichtiger Bestandteil der Identitätsfindung und Bildung für die nächste Generation.
Das erste Interview mit dem vielversprechenden Künstler NIKO NIKOLAIDIS verlief in etwa so, dass Niko extrem angespannt war. Herr Nouri meinte nur: “Niko – entspann dich erstmal. Wir sind nicht vor einer Abschlussprüfung. Ich möchte dich kennenlernen – als Mensch, ob da Sympathie ist, ob Du nur sagst: ich versuch es mal mit der Kunst – oder ob Du sagst: das ist meins, dafür tu´ ich alles, um da jemand zu werden. Was denkst Du? Was fühlst Du? Was visionierst Du?”

HONG MSUEUM – Mr. Nour Nouri & Mrs Liane Peng (Galeristin aus Shanghai) & NIKO NIKOLAIDIS photoby_©BastianLeeJones

Aus dem Luxushotel in einem der New Districts von Chongqing, wurden wir in das knapp 10 Minuten entfernte Hong Museum gebracht. Ein riesiger Eingangsbereich mit Parkplätzen. Auf einer grossen roten Tafel vor dem Gebäude, sollten dann die Künstler und Gäste Ihre Unterschrift tätigen, nachdem sie eine Blume angesteckt bekommen haben. Es wurden die Botschaftsexzellenzen der Schweiz, Deutschlands, Thailands, Weissrusslands und Südkoreas erwartet. In einem gewaltigen Foyer wurden die Eröffnungsreden gehalten. Medien Mitarbeiter überall. Hostessen in wunderschönen langen blauen und roten Kleidern mit weisser Kunstfellstola. Büffet. Informationsmaterial. Nebst der Eröffnung der Ausstellung, in der Arbeiten von 46 KünstlerInnen ausgestellt sind – hängt an prominent erster Stelle der sehr renommierte Vorreiter des Schweizer Impressionismus, Julius Voegtli (1879-1944), dessen Nachfahren auch geladen waren. Die Ausstellung erstreckt sich über zwei Etagen.

HONG MUSEUM – der Ausstellungsraum von NIKO NIKOLAIDIS photoby_©BastianLeeJones

In den imposanten Räumlichkeiten läuft man eine Treppe hoch und kommt fast direkt auf die sieben Werke von NIKO NIKOLAIDIS – dessen Mission es ist, das Kind in sich zu entdecken und das wahre Ich zu finden. Dort wo die Quelle, die göttliche nie verrinnende Quelle steckt. Stellt man Niko neben sein Selbstporträt – und betrachtet man seinen aussergewöhnlichen Kleidungsstil – in dunkelgrünem Samt, Ketten mit Kreuzen und Emblemen, Tattoes und seine langen nach hinten oben gesteckten dunklen Haare und seine John Lennon/Elton John Brille – erinnert es an Flowerpower 60ies und Bee Gees Glam Disko Zeit mit einem Touch von Steam Punk, nimmt man den dunklen Mantel und die vernieteten Schuhe dazu. Aber man denkt auch an einen Dandy und durch den Samt an einen Künstler des 19. Jahrhunderts – so ist aus Niko die Marke NIKO NIKOLAIDIS geworden, eine auffallende Erscheinung, ein extrem gut performendes Gesamtkunstwerk. Oder sollte man sagen Kunstfigur – um die sich geladene Galeristen und Kuratoren, wie etwa Lina Peng aus Shanghai, gerne scharen. Die Kunstfigur ist aber sicherlich noch “Work in Progress” und dieser Progress wird sehr durch Rita Döring-Klawitter befeuert, die ihn zu dem formte und formen wird, den wir heute schon mal als NIKO NIKOLAIDIS kennenlernen dürfen. Und das kann sie. Die Zeilen der Verbundenheit und des Dankes von Niko, die er Rita geschrieben hat, sind reinste Poesie – und diese einzigartige Offenheit der beiden, ohne dass sie ein Liebespaar sind – was viele vielleicht heimlich denken mögen – es ist aber eine Art Seelenverwandtschaft und ein Sich-Auf-Einander-Einlassen, was auf eine grossartige Zukunft mit vielen Chancen und Taten hoffen zu Recht hoffen lässt.

Hauptkuratoren Mr. Jackie Zhang (mitte) & Mr. Nour Nouri (rechts) photoby_©BastianLeeJones
Doki Gao (Co-Kuratorin, links) & Deutsche General Konsul Chengdu Herr Wolfgang Rudischhausen (rechts) photoby_©BastianLeeJones

So konnte ich auch nach einem Interview mit dem deutschen General Konsul aus Chengdu, Herrn Wolfgang Rudischhausen, noch bevor er nach Chengdu zurückreisen musste, an Nikos Ausstellungsraum lotsen.
Nach den Eröffnungsreden wurden grosse Messingplatten gelüftet. Deutschland durch Pashmin Art Consortia und Grossbritannien werden im Hong Museum in Chongqing ihre chinesischen permanenten Sitze und Büros haben. Besiegelt mit den Messingplatten. Herzlichen Glückwunsch. Ein erhebendes Gefühl, das Kunst dermassen zelebriert wird. Faszination und ein stockender Atem.

photoby_©BastianLeeJones & Mr. Efim

Neben den anwesenden KünstlerInnen Donegel Chong, Sponk, Goran Knezevic, Heike Pohl, Kendra Troschel, Kamila Zebrowska, Atmani Blok und Marie Korovina kümmerte sich Doki Gao, Dr. Davood Khazaie und das ganze chinesische Team um Tom, Su-Chi, Frank und viele andere um die ganze Gruppe. Es ist üblich, dass man neben dem chinesischen Namen auch einen europäischen Vornamen hat. Ihnen sei allen ganz herzlich gedankt! Nach Interviews mit den Künstlern durch die Kuratoren, ChongqingTV, CCTV, dem nationalen Sender, liefen gleich TV Features im Fernsehen über die Ausstellung in ganz China. Very well done. Mission accomplished!

HONG MUSEUM – Mr. Jackie Zhang vor der roten Unterschriftswand photoby_©BastianLeeJones

VORURTEILE GIBT ES – ABER NIE IM ABSOLUTEN
Vorurteil Nummer 1.
Die sogenannte Redewendung von der “gelben Gefahr” ging auf Attila und seine Hunnenscharen im 4. und 5. Jahrhundert zurück. Die Reiterscharen brachten das Oströmische und das Weströmische Reich an den Rand des Kollapses. Goten und Germanen wurden besiegt. Es kam zur Völkerwanderung. Bis an die Donau und Südschweden, Dänemark bis nach Chalons im Herzen Frankreichs drangen sie vor. Da man in Europa die Kultur der Geschichtsschreibung pflegte – schrieben sich diese Ereignisse tief in die DNA des kulturellen Gedächtnisses ein. Im 13. Jahrhundert reichte der Einfluss Dschingis Khans bis an die Ukraine und Moskaus. Die Nachfolger des autoritären aber toleranten Herrschers, der in seiner Hauptstadt Karkorum eine Synagoge, eine Moschee und eine Kirche neben den Gebäuden der eigenen Kulte baute, fielen bis nach Mitteleuropa ein. In Liegnitz kam es zur Schlacht. Das ist mit der “gelben Gefahr” gemeint. Die Ironie ist, dass weder Hunnen noch Mongolen Chinesen im eigentlichen Sinne waren! Sehe ich die Zugewandtheit der Menschen in Chongqing und Beijing – die sich für den Westen und vor allem Europa ausserordentlich interessieren, kann man sich vom ordentlichen Volk wirklich keine “Bedrohung” vorstellen. Wie überall in der Welt sind es immer politisch wirtschaftlich elitäre Führungskasten, die nach Expansion und geostrategischen Gesichtspunkten Konflikte schüren und dafür ihre Untertanen durch Propaganda manipulieren um sie kriegsgefügig zu machen. Oft kommen Angst und Einschüchterung und Staatsterror dazu. Das reicht von Diktaturen bis zu Monarchien und sogar Demokratien, denn mit Demokratie war nie die Herrschaft des Volkes im eigentlichen Sinn gemeint, sondern die Herrschaft einer gewählten Elite, die den “Karren” ziehen soll (griechisches Komposita aus den Worten demos und kratein).

Vorurteil Nummer 2.
Man würde alles kopieren und klauen. Blaupausen, Patente, und Entwicklungen. Dieser Vorwurf wurde auch in Japan und in Korea laut. Weniger bei den Russen, obwohl diese dies auch fleissig taten. Liest man in deutschen Autozeitschriften, so gibt es gelegentlich Artikel, die beispielsweise die hässlichsten Designentwürfe der Automobilbauer beschreiben. Meist werden da nur asiatische Hersteller genannt. Bei japanischen Konkurrenten wird die Sprache besonders martialisch bis kriegerisch.
Wenn man mit kunsthistorischem Verstand an das Thema geht, so ist das perfekte Kunstwerk in der ostasiatischen Sphäre, die perfekte Kopie der Kalligraphie oder der Zeichnung des Meisters. Im Westen besteht die Perfektion in dem bewussten Regelbruch der alten Meister. Repetition ist verschrien. Man denke an die Premiere von Maurice Ravels “Der Bolero” in Paris im 19. Jahrhundert – die ausgebuht worden ist. Entwicklung. Regelbruch versus Imitation und Kopie. Mit dem Wissen ist es verständlich, dass hinter dem spielerischen Ansatz der Kopie zunächst nichts böswilliges steckt! Natürlich spart man sich Entwicklungskosten, in dem man Dinge kopiert, nur in jedem Führungskraft und Persönlichkeitsentwicklungsbuch steht die Devise: Um erfolgreich zu sein brauchst du das Rad nicht neu erfinden! Positiv formuliert und übersetzt heisst das: Lass dich inspirieren. Mr. Efim, einer der Geschäftspartner der Kuratoren der Ausstellung, dem ich im Interview von diesen Bedenken erzählte, versicherte mir, dass seine Erfindung, Diamanten künstlich herzustellen, patentiert worden ist – in China. Und man sei wirklich bemüht, ein stringentes Urheberrecht zu entwickeln.

Vorurteil Nummer 3
Sie essen Ratte, Schlange, Nashornhörner als Aphrodisiakum. Oder Hund. Ja gelegentlich wird dies getan. Aber so wie hier, gibt es Menschen, die es ablehnen und Menschen, die es mögen. Wahlfreiheit. Was in einer Kultur sauber oder rein ist, das sind Codierungen und Prägungen. Diese Codierungen, was eben als lecker gilt, lässt auf das schliessen was unausgesprochen implizit als das Gegenteil gilt und umgekehrt. Diese Mechanismen erforschte beispielsweise die Soziologin Mary Douglas im Detail! Vorurteile haben ihren wahren Kern und kommen gelegentlich vor. Sonst gäbe sie es nicht. Doch sie gibt es nie in Gänze oder in Absolutum.

Vorurteil Nummer 4
China ist eine Diktatur. Ein Überwachungsstaat. Also, die Zöllner an den Flughäfen werden von den Reisenden, wie erwähnt, evaluiert. Es gibt 4-5 Druckknöpfe von einem bösen Smiley bis hin zu einem lachenden Smiley. Die Menschen sind äusserst hilfsbereit und freundlich. Kameras gibt es – aber nicht mehr als in München oder in Grossbritannien und sicherlich laufen viele uniformierte Menschen herum – aber sie haben eben alle einen Job und passen auf. Chongqing ist sehr ordentlich und sauber. Müll findet man nicht herumliegen. Und Graffities gibt es nur ganz punktuell! Chongqing ist eine Freihandelszone. Und es gibt die Partei. Auf mich persönlich hat China aber eher an Singapore mit dessen Modell der “geführten Demokratie” nach dessen Staatsgründer Lee Kwan Yew erinnert. Ist es so, dass Diktaturen immer nett daherkommen? Mag sein. Da wir aber keine Regelbrüche begangen haben – ist das schwer einzuschätzen. Inwieweit durch die gewaltige Anzahl von Menschen beispielsweise in China, die Tugendlehre des Konfuzius und die Nicht Fokussierung auf das Individuum auf die Art und Weise von Sanktionierungen zu schliessen ist, denkt man an die Maximalsanktion der Todesstrafe, lässt sich das schwer sagen! Selbst in Frankreich wurde der letzte Mensch noch bis spät ins 20. Jahrhundert (1977!) guillotiniert und die Todesstrafe erst 2007 wirklich konstitutionell verboten (Seit 1981 durch Francois Mitterand verboten). Ganz zu schweigen von den USA. Und beide genannten Länder des Westens frönen den “Kult” des Individualismus und der Menschenrechte, der Egalité, Fraternité und Liberté.
Festzuhalten bleibt aber, dass man immer die Welt so sieht, wie man selbst ist, und nicht wie sie wirklich ist. Das ist auch normal. Vielleicht sollte man Medienberichten und deren Machenden nicht so viel Autorität zugestehen und deren negative Berichte immer unter dem Motto der Schlagzeile, der Eilmeldung einordnen, mit der letztendlich Umsätze generiert werden oder vielleicht auch manipuliert und ausgerichtet wird. Jedes System pflegt seine Art und Weise der Berichterstattung und Propaganda.
Aber eben auch Freunden sollte man trotz ihrer Bedenken und Vorurteile höflich zuhören und sich vor allem dennoch selber überzeugen. Jeder Mensch hat seine eigenen Brillen auf, mit der er die Welt betrachtet und sein Leben kreiert. Dem Impuls, angstfrei Dinge selbst in Augenschein zu nehmen, zu reisen und gelegentlichen Hysterien im Umfeld sich entspannt zu enthalten, ist eine sehr angenehme und weiterbringende Position, die es für mich zumindest gilt, zu kultivieren. Und Kunst, Musik und Sport – das sind die Dinge, die alle Menschen zueinander bringen und Brücken bauen können – auf menschlicher, seelischer, geistiger und herzens-, aber letztendlich auch auf wirtschaftlicher, wissenschaftlicher oder politischer Ebene. Die wirklich offenen intensiven Gespräche mit meinen neuen chinesischen Freunden ermutigen sehr. Da hilft eben die Technik sehr. Die Möglichkeiten schnell zu reisen oder des schnellen Austausches über das Telefon und des Internets.

MAKING OF – Niko & NIKO NIKOLAIDIS Reise-Koffer photoby_©BastianLeeJones
MAKING OF Deutsche General Konsul Chengdu Herr Wolfgang Rudischhausen & Bastian photoby_©BastianLeeJones

MAKING OF – Begleiter Frank und NIKO NIKOLAIDIS

MAKING OF – Begleiter Frank und NIKO NIKOLAIDIS photoby_©BastianLeeJones
MAKING OF – zwei der sehr freundlichen Hostessen, Dank an Su Chi (Übersätzerin) steckt Bastian die Willkommensblume an, während Frank (hinten, Dank auch an ihn) vorbeikommt. photoby_©BastianLeeJones
MAKING OF – Dank auch an Tom unseren Reiseführer photoby_©BastianLeeJones
MAKING OF – Dank an Aiwuhua Guo photoby_©BastianLeeJones

Als Dank an unsere tollen chinesischen Begeleitenden, die sich sicherlich gern die Zeit für uns nahmen – habe ich diese Making of Photos aus courtesy mit eingefügt. Jetzt gibt es aber noch einige offizielle Aufnahmen für euch:

Chongqing – China Three Gorges Museum, Chongqing Museum photoby_©BastianLeeJones
Chongqing – Essen photoby_©BastianLeeJones
Chongqing – Essen photoby_©BastianLeeJones
Chongqing – Ciqikou Altstadt Impression photoby_©BastianLeeJones
Chongqing – Ciqikou Altstadt Impression photoby_©BastianLeeJones
Chongqing – Ciqikou Altstadt Tempel Impression photoby_©BastianLeeJones
Chongqing – die Stadt der Brücken photoby_©BastianLeeJones
Chongqing – Gegensätze – alt vs. neu photoby_©BastianLeeJones
Chongqing – Stadt Impressionen photoby_©BastianLeeJones
Chongqing – Downtown – bunt, hoch, kapitalistisch photoby_©BastianLeeJones
Chongqing – symbolisch noch kommunistisch photoby_©BastianLeeJones
Chongqing – by night – die imposante Skyline photoby_©BastianLeeJones

 

 

 

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