BERLIN MUSIC VIDEO AWARDS 2019 – Skandal für die Freiheit der Kunst

In diesem Jahr finden die BerlinMVA´s im Gretchen Club, in der Obentrautstrasse 19-21, in Kreuzberg statt (Infos unter: http://www.BerlinMVA.com). Vier Tage, vom 29. Mai bis zum 1. Juni, ab 17Uhr. Am Samstag geht die After Show Party bis in den Morgen. In- und Outdoor, mit tollem Essen, grosser Laser Show, den Bands “Vitalic” und “Sexy Sushi” alias “Kompromat”, workshops, Diskussionen und die um die es geht, die Machenden, Musiker und Künstler.

Die Berlin Music Video Awards sind ein ganz besonderes Festival. Und wenn ganz besonders gesagt wird, ist es auch so. Diese Awards begleiten mich schon seit 2017. Damals im Nuke Club Berlin in- und outdoor stattfindend. Als Musikvideo Produzent und Artist aber auch in der Funktion als Pressefigur – war diese “cozy platform” (gemütliche Plattform), wie sie sich gern selbst nennt, besonders attraktiv. Nicht weil es dort um Musik geht. Natürlich auch, denn es fokussiert ja Musikvideos. Sondern weil die Macher, die Produzenten, directors und auch Künstler von überall her anreisen. Selbst aus Canada und weiter. Mit unzähligen Kategorien von: bester Song, bester director, most trashy bis best visual effects – geht es hier vor allem um die Kreativität und die Freiheit des künstlerischen Ausdrucks. Und alle – Machende und Besuchende, sind alle irgendwie ansprechbar. Networking ist das Zauberwort. Wenn man nebenbei mal mit der Animationssiegerin eines Videos für Katie Melua nach ihrem Sieg schnackt, oder mit den präsentierten Modemachern, Foodstandbetreiber oder der exzentrischen Band “Sado Opera” – egal. Man tauscht sich aus und hat die Chance – die Stars von morgen mal eben zu treffen. Videos von Alan Walker bis Coldplay und No-Names haben hier alle dieselbe Chance. Das ist eben typisch Berlin. Schrill, subkulturell, kreativ, liebenswürdig und unterschätzt. Dem wollen wir hier etwas Abhilfe leisten.

Die Radiosendung “Mach Dir Lebenslust” und LebenslustTV (siehe das Interview mit dem Gründer und Organisator Aviel Silook: https://www.youtube.com/watch?v=pRHkX9bjxGM&t=249s) wird mit dem Zeitblatt Magazin Assistenten Team täglich dabei sein und Euch informieren.

Das ganz Besondere ist, dass der Gründer, Aviel Silook, wirklich ein Händchen hat und wirklich auf Unabhängigkeit pocht und dabei Courage und Haltung beweist. Selbst, wenn wichtige grosse Sponsoren abspringen, oder das Festival nicht mal Förderungsgelder vom Senat bekommt – was schon ein halber Skandal ist, denn Gelder sind in Berlin, dank auch unserer Bundesbeauftragten für Kultur, Prof. Monika Grütters, vorhanden – und nicht nur, weil letztere selbst aus Berlin stammt. Im folgenden Interview geht es um die Freiheit der Kunst und den Kampf darum – das gepaart mit dem vielleicht grössten Skandal, den die BMVA´s je produziert haben! Ein Auszug aus dem Interview. Das ganze Interview könnt ihr auf Youtube schauen: https://www.youtube.com/watch?v=k7y3Q1w-NZQ

AS: Mein Name ist Aviel Silook. Ich bin der Gründer und der Organisator der Berlin Music Video Awards. Natürlich mit einem exzellenten Team, allein kann man so etwas nicht  stemmen. Es ist das siebte Jahr, und ich bin sehr froh, dass du, wie 2017, wieder journalistisch dabei bist. Seit 2017 haben sich einige Dinge verändert. Dieses Jahr haben wir die höchste Anzahl an Videoeinsendungen. Wir haben viele Gäste aus dem Ausland.
BLJ: Das Festival, welches Filmemacher, Musiker und die Kunst hinter den Musikvideos in das Rampenlicht holt. Vom Wording her unterstützt ihr die kreative Seite?
AS: Wenn man sich heute anschaut wer Musikvideos schaut, denke ich, dass es den Kids nur um die Frontsingenden und Bands und Songs geht. Je reifer die Menschen sind, desto mehr interessieren sie sich auch, wer das Video gemacht hat. Bis ich 18 Jahre alt war, habe ich auch nicht daran gedacht, dass es Videopoduzenten, Directors etc geben würde. Ich hätte gedacht, dass die Band alles machen würde.
BLJ: Es ist sicherlich ein Networking Event. Für die Machenden, die Agenturen, auch für die Musiker, aber was kann das Publikum erwarten? Es ist ein vier Tage Festival!
AS: Wir haben die Macher, die die tollen Szenen kreieren, parallele Fantasiewelten, die Magie zaubern. Wenn ich die visual effects sehe und Musikvideoszenen, die in Realität unmöglich wären, dann hat das doch einen besonderen Wert. Man betritt einen eigenen Kosmos, wenn man ein Musikvideo sieht. Deshalb haben wir die visual effect artists von “Game of Thrones” oder “Harry Potter” beispielsweise eingeladen. Wenn du Realität erfahren möchtest, dann geh einfach raus in den Wald. Ausserdem gibt es tolles Essen, Workshops, eine grosse Lasershow. Meine Lieblingsbands aus Frankreich: “Vitalic” und “Sexy Sushi”. Zusammen sind sie “Kompromat”. Die grösste Show, die wir je hatten. Diskussionen. Natürlich.
BLJ: Es ist das siebte Festival! Viel ist passiert. Ich erinnere mich an 2017! Da wurde ein Video gezeigt, welches eigentlich ein Gay Porno war. Ich stand am Rande, und hätte ich das vorher gewusst, hätte ich zwei Kameras in den Zuschauerraum aufgestellt. In dem Video wurde durch die Darsteller gezeigt, wie der eine den anderen angeschissen hat (Scat, Nekrophilie). Die Reaktionen gingen von Ekel bis Lachen, bis Scham bis Pfeiffer, Klatschen – es war alles dabei.
AS: Ja. Du meinst den Beitrag von Brandon MacLean – “House of Air”. Danke dass du das ansprichst. Ich möchte da etwas hervorheben. Dieses Video gewann die Kategorie: “most trashy”. Es war nicht Porno. Es war ein pornografisches Musikvideo. Es gab im Team grosse Diskussionen, ob wir es zeigen sollen, oder nicht. Letztendlich schauen wir alle mehr oder weniger Pornografie. Warum sollten wir den Mut, so ein Video zu produzieren und es auf die grosse Leinwand vor Publikum in diesem Wettbewerb zu bringen, nicht unterstützen? Und die Kategorie: “most trashy” ist ja auch unser Markenzeichen. Da unterstützen wir leichtere, lustige, skurrile Themen. Hier geht es wirklich um die Freiheit des Ausdruckes. Um Grenzen zu überschreiten. Und am Ende hatten wir Recht. Es gewann diese Kategorie und es war das most trashy Video im Wettbewerb.
Im Übrigen hältst du von der Marke … ein Mikrophon in der Hand. Das war für unsere Live Shows unser Hauptsponsor! Dieser hat uns ein Ultimatum gestellt. Entweder wir oder dieses Video. Nun – wir haben uns für das Video entschieden. Sie zogen sich zurück. Das war schon ein Stich ins Herz. Aber es geht hier wirklich um Kunstfreiheit und Unabhängigkeit. Wir bekommen ja nicht mal vom Staat Unterstützung. Vielleicht – weil die Videos, denen wir hier eine Plattform geben, nicht langweilig genug sind! Wir haben uns dieses Jahr auch nicht um Förderung beworben.
BLJ: Respekt vor der Konsequenz und der Haltung. Viel Erfolg für den 29. Mai mit “Kompromat” und dem ganzen Festival. Wir begleiten Euch sehr gerne Medial.
AS: Vielen lieben Dank. Wir freuen uns sehr.

Text: Bastian Lee Jones / Photos by_BastianLeeJones

 

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