4-11-89 Theater der Revolution – mit 60 Frauen und 1 Punk

Die Wiederbelebung der Demonstration vom 4.11.1989 auf dem Alexanderplatz:  künstlerisch verdichtet, aktualisiert, feministisch und partizipativ. Am Montag, 4.11.2019 um 17.30 Uhr auf dem Alex, umsonst & draußen

In einer großen Performance bringt das Berliner Theaterkollektiv Panzerkreuzer Rotkäppchen die größte freie Demonstration der DDR zurück auf den Originalschauplatz. „4-11-89 Theater der Revolution“ wird genau 30 Jahre später am 1. Tag der Festwoche zu 30 Jahre Mauerfall  uraufgeführt, unmittelbar nach der Eröffnung durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin auf dem Alexanderplatz.

Am 4. November 1989 demonstrierten Hunderttausende Menschen auf Initiative der Ostberliner Theater auf dem Alexanderplatz, um die Zukunft der DDR auf der Straße zu verhandeln. Eine vorher undenkbare Mischung aus Intellektuellen, Bürgerrechtler*innen und SED-Vertretern hielt teils inspirierende, teils verlogene Reden. Die Menschenmassen buhten sie aus oder jubelten, ihre eigenen Ideen äußerten sie auf selbstgebastelten, humorvollen Plakaten: „Erich Mielke in Pension, Stasi in die Produktion“, „Mode 89: Wendejacken“, „Entsesselt die Ärsche“, aber auch „Gegen Verharmlosung von Neo-Nazis made in GDR“ oder einfach „Jetzt reicht‘s!“

Es war die größte freie Demonstration der DDR, die erste und eine der letzten. Noch heute ist der Tag für viele Beteiligte ein Höhepunkt: Die Zukunft schien offen, von Wiedervereinigung war noch nicht die Rede. „Der 4.11. hat gezeigt, dass Revolution auch Spaß machen kann“, so Tom Sello, Bürgerrechtler und Beauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur im Land Berlin.

Das Theaterkollektiv Panzerkreuzer Rotkäppchen (PKRK) lässt den 4.11.1989 mit all seinem Mut, seinen Utopien und Ambivalenzen genau 30 Jahre später auf dem Originalschauplatz wieder aufleben: als „Theater der Revolution“, mit Musik, Schauspiel und Tanz, mit Reden von heutigen Menschen, mit 60 Frauen und einem Punk.

Die „sozialistische Protestdemonstration“, wie sie 1989 hieß, wird 2019 im „Theater der Revolution“ künstlerisch verdichtet, aktualisiert, feministisch und partizipativ.

Künstlerisch verdichtet: Mit Musik, Schauspiel, Tanz, Videoprojektionen und Plakaten, mit überdimensionalem Hall und spektakulärem Lichtdesign lässt Panzerkreuzer Rotkäppchen die revolutionäre Energie der Massendemo vom 4.11.89 wieder aufleben.

Aktualisiert: Die alten Reden von Christa Wolf, Jens Reich, Gregor Gysi u.a. verfremdet PKRK und inszeniert ihre Versprecher und Zwischenrufe, ihre Subtexte und ihre Komik mit. Dazu halten heutige Aktivistinnen neue Reden: eine Friday for Future-Schülerin und eine deutsch-türkische Aktivistin gegen Rassismus treten auf. Eine feministische Verfassung wird verlesen.

Feministisch: „50% Frauen ins Politbüro“ forderten Plakate schon 1989. 30 Jahre später wird das „Theater der Revolution“ fast ausschließlich von und mit Frauen gemacht. Die Regisseurin Susann Neuenfeldt und die Choreographin Maike Möller-Engemann zeichnen für die Inszenierung verantwortlich. Auf und vor der Bühne reden, tanzen und singen 60 Frauen und junge Mädchen. Als einziger Mann tritt der Punk Hans Narva von „Herbst in Peking“ auf, der den Originalredner Stefan Heym musikalisch performt.

Partizipativ: Demonstrant*innen und Plakate sind wie vor 30 Jahren erwünscht!

Obwohl die Demonstration vom 4.11.89 ein radikal demokratischer Moment der Selbstermächtigung von Hunderttausenden war, steht der Tag heute im Schatten des Mauerfallgedenkens. Das Theaterkollektiv Panzerkreuzer Rotkäppchen (PKRK) will jedoch nicht gedenken, sondern mit den Mitteln des Theaters einen Raum für Gefühlsarbeit öffnen. PKRK fragt: Mit welchen Ideen und Träumen und für welche Zukunft gehen wir heute auf die Straße?

Die PKRK-Regisseurin Susann Neuenfeldt will die Revolutionsgefühle nicht den Rechtspopulisten überlassen, sondern die Hoffnung, den Gestaltungswillen, die Emotionen und den Humor der Menschen von 1989 wiederbeleben. Zonenkind und 3. Generation Ost, macht Susann Neuenfeldt mit PKRK seit 10 Jahren Theater zu DDR-Themen und sucht dabei nach neuen Formen, die DDR zu erzählen, jenseits von Ostalgie oder Dämonisierung.

https://vimeo.com/user33619872

Related Posts

LEAVE A COMMENT

Make sure you enter the(*) required information where indicated. HTML code is not allowed

*