100 Jahre Bauhaus II in der Alfred Ehrhardt Stiftung

Ab dem 27. April 2019 wird in der Alfred Ehrhardt Stiftung 100 Jahre Bauhaus II gezeigt.
Die ALFRED EHRHARDT STIFTUNG widmet sich der wissenschaftlichen Erschließung des Werks von Alfred Ehrhardt, als Fotograf und Kulturfilmer ein herausragender Vertreter der Neuen Sachlichkeit. Die Stiftung wurde im November 2002 vom Sohn des Künstlers, dem Münchener Vermögensverwalter Dr. Jens Ehrhardt, ins Leben gerufen, um den künstlerischen Nachlass seines Vaters, bestehend aus Gemälden, Zeichnungen, Grafiken, Fotografien, Negativen, Filmen und Dokumenten zu bewahren und ihn einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Im Januar 2010 zog die Stiftung von Köln nach Berlin, um einen Schritt in Richtung mehr Öffentlichkeit zu gehen.Alfred Ehrhardts fotografisches Erstlingswerk DAS WATT (1933–36) ist eine Ode an die Natur. Es zählt zu den herausragenden Bildleistungen der Avantgarde-Fotografie der 1930er Jahre und bildet die »Crème de la Crème« seines fotografischen Werks. Die künstlerische Qualität dieser Serie sucht auch unter den Meistern der Fotografie der Neuen Sachlichkeit Ihresgleichen. Am Dessauer Bauhaus im Vorkurs von Josef Albers formiert, faszinieren Ehrhardt die durch Wind und Wasser täglich neu entstehenden abstrakten Strukturen im Sand, die ihn an den Materialkundeunterricht erinnern, wo man »Struktur, Textur und Faktur« von Materie erfasste. Dem Prinzip der Bildserie folgend, spürt er durch den Vergleich der täglich neu erschaffenen Formvariationen den natürlichen Gesetzmäßigkeiten im Zusammenwirken der Naturkräfte nach. Bewusst suggeriert seine Typologie der Sandriffelbildungen eine Verbindung von Mikro- und Makrokosmos.

Anders als Alfred Ehrhardt arbeitet der US-Fotograf David Batchelder (* 1939) bewusst mit digitaler Kamera, um dem Küstenstreifen der Isle of Palms seines Heimatortes Charleston in South Carolina erstaunliche Sandformationen zu entlocken, die laut Batchelder mit analoger Technik im Verborgenen geblieben wären: „Meine Fähigkeit zum Sehen nahm zu, weil ich tausende von Fotografien machen und anschauen konnte. Das hat mein Sehvermögen verbessert. Heute erkenne ich viele interessante Dinge im Sand, die zwar vorher schon da waren, die aber jenseits meines Sehvermögens lagen.“ Batchelder geht bewusst mit der menschlichen Wahrnehmung um: Die Abstraktion des auf wenige Informationen reduzierten Naturmotivs erzeugt verborgene Vorstellungen. Es erscheint fast unmöglich, in diesen Bildern keine konkreten Motive zu entdecken. Etwas in uns möchte Gesichter, Figuren, eine Landschaft oder eine Galaxie sehen, und doch sehen wir nur herab auf ein kleines Stück Strand.

Anders als Ehrhardt interessiert Batchelder nicht die Gesetzmäßigkeiten der Struktur, sondern das Chaotische, Absonderliche, Surreale, Nicht-Rationale, kurz: die Welt des Traums und der Phantasie. Batchelders Freiheit des Spielerischen steht gegen Ehrhardts sachliches Ordnungsgefüge, Wissenschaft gegen Poesie.

LAUFZEIT: 27. April bis 7. Juli 2019

Eröffnung: Freitag, 26. April 2019, 19–21 Uhr
Kuratorin: Dr. Christiane Stahl

Veranstaltungen zur Ausstellung:
Sonntag, 28. April 2019, 14 Uhr: Künstlergespräch mit David Batchelder und Dr. Christiane
Stahl, Alfred Ehrhardt Stiftung

Bildergalerie Copyrights
Ersten zwei Bilder: Ohne Titel©David Batchelder
Dritte Bild von links: Wind- und Wasserstrukturen im Sand©Alfred Ehrhardt Stiftung
Vierte Bild: Spuren fließenden Wassers im Sandboden©Alfred Ehrhardt Stiftung

 

 

 

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